Der Konflikt zwischen London und Teheran um die in Iran festgehaltenen Marine-Soldaten verschärft sich weiter: Es gab Aufregung um ein angeblich umstelltes Konsulat Irans, scharfe Töne aus der Downing Street und ein ernüchterndes Zeichen aus Teheran.

Das Büro des britischen Premierministers Tony Blair hat die Veröffentlichung von Videoaufnahmen der im Iran gefangen gehaltenen Soldaten scharf kritisiert. Niemand dürfe in eine solche Lage gebracht werden, erklärte Blairs Sprecher am Donnerstag. Die Bilder verstießen gegen die Konventionen und gegen die Menschenrechte.

Anzeige

Zuvor gab es Aufregung, weil britische Soldaten angeblich das iranische Konsulat in der irakischen Stadt Basra umstellt hatten - was London umgehend dementierte.

Die Soldaten hätten in die Luft geschossen, heiß es. Dies sei ein provokativer Akt, sagte der iranische Konsul Mohammed Ridha Nasir Bagban am Donnerstag. Die Truppen seien um zehn Uhr morgens aufmarschiert. Das britische Militär dementierte die Darstellung.

"Das Gebäude wurde nicht umstellt", sagte die Sprecherin des britischen Militärkontingents in Basra. Es habe Patrouillen in der Umgebung des Konsulats gegeben, weil britische Soldaten zuvor von Unbekannten beschossen worden seien. Dies habe aber in keinem Zusammenhang mit dem iranischen Konsulat gestanden, fügte die Sprecherin hinzu.

"Nicht korrekte Haltung"

Wie unterdessen bekannt wurde, soll die britische Marinesoldatin Faye Turney nun doch nicht freikommen. Sie wird seit Freitag zusammen mit 14 anderen Seeleuten in Iran festgehalten.

Der iranische Chefunterhändler Ali Laridschani begründete die Entscheidung am Donnerstag mit der "nicht korrekten Haltung" der britischen Regierung. Noch am Mittwoch hatte es geheißen, die Soldatin solle "in ein oder zwei Tagen" freigelassen werden. Wörtlich sagte Laridschani: "Wir hatten beschlossen, die Frau freizulassen, aber angesichts des politischen Tamtams, das London veranstaltet, ist dieser Beschluss vorläufig auf Eis gelegt."

Frankreich zeigte sich mit Großbritannien solidarisch und bestellte den iranischen Botschafter Ali Ahani ins Außenministerium ein. Ahani sei mitgeteilt worden, dass Frankreich "sehr besorgt" über den Zwischenfall sei und "die schnellstmögliche Freilassung" der Soldaten verlange, teilte das Ministerium in Paris mit.

Ban schaltet sich ein

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich in den Konflikt eingeschaltet. Ein UN-Diplomat erklärte, Ban habe sich am Rande des Gipfels der Arabischen Liga mit Manuschehr Mottaki "grundsätzlich" über die Krisen zwischen Teheran und der internationalen Gemeinschaft unterhalten.

Dabei habe der UN-Generalsekretär den Fall der festgehaltenen Seeleute angesprochen. Genauere Angaben machte der UN-Vertreter nicht. Auf seiner Nahost-Reise nimmt Ban am 19. Gipfel der Arabischen Liga teil. Das iranische Atomprogramm und die Festnahme der 15 Briten belasten derzeit das Verhältnis des Iran zur internationalen Gemeinschaft.

Iranische Sicherheitskräfte hatten die Marine-Soldaten und Seeleute am vergangenen Freitag festgenommen. Nach Darstellung Londons befanden sich die Seeleute sich zu diesem Zeitpunkt fast 1,7 Seemeilen außerhalb des iranischen Hoheitsgebiets.

Teheran behauptet, sie seien in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen. Die Festgenommenen gehören zur multinationalen Truppe im Irak und patrouillierten auf der Wasserstraße Schatt el Arab, die den Irak vom Iran trennt.

Leser empfehlen 

(AFP/sueddeutsche.de)