Geert Wilders' Berater Der Schattenmann des Populisten

Martin Bosma ist der Mann hinter Geert Wilders. Der Strippenzieher des niederländischen Islamgegners kennt nur eine Devise: maximale Provokation. In seinem Buch verhöhnt er Linke als "nützliche Idioten" der Dschihadisten.

Von Thomas Kirchner

In Den Haag tagte in der vergangenen Woche die 11. Deutsch-Niederländische Konferenz. Wissenschaftler, Politiker, Journalisten und Unternehmer sondierten die politische Lage in beiden Ländern. Auf der Tagesordnung: die Zersplitterung der Parteienlandschaft, die sprunghaften Wähler, der neu aufkeimende Nationalismus in Europa.

Der Aufstieg des Geert Wilders

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In Wahrheit sprachen die Teilnehmer fast nur über jenen Mann, der ihnen mächtig Angst einjagt: Geert Wilders.

Ein Blick in Bosmas Büro, und die Fronten sind geklärt

Experten analysierten seinen Populismus, nannten die Gründe seines Erfolgs. Aber wie meist war die Elite unter sich; es hätte der Tagung gutgetan, einen leibhaftigen Populisten auftreten zu lassen.

Nach denen muss man in Den Haag ja nicht lange suchen. Martin Bosma zum Beispiel, Wilders' "brain", sein Redenschreiber, Kampagnenführer, wichtigster Mitarbeiter, Strippenzieher: Er hat gerade ein Buch geschrieben über sich und Wilders und über die gemeinsame Ideologie, er freut sich daher, wenn man in seinem Büro vorbeischaut.

Na ja, vorbeischauen. Es ist ein Spießrutenlauf.

Wer den Abgeordneten Bosma in der Tweeden Kamer besuchen will, dem niederländischen Parlament, muss durch zwei Schleusen, wird zweimal gescreent, darf weder Handy noch Aufnahmegerät mitnehmen, nur Stift und Papier, und läuft keinen Millimeter ohne Sicherheitsbeamten. Die Fraktion der Partij voor de Vrijheid, der Bosma angehört, will es so. Die PVV besteht aus erklärten Islam-Feinden, die leben gefährlich, das muss man ihnen glauben.

Ein Blick in Bosmas Büro, und die Fronten sind geklärt. Neben einer riesigen israelischen Flagge und der New Yorker Skyline (mit den Twin Towers) hängen Bilder von Ronald Reagan, Alexander Solschenizyn, Menachem Begin, Mosche Dajan - und Wladimir Jabotinsky, einem der radikalsten Zionisten. Ein Kabinett der Falken. "Sie sind alle da", sagt Bosma fröhlich, als wollte er sichergehen, dass die Botschaft auch sitzt.

Manche Kulturen sind weniger wertvoll als andere

Bosma ist groß gewachsen, schlank, dunkelblond, in seinem Gesicht hat sich trotz seiner 46 Jahre etwas Jugendlichkeit gehalten. Auch sein enger grauer Anzug, das rosa Hemd und die braunen Schuhe folgen dem betont modischen Dresscode der jüngeren Abgeordneten in Den Haag. Sein Englisch: perfekt.

Er stammt aus einer traditionell sozialdemokratischen Familie, hat an der linken Amsterdamer Universität erst Politik studiert, dann Soziologie an der New School for Social Research in New York. Im Institut regieren Marxisten, aber in der Bibliothek findet er die Bücher der neokonservativen Staatsskeptiker - Leo Strauss, Allan Bloom, William F. Buckley Jr., Norman Podhoretz -, die ihn in Bann ziehen. "Das sind Leute, die wissen, dass der Staat nicht alles lösen kann", sagt Bosma, "denen Werte wichtig sind, die den Beitrag des Christentums zu unserer westlichen Kultur erkennen."

Von Strauss, dem scharfen Kritiker der Moderne und der Aufklärung, bezieht er auch seine wichtigste Erkenntnis: "Die Kulturen sind nicht gleich." Das heißt auch: Manche Kulturen sind weniger wertvoll als andere.

Von diesen antiliberalen, jüdisch-konservativen Dogmen überzeugt, blickt Bosma auf den Islam - und schaudert. Er zählt auf, was er als Journalist in den USA und später in den Niederlanden miterlebt hat: die Rushdie-Affäre, das Attentat gegen Rabbi Kahane in New York 1990, die Anschläge auf das World Trade Center 1993 und 2001.

Schon 2002 erwägt er, sich dem Islamkritiker Pim Fortuyn anzuschließen; der wird ermordet, ebenso wie Theo van Gogh zwei Jahre später, ein Ereignis, das die Niederlande erschüttert. Kurz darauf heuert Martin Bosma bei Wilders an, der gerade die rechtsliberale Partei verlassen hat.

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