Martin Bosma ist der Mann hinter Geert Wilders. Der Strippenzieher des niederländischen Islamgegners kennt nur eine Devise: maximale Provokation. In seinem Buch verhöhnt er Linke als "nützliche Idioten" der Dschihadisten.
In Den Haag tagte in der vergangenen Woche die 11. Deutsch-Niederländische Konferenz. Wissenschaftler, Politiker, Journalisten und Unternehmer sondierten die politische Lage in beiden Ländern. Auf der Tagesordnung: die Zersplitterung der Parteienlandschaft, die sprunghaften Wähler, der neu aufkeimende Nationalismus in Europa.
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In Wahrheit sprachen die Teilnehmer fast nur über jenen Mann, der ihnen mächtig Angst einjagt: Geert Wilders.
Ein Blick in Bosmas Büro, und die Fronten sind geklärt
Experten analysierten seinen Populismus, nannten die Gründe seines Erfolgs. Aber wie meist war die Elite unter sich; es hätte der Tagung gutgetan, einen leibhaftigen Populisten auftreten zu lassen.
Nach denen muss man in Den Haag ja nicht lange suchen. Martin Bosma zum Beispiel, Wilders' "brain", sein Redenschreiber, Kampagnenführer, wichtigster Mitarbeiter, Strippenzieher: Er hat gerade ein Buch geschrieben über sich und Wilders und über die gemeinsame Ideologie, er freut sich daher, wenn man in seinem Büro vorbeischaut.
Na ja, vorbeischauen. Es ist ein Spießrutenlauf.
Wer den Abgeordneten Bosma in der Tweeden Kamer besuchen will, dem niederländischen Parlament, muss durch zwei Schleusen, wird zweimal gescreent, darf weder Handy noch Aufnahmegerät mitnehmen, nur Stift und Papier, und läuft keinen Millimeter ohne Sicherheitsbeamten. Die Fraktion der Partij voor de Vrijheid, der Bosma angehört, will es so. Die PVV besteht aus erklärten Islam-Feinden, die leben gefährlich, das muss man ihnen glauben.
Ein Blick in Bosmas Büro, und die Fronten sind geklärt. Neben einer riesigen israelischen Flagge und der New Yorker Skyline (mit den Twin Towers) hängen Bilder von Ronald Reagan, Alexander Solschenizyn, Menachem Begin, Mosche Dajan - und Wladimir Jabotinsky, einem der radikalsten Zionisten. Ein Kabinett der Falken. "Sie sind alle da", sagt Bosma fröhlich, als wollte er sichergehen, dass die Botschaft auch sitzt.
Manche Kulturen sind weniger wertvoll als andere
Bosma ist groß gewachsen, schlank, dunkelblond, in seinem Gesicht hat sich trotz seiner 46 Jahre etwas Jugendlichkeit gehalten. Auch sein enger grauer Anzug, das rosa Hemd und die braunen Schuhe folgen dem betont modischen Dresscode der jüngeren Abgeordneten in Den Haag. Sein Englisch: perfekt.
Er stammt aus einer traditionell sozialdemokratischen Familie, hat an der linken Amsterdamer Universität erst Politik studiert, dann Soziologie an der New School for Social Research in New York. Im Institut regieren Marxisten, aber in der Bibliothek findet er die Bücher der neokonservativen Staatsskeptiker - Leo Strauss, Allan Bloom, William F. Buckley Jr., Norman Podhoretz -, die ihn in Bann ziehen. "Das sind Leute, die wissen, dass der Staat nicht alles lösen kann", sagt Bosma, "denen Werte wichtig sind, die den Beitrag des Christentums zu unserer westlichen Kultur erkennen."
Von Strauss, dem scharfen Kritiker der Moderne und der Aufklärung, bezieht er auch seine wichtigste Erkenntnis: "Die Kulturen sind nicht gleich." Das heißt auch: Manche Kulturen sind weniger wertvoll als andere.
Von diesen antiliberalen, jüdisch-konservativen Dogmen überzeugt, blickt Bosma auf den Islam - und schaudert. Er zählt auf, was er als Journalist in den USA und später in den Niederlanden miterlebt hat: die Rushdie-Affäre, das Attentat gegen Rabbi Kahane in New York 1990, die Anschläge auf das World Trade Center 1993 und 2001.
Schon 2002 erwägt er, sich dem Islamkritiker Pim Fortuyn anzuschließen; der wird ermordet, ebenso wie Theo van Gogh zwei Jahre später, ein Ereignis, das die Niederlande erschüttert. Kurz darauf heuert Martin Bosma bei Wilders an, der gerade die rechtsliberale Partei verlassen hat.
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Kapitalabzug aus Südeuropa
zunächst: es ist schwer, bei den vielen Mißverständnissen in Ihrer Antwort einen Anfang zu finden. Daher in Kürze:
1.) Ich halte die Einteilung von Menschen in Gruppen grundsätzlich für akademisch und wenig praxisnah. In Gerprächen stellt sich immer wieder heraus, daß Individuen sich in einigen wesentlichen Punkten eher so verhalten wie die eine Gruppe, in anderen wieder nicht.
2.) Ich erkenne sehr wohl eine seelsorgerische Komponente im Islam. Allerdings ist diese bezüglich der von mir angesprochenen Punkte nicht relevant. Dies nur zur Klarstellung.
3.) Bedeutend ist hingegen, daß Staaten sich in meinem Verständnis mehr oder weniger säkular geben (wobei säkular ein oft mißbrauchter Begriff ist). Die Trennung von Staat und Kirche gelingt nie ganz. Selbst in D. lassen sich durch die bedeutenden Religionen beeinflußte Verordnungen und Gesetze bzw. Auseinandersetzungen um Gesetzesvorhaben finden (Kruzifix in Schulen, PID, Sterbehilfe und und und). Während allerdings die eben angesprochene Trennung in D. recht weitgehend ist, steht sie in der Türkei lediglich auf dem Papier (und das hat so gut wie keinen Wert). Von anderen Staaten der Region wollen wir erst garnicht reden. Ein (Islam-gläubiger) Bürger, der aus diesen Staaten nach D. einwandert, steht vor dem Dilemma, daß freie Religionsausübung insoweit eingeschränkt ist, als religiöse (oder dafür gehaltene) Bräuche gegen Gesetze verstoßen und daß das Gesetz Vorrang hat. Dazu kommt, daß viele kulturelle Bräuche, die im WIderspruch zu unseren Gesetzen stehen, mit Verweis auf den Koran begründet werden. Das meine ich mit Integrationsproblem.
Danke - nur welche Sichtweise ist denn gemeint?
@ Donata1: "Im Gegensatz zu Ihnen,sehe ich es nicht als Mangel an, dass der Islam die seelsorgerische Komponente, die Sie schildern, nicht kennt."
ich habe das Gegenteil dessen ausgedrückt, was Sie vermuten. Der Islam beschränkt sich nicht auf das, was wir unter Religion landläufig verstehen. Die Folgen sind die von mir beschriebenen.
Mir fehlt allerdings die Zeit, weiter auf Ihren Kommentar einzugehen, ich denke auch, daß sich ein Großteil dessen, was Sie aufgrund der falschen Annahme einwenden, erübrigt, wenn Sie meinen Kommentar im Licht dieser anderen Sichtweise nochmals lesen.
Alles weitere, wenn überhaupt nötig dann am MOntag.
Schönes Wochenende
Einerseits möchten Sie keine "Gruppen" identifizieren - wobei ich lediglich auf das Klientel der verstorbenen Richterin Heisig abgehoben habe und die hat nun in der Tat sehr sauber definiert und geschildert. Ein paar Zeilen später, sagen Sie, Zitat: "Die fehlende Bereitschaft, sich ausschließlich als Religion zu verstehen mit einem seelsorgerischen Wirkunsbereich, wie wir ihn verstehen, ist nur eines davon. Aber gerade das ist es, was die Integrationsfähigkeit stark belastet. Fehlt doch dem Moslems bicht selten die Einsicht in die (hiesige) Vorrangstellung staatlicher, d.h. nicht religiöser Anweisungen (sprich Gesetze)."
Im Gegensatz zu Ihnen,sehe ich es nicht als Mangel an, dass der Islam die seelsorgerische Komponente, die Sie schildern, nicht kennt. Wie denn auch? Es handelt sich nicht um eine Religion nach "unserem" Verstand. Um noch weiter zu gehen, diese "Religion" interessiert mich überhaupt nicht als Wertungsgegenstand, wie käme ich dazu? Ein jeder möge nach seiner Facon selig werden. Die Minimalforderung, der Minimalkonsens ist Respekt vor dem jeweils anderen. Der säkulare Staat hat klare Regeln, die sämtliche Bürger, Einwohner eines Landes betreffen und dazu gibt es keine Diskussion. Diese Regeln sind ohne Wenn und Aber einzuhalten. Ich möchte mich - bis hin zu diesem Afganistan-Krieg - überhaupt nicht auf "religiöser", weltanschaulicher Sicht auslassen - das mögen die Islamanhänger bis hin zu den Islamistischen Fundis in ihren Ländern ausmachen. Ich gehe sogar so weit, dass mich nicht einmal das Frauenrecht in Pakistan oder Afghanistan interessiert, denn ich hielte es für eine unzulässige Einmischung. Ich bin erschüttert über abgeschnittene Nasen von Mädchen (vgl. Titelbild Newsweek?) - aber ich werde mich dazu nicht äussern.
Und, das ganz ausdrücklich, wer in mein Land kommt oder in der xten Generation dort lebt, soll Rechte und Pflichten haben, die sich ausschliesslich an den Gesetzen und dem Usus meines Landes orientieren.
Weil so manch classe politique verkannt hat, dass zwischen Sonntagsreden und dem ganz normalen Lebensalltag offenbar so manchen Bürgers, Welten liegen, hat man nun das Phänomen á la Wilders auf dem Tisch - und was tut man? Man greint darüber, dass sich, vgl. Motto der Konferenz, die Parteiendemokratie auflöst - ! Und hält neue Sonntagsreden.
@ Donata1 teile ich zwar grundsätzlich, doch es widerstrebt mir, bezüglich derartiger Fragen in Gruppierungen zu denken. Da ich mich sehr oft in den betreffenden Kreisen bewege, kenne ich zuviele differenzierte Haltungen, um diesee Einstellung zu folgen. Je weiter man weg ist, umso leichter fällt es sicher, anders zu denken.
Sicher ist, daß die hier lebenden Moslems spezifische Probleme haben, die je nach Alter, Herkunft, Bildungsstand und Aufenthaltsdauer höchst unterschiedlich sind.
Die Probleme des Islam sind ebenfalls vielfältig. Die fehlende Bereitschaft, sich ausschließlich als Religion zu verstehen mit einem seelsorgerischen Wirkunsbereich, wie wir ihn verstehen, ist nur eines davon. Aber gerade das ist es, was die Integrationsfähigkeit stark belastet. Fehlt doch dem Moslems bicht selten die Einsicht in die (hiesige) Vorrangstellung staatlicher, d.h. nicht religiöser Anweisungen (sprich Gesetze).
Dem Islam in seinem Verbreitungsgebiet wird dies ebenfalls aus mehreren Gründen zum Problem. Der Irak hat darunter besonders zu leiden. Die (sicher schändliche) Ausnutzung der dadurch ausgelösten Machtkämpfe durch den Westen hat bis heute dafür gesorgt, daß sich keine Vormachtstellung im vorderasiatischen Raum entwickeln konnte. George Troubleyou Bush hat dieses "Gleichgewicht" leichtfertig und ohne Not gefährdet, über die wahren Motive brauchen wir nicht weiter nachzudenken. Das Machtvakuum beginnt sich langsam zu füllen und was daraus entsteht, wird uns nicht gefallen.
Paging