Die früheren Kriegsgegner aus Europa und Amerika erinnern zum 70. Jahrestag des deutschen Angriffs auf Polen in Danzig an die Opfer des Zweiten Weltkriegs.
70 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs haben die ehemaligen Gegner auf der Westerplatte bei Danzig ein Zeichen der Versöhnung gesetzt. In Gedenken an die 60 Millionen Todesopfer des Krieges stellten Staatsoberhäupter und Regierungschefs, darunter Polens Präsident Lech Kaczynski, Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel blaue Glasgefäße mit Kerzen vor einem Kranz ab.
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Der polnische Präsident Lech Kaczynski bei einer Gedenkfeier vor Sonnenaufgang. (© Foto: dpa)
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Diesen hatten zuvor polnische Marinesoldaten niedergelegt. Auf der Halbinsel Westerplatte hatte mit dem Angriff Nazi-Deutschlands auf ein polnisches Munitionsdepot der Zweite Weltkrieg seinen Anfang genommen.
Bundeskanzlerin Merkel würdigte den Weg der Versöhnung in Europa und unter den früheren Kriegsgegnern. "Sie haben uns Deutschen die Hand zur Versöhnung ausgestreckt. Wir haben sie voller Dankbarkeit ergriffen", sagte Merkel mit Blick auf die Partner Nachkriegsdeutschlands in Ost und West.
Der von Deutschland entfesselte Krieg habe "Jahre der Entrechtung, der Erniedrigung und der Zerstörung" gebracht, sagte die Kanzlerin. Unter Berufung auf eine Erklärung der deutschen und der polnischen katholischen Bischofskonferenz erinnerte Merkel auch an die aus Polen vertriebenen Deutschen. Nach Auffassung der Bischofskonferenzen dürfe die geschichtliche Wahrheit in all ihren Aspekten weder vergessen noch zu gering geachtet werden.
Auch Russlands Ministerpräsident Putin fand versöhnliche Worte. Die Sowjetunion und Polen seien Waffenbrüder im Kampf gegen den Nationalsozialismus gewesen, sagte er wenige Stunden vor der Gedenkveranstaltung im polnischen Ostseebad Sopot. Bemühungen, "die Nazis zu besänftigen", seien falsch gewesen, sagte Putin später bei der Gedenkveranstaltung. Das russische Parlament habe den Hitler- Stalin-Pakt verurteilt.
Polens Präsident Lech Kaczynski hatte bereits am frühen Morgen daran erinnert, dass die polnischen Soldaten den deutschen Angreifern noch Widerstand leisteten, als die Rote Armee am 17. September 1939 in Ostpolen einmarschierte. "An diesem Tag hat Polen einen Messerstich in den Rücken erhalten", sagte Kaczynski. Diesen Stich habe das bolschewistische Russland (den Polen) versetzt. Der Hitler- Stalin-Pakt sei Ursache dieser Aggression gewesen.
Kaczynski wies auf den sowjetischen Mord an polnischen Offizieren 1940 in Katyn hin. Seinen am Morgen gezogenen Vergleich mit dem Holocaust wiederholte er am Nachmittag nicht. Im Wald von Katyn und an zwei anderen Orten hatte der sowjetische Geheimdienst rund 15 000 Polen, darunter viele Offiziere ermordet. Bei der Vernichtung der Juden im Holocaust waren sechs Millionen Menschen umgekommen.
Der Zentralrat der Juden protestierte scharf gegen den Holocaust- Vergleich. "Bei allem Verständnis für den Schmerz des polnischen Volkes und die schlimme Erinnerung an das Schicksal der ermordeten Offiziere von Katyn gerade an einem solchen Tag: Dieser Vergleich ist unangemessen und unangebracht", sagte Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats, der Frankfurter Rundschau.
Die Gedenkfeierlichkeiten auf der Westerplatte hatten im Morgengrauen um 4.45 Uhr begonnen. Exakt 70 Jahre zuvor hatte das deutsche Kriegsschiff "Schleswig-Holstein" ein polnisches Munitionsdepot auf der Westerplatte beschossen. Reichskanzler Adolf Hitler hatte wenig später im Hörfunk mit seinem bekanntgewordenen Zitat "...ab 5.45 wird jetzt zurückgeschossen" die Unwahrheit verkündet. Die von der Nazi-Propaganda bemühte angebliche polnische Provokation mit der Besetzung des Senders Gleiwitz war von der Nationalsozialisten selbst fingiert worden.
Auf der Westerplatte hatten gut 200 polnische Soldaten den deutschen Verbänden tagelang Widerstand geleistet. Die damals von Polen zur Festung ausgebaute Westerplatte gilt seitdem als Polens wichtigster Erinnerungsort an die Gräuel des Krieges, noch vor Auschwitz und Warschau. An der Gedenkveranstaltung auf der Westerplatte nahmen auch Kriegsveteranen teil.
Auch der polnische Ministerpräsident Donald Tusk sprach vom "Überfall" Hitler-Deutschlands und der Sowjetunion auf Polen. Er versicherte allerdings, sein Land wolle das Gedenken nicht gegen andere verwenden. Tusk warnte davor, die Geschichte zu vergessen oder zu fälschen. Ohne "aufrichtiges Gedenken und die Wahrheit" könnten Polen, Europa und die Welt nicht sicher sein. Er sprach sich für eine "gemeinsame Erinnerung" aller ehemaligen Kriegsteilnehmer aus.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier appellierte an das Verantwortungsbewusstsein der Deutschen. Deutschland habe einen verheerenden Krieg mit Millionen von Toten entfesselt, sagte Steinmeier in einem gemeinsamen Interview der Ludwigshafener Rheinpfalz und der in Chemnitz erscheinenden Freien Presse. "Nie wieder darf Europa in solch eine Katastrophe gestürzt werden. Das ist die Verantwortung, der wir Deutschen gegenüber unserer eigenen Geschichte dauerhaft gerecht werden müssen."
Bürgermeister und Kommunalpolitiker aus Städten, die während des Zweiten Weltkrieges besonders gelitten haben, kamen am Vormittag in Danzig zu einer internationalen Konferenz zusammen. Die Repräsentanten aus 20 Städten - aus Deutschland waren Berlin, Bremen, Dresden, Hamburg, Leipzig und Nürnberg vertreten - hatten Erde aus ihren Heimatorten mitgebracht. Sie sollte ins Fundament eines neuen "Museums des Zweiten Weltkrieges" eingebracht werden. Das Museum soll bis 2014 in Danzig entstehen.
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(AFP/dpa/Reuters/vw/woja)
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Ich habe Sie sehr wohl verstanden. Allerdings verfolgen Sie immer wieder ähnlich verallgemeinernde Gedankengänge, denen ich nicht folgen kann und will. Es ist und bleibt grundsätzlich falsch, alle Opfer in einen Topf zu werfen allein deshalb, weil die deutschen Opfer entweder als Mittäter, Mitwisser, Mitläufer oder Weggucker für Ihr Leid im Verlauf des Krieges ursächlich mitverantwortlich waren und erst so zu Opfern wurden. Erst wenn dies unumstößlich klar ist, entsteht eine Gesprächsgrundlage, auf der man über die Verbrechen anderer Nationen mit entsprechender Sensibilität diskutieren kann. Aus diesem Grund hat die konsequente Trennung in dem Gedenken an polnische Opfer auf der einen Seite und andererseits die Erinnerung an deutsche Vertriebene für mich einen hohen moralischen Stellenwert. Zumal, wenn es sich wie hier geschehen um den Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen handelt. Es gibt ohne Frage wesentlich passendere Gelegenheiten und Anlässe, um an deutsche Vertriebene zu erinnern meinetwegen, aber bitte nicht an diesem Tag.
Belassen wir es dabei, wir werden da wohl nicht mehr auf einen Nenner kommen. Glücklicherweise ist das deutsch-polnische Verhältnis inzwischen recht entspannt. Fehlt nur noch, dass irgendwann auch Herr Putin gewillt ist, sich beim polnischen Volk öffentlich zu entschuldigen.
@Thomas330
Was stört an diesem Thema? Merkwürdig, immer, wenn es um das dunkelste Kapitel deutscher Vergangenheit geht, kommt jemand aus der Es-muss-doch-mal-endlich-Schluss-damit-sein-Fraktion. Hoffentlich denken nicht allzu viele so.
Ich sehe Sie haben meinen Artikel nicht verstanden. Ich sprach von Opfern des Krieges nicht von Taetern,Opfer waren alle Menschen die gegen ihren Willen in den Krieg gezogen wurden ohne das sie sich in irgenteiner Form dagegen wehren konnten. Am Anfang standen Polnische Menschen am Schluss waren es Deutsche die Vertrieben und ermordet wurden,auch nach Ende des Krieges. Ich moechte noch auf das Lager Lambsdorf hinweisen das von Polnischen Kummunisten betrieben wurde,da kahm jeder hinein auch Polen die ihnen aus welchen Grund auch immer verdaechtig waren.Einer ihrer Offiziere lebt schon Jahrzente in Deutschland,die Polen dienten im 2, Weltkrieg in den Alliierten Armeen,als sie nach Hause kahmen durften sie nur noch eines schnellsten fliehen bevor man sie in ein NKWD Gefaengniss warf. Zum Schluss ist ihnen ueberhaupt bekannt,dass es in Polen bis mitte der 50 ger Jahre einen Aktieven Widerstannt gab der mit der Waffe in der Hand das vehasste kummunistische Regiem bekaempfte?Bis sie mit Sovietischer Hilfe diese Kaempfer aufrieben. Das alles gehoert auch zur Polnischen Geschichte,nur viele haben es Vergessen,kurioserweise haben die Polnischen Machthaber ( ca. 1960 )darueber viele Filme gedreht und in den Kinos und dem Fernsehen gezeigt. ( ARD )
... ist endlich Schluss mit den Diskussionen über dieses Thema.
Die Schuld der Deutschen ist geklärt und anerkannt.
Kann man dann nicht langsam mal aufhören?
Wer mir rot geben möchte, möge dies tun.
Ich schreibe nur nieder, was viele denken.
Lieber masteryoda, man kann sich im Leben nicht immer seine Heimat aussuchen. Ich bin in Deutschland aufgewachsen und könnte -wenn ich wollte- einfach nicht mehr in Osteuropa leben. Und meinen Eltern werde ich ganz sicher keine Vorwürfe machen, weil sie dort nicht mehr leben wollten.
Im übrigen bin ich der Überzeugung, der östliche Kommunismus hätte nicht so lange durchgehalten, wenn die Deutschen nicht den Kriegshelden Stalin hervorgebracht hätten. Für das geteilte Deutschland können Sie sich bei ihrem Opa bedanken.
Unrecht und Leid lassen sich nicht aufrechnen. Zumal wenn man für sein eigenes, späteres Leid mittelbar oder unmittelbar (mit)ausgelöst hat. Es gibt für alles den richtigen Zeitpunkt, um an Verbrechen und Unrecht zu erinnern. Ich bleibe dabei: Allein schon die Erwähnung des Leids deutscher Vertriebener am Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen ist unangemessen und unsensibel. Und da ich denke ( oder eher hoffe), dass Frau Merkel nicht einfach vor sich hinplappert, wird offensichtlich eine politisch motivierte Absicht dahinter stehen.
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