Geberkonferenz zu Syrien in Kuwait Viel zu wenig Geld für zu viel Leid

Diese beiden syrischen Jungs haben in einem Flüchtlingslager im Libanon Zuflucht gefunden. Im Januar dieses Jahr wurden die Zelte hinter ihnen von einem Sturm zerstört.

(Foto: AFP)
  • Das Leid der Flüchtlinge in Syrien wird immer größer - die Hilfsorganisationen stoßen an ihre finanziellen Grenzen.
  • Derzeit treffen sich 70 Länder zu einer Geberkonferenz, um über finanzielle Hilfen zu beraten. 3,5 Milliarden Euro an Hilfen haben sie zugesagt.
  • Die Vereinten Nationen haben 7,7 Milliarden Euro veranschlagt, doch die Länder werden weit hinter der Forderung zurückbleiben.
Von Antonie Rietzschel

Der Syrienkonflikt strapaziert die finanziellen Möglichkeiten der Hilfsorganisationen. Anfang März musste sich das Welternährungsprogramm wegen Budgetkürzungen aus mehreren Flüchtlingslagern in der Türkei zurückziehen. Bis Januar 2015 konnten noch 220 000 Flüchtlinge mithilfe spezieller elektronischer Gutscheine Lebensmittel in Supermärkten kaufen. Jetzt sind es noch 154 000.

Der Krieg in Syrien geht in das fünfte Jahr. Mehr als elf Millionen Syrer sind auf der Flucht, harren in belagerten Gebieten aus oder leben in Flüchtlingslagern in der Türkei oder Libanon. Sie sind angewiesen auf die Unterstützung von Hilfsorganisationen. Und die sind wiederum abhängig von Spenden der Weltgemeinschaft.

Programme lediglich zu 58 Prozent finanziert

Auf 3,5 Milliarden Euro Hilfzahlungen hat sich die Geberkonferenz in Kuwait einigen können. Das ist mehr als im Jahr zuvor - doch wie immer wird es nicht reichen für das viele Leid. In der Vergangenheit hat es immer wieder Finanzierungsprobleme gegeben und das nicht nur beim Welternährungsprogramm:

Für 2014 hatten die Vereinten Nationen sechs Milliarden Euro veranschlagt. Bei der Geberkonferenz kamen jedoch nur 2,4 Milliarden Dollar zusammen. Die wichtigsten Hilfsprogramme der Vereinten Nationen waren damit lediglich zu 58 Prozent finanziert:

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(Foto: Vereinte Nationen)

Der "Syria Regional Response Plan" (SRRP) soll Kosten in den Zufluchtsländern abdecken, die unter anderem für Essensgutscheine, Unterkünfte und Schulunterricht für die Kinder entstehen. Viele zuvor formulierte Ziele konnten nur teilweise erfüllt werden. So sollten fast zwei Millionen Flüchtlinge Unterstützung bei der Beschaffung von Essen erhalten, entweder durch Bargeld oder Gutscheine. Ein Anspruch, den das Programm lediglich zu 74 Prozent abdecken konnte.

Der "Syrian Arab Republic Humanitarian Assistance Response Plan" richtet sich an die Flüchtlinge in Syrien selbst. Ähnlich wie beim SRRP geht es darum, die Menschen mit dem Nötigsten zu unterstützen: Essen sowie medizinische Versorgung. Zu den großzügigsten Spendern für beide Programme gehörte 2014 mit Abstand die USA, das beide Programme mit 1,2 Milliarden Euro unterstützte.

Vereinte Nationen warnen vor humanitärer Katastrophe

Deutschland zahlte 174 Millionen Euro und belegte damit im Jahr 2014 den siebten Platz hinter Kuwait. Für dieses Jahr hat die Bundesregierung 255 Millionen Euro an Hilfsgeldern zugesagt. Die Europäische Union will mit 1,1 Milliarden Euro helfen.

Dem Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen zufolge werden insgesamt 7,7 Milliarden Euro benötigt. Werde diese Summe nicht erreicht, drohe "eine entsetzliche und gefährliche humanitäre Katastrophe", hatte ein Sondergesandter der Vereinten Nationen in Kuwait gewarnt. Die Verarmung nehme zu, die Hälfte der Kinder erhalte keine Schulbildung, es gebe ernsthafte Lücken bei der Gesundheitsversorgung. "Die Situation wird untragbar", sagte der Flüchtlingshochkommissar der Vereinten Nationen, Antonio Guterres.

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