Von Christiane Schlötzer

Palästinenserpräsident Abbas kann zufrieden sein: 90 Staaten unterstützen ihn und geben mehr Geld als erwartet.

Drei Wochen nach der Nahostkonferenz von Annapolis haben Staaten aus aller Welt am Montag in Paris den Palästinensern Hilfen in Milliardenhöhe versprochen. Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner sprach von Zusagen in Höhe von 5,15 Milliarden Euro. Die Palästinenser hatten nur vier Milliarden Euro angestrebt.

(© Foto: Getty Images)

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Bei der größten internationalen Geberkonferenz seit mehr als zehn Jahren hatte zuvor UN-Generalsekretär Ban Ki Moon an die Teilnehmer appelliert, sich "klug und erfinderisch" zu zeigen, um die brachliegende palästinensische Wirtschaft anzukurbeln.

Palästinenserpräsident Machmud Abbas sagte, das Westjordanland und der Gazastreifen steuerten ohne Unterstützung auf eine Katastrophe zu. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sprach von einer "historischen Chance" und sagte: "Wir müssen für die Gründung eines unabhängigen, demokratischen und lebensfähigen Palästinenserstaates zusammenarbeiten."

Die EU-Hilfe von 440 Millionen Euro ist zunächst nur für 2008 gesichert. Die USA versprachen 420 Millionen Euro, Deutschland und Frankreich je 200 Millionen. Das Geld fließe in den Bau von Schulen, in Beschäftigungsprogramme und die Wasserversorgung, sagte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. An der Konferenz nahmen 90 Staaten teil.

Das Geld soll Abbas stärken, der zu Verhandlungen mit Israel bereit ist. Im Machtkampf mit der islamistischen Hamas hatte Abbas im Sommer die Kontrolle über Gaza verloren. Seither sind die Palästinensergebiete auch politisch zweigeteilt.

Abbas' Regierungschef Salam Fajjad stellte in Paris einen Plan vor, den die Weltbank bereits abgesegnet hat. Er verspricht eine transparente Haushaltsführung der Autonomiebehörde. Nach dem Wahlsieg der Hamas in den Palästinensergebieten im Januar 2006 hatten die meisten internationalen Geldgeber ihre Unterstützung für längere Zeit eingestellt oder stark verzögert. Die Autonomiebehörde konnte ihre Angestellten nicht mehr bezahlen. Im Gazastreifen wuchs darüber hinaus die Not durch die Isolation des Gebiets von Seiten Israels.

Im Westjordanland wiederum schränken israelische Straßenblockaden das Wirtschaftsleben stark ein. Mehrere Staaten forderten auf der Konferenz die Regierung in Jerusalem auf, die Kontrollstellen zu reduzieren und damit die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass die Hilfe zu den Menschen kommt.

Israels Außenministerin Tzipi Livni mühte sich um einen versöhnlichen Ton. Sie sagte, "wir wollen, dass die Handelsbarrieren und die Hindernisse im Alltag aufgehoben werden". Damit Israels Wunsch nach Frieden erfüllt werden könne, "brauchen wir einen lebensfähigen palästinensischen Staat". Einen Zeitplan aber nannte sie nicht.

Der palästinensische Regierungschef Fajjad sagte, das wichtigste sei, dass die Zusagen "bei weitem" über der angestrebten Summe lägen. US-Außenministerin Condoleezza Rice sprach von einem Vertrauensvotum für die palästinensische Regierung.

Ein Teil des Geldes soll auch in den von der Hamas beherrschten Gazastreifen fließen. Allerdings ist nicht klar, wie dies geschehen soll. Abbas sagte, er werde nicht mit der Hamas sprechen, sofern diese die Kontrolle über den Gazastreifen nicht aufgebe. Drei Viertel der 1,5 Millionen Menschen dort leben nach UN-Angaben in Armut, Export findet kaum noch statt. Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri nannte die Pariser Zusammenkunft eine "Kriegserklärung" an seine Organisation, die nicht eingeladen war. Am Wochenende hatte die Hamas erneut erklärt, sie werde weder Israel anerkennen noch die Gewalt einstellen.

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(SZ vom 18.12.2007)