Gaza Tote und Hunderte Verletzte bei Palästinenser-Protesten

Bei den Protesten im Gazastreifen wird ein verletzter Mann von anderen Palästinensern weggetragen.

(Foto: REUTERS)

Beim "Marsch der Rückkehr" im Gazastreifen fordern Demonstranten, dass Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren dürfen. Dabei sollen 15 Menschen durch Israels Militär getötet worden sein.

Hunderte Palästinenser haben sich bei Protesten an der Grenze des Gazastreifens Auseinandersetzungen mit israelischen Soldaten geliefert. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden mehr als 1000 Demonstranten durch Tränengas, Gummigeschosse und scharfe Munition verletzt. 15 Demonstranten sollen getötet worden sein. Auf Fotos von Nachrichtenagenturen ist zu sehen, wie Verletzte weggetragen werden. Unter den Todesopfern soll auch ein auf seinem Land arbeitender Bauer sein, der von einem Geschoss getroffen worden war.

Dem israelischen Militär zufolge hatten sich ihre Truppen verteidigen müssen. Die Palästinenser hätten brennende Reifen in Richtung der Soldaten gerollt und Steine auf sie geworfen. Die Truppen hätten darauf mit dem Einsatz von Tränengas reagiert und auf die größten "Anstifter" geschossen. "Die Hamas-Terrororganisation gefährdet das Leben von Zivilisten", schrieb die Armee. Sie sei verantwortlich für die gewaltsamen Proteste. "Wir betonen, dass dieser Marsch friedlich ist", hatte zuvor das führende Hamas-Mitglied Chalil al-Haja gesagt. Deswegen würden auch Frauen und Kinder an den Protesten teilnehmen. Der UN-Sicherheitsrat will sich wegen der Unruhen noch in der Nacht zu Samstag mit der Lage im Gazastreifen befassen.

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Die USA, die EU und Israel stufen die Hamas als Terrororganisation ein. Sie hatte 2007 die Macht in dem Küstengebiet an sich gerissen. Tausende Palästinenser waren am Freitagvormittag zu den Massenprotesten im Gazastreifen gekommen. Palästinensischen Medienberichten zufolge sollen es mehr als 20 000 Menschen sein, die sich in der Nähe des Sicherheitszaunes an der Grenze zu Israel zum "Marsch der Rückkehr" eingefunden haben. Einigen Demonstranten soll es gelungen sein, den Zaun zu durchtrennen und auf israelisches Gebiet vorzudringen. Die Hamas will mit der Aktion ihren Anspruch auf ein "Recht auf Rückkehr" für palästinensische Flüchtlinge und deren Nachkommen in das Gebiet des heutigen Israels untermauern. Es sollen auch zahlreiche Zeltlager im Grenzgebiet errichtet werden.

Mit Beginn der geplanten Massenproteste im Gazastreifen hatte Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman die Menschen vor einer Annäherung an den Grenzzaun gewarnt. "Jeder, der sich dem Zaun nähert, riskiert sein Leben", twitterte Lieberman auf Arabisch. Die Armee hat einem Bericht der israelischen Nachrichtenseite ynet zufolge bereits vor den Protesten mehr als 100 Scharfschützen in der Nähe der Grenze postiert. Israel hatte die geplanten Proteste am Donnerstag als "Provokation" bezeichnet und angekündigt, von seinem "Recht auf Selbstverteidigung" Gebrauch zu machen.

Schon in der Nacht zum Freitag soll ein Palästinenser nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza von israelischen Soldaten erschossen worden sein. Die israelische Armee teilte mit, ein Panzer habe in der Nacht das Feuer auf zwei Verdächtige eröffnet, die sich im südlichen Teil des Küstengebietes dem Sicherheitszaun genähert hätten.

Die Proteste sollen bis zum 15. Mai andauern. Anlass sind die Feiern zum 70. Jahrestag der Gründung Israels. Die Palästinenser begehen den 15. Mai als Nakba-Tag (Tag der Katastrophe), weil im ersten Nahost-Krieg 1948 rund 700 000 Palästinenser flohen oder vertrieben wurden. Israel lehnt eine Rückkehr in das eigene Staatsgebiet ab.

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