Tausende Hamas-Anhänger bejubeln den Rückzug der israelischen Truppen. Unterdessen begutachtet UN-Generalsekretär Ban das Kriegsgebiet. Er will eine Untersuchung.

Zwei Tage nach Beginn der Waffenruhe im Gazastreifen hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sich ein Bild von den Zerstörungen gemacht. Bei seinem Besuch in Gaza forderte er eine juristische Untersuchung der israelischen Angriffe auf UN-Gebäude. Israels Außenministerin Zipi Livni machte die Freilassung des entführten Soldaten Gilad Schalit zur Bedingung für eine Öffnung der Grenzübergänge in den Gazastreifen.

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Tausende Hamas-Anhänger feiern Israels Abzug aus dem Gaza-Streifen (© Foto: AP)

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Die Verantwortlichen für die Angriffe auf UN-Gebäude müssten juristisch zur Rechenschaft gezogen werden, forderte Ban. "Es muss eine grundlegende Untersuchung geben, um sicherzugehen, dass so etwas nicht wieder passiert."

Er könne gar nicht ausdrücken, was er fühle, sagte Ban mit Blick auf die Trümmer eines Lagers der UN-Organisation für palästinensische Flüchtlinge, UNRWA. Daneben waren auch mehrere von der UNO geführte Schulen während der 22-tägigen Militäroffensive Israels im Gazastreifen getroffen worden. Ban warf Israel vor, "überzogene Gewalt" im Gazastreifen angewendet zu haben.

"Siegesfeier" der Hamas

Gleichzeitig verurteilte Ban auch die von Palästinensern abgeschossenen Raketen auf Israel. "Ich erwarte, dass die internationalen Menschenrechte, die Zivilisten beschützen, wieder hergestellt werden, und nicht wiederholt verletzt werden wie von der Hamas." Ban besuchte später auch die israelische Stadt Sderot, die regelmäßig von Raketen aus dem Gazastreifen getroffen wird.

Unterdessen kamen nach dem schrittweisen Rückzug der israelischen Armee Zehntausende Hamas-Anhänger im Zentrum von Gaza zu einer "Siegesfeier" zusammen.

Nach der seit Sonntag für den Gaza-Streifen geltenden Waffenruhe hatte die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas zu der Feier aufgerufen. Augenzeugen berichteten, dass viele Menschen die grüne Fahne der Organisation schwenkten.

Die Hamas wollte damit den "Sieg des Widerstandes über die israelischen Besatzer" feiern. Aus Sicht des hochrangigen Hamas-Funktionärs Aschraf Abu Daya habe die große Beteiligung gezeigt, dass die Hamas-Bewegung nicht an den Folgen des Krieges zerbrochen sei.

Israel hatte eine einseitige Waffenruhe erklärt, die am Sonntagmorgen in Kraft getreten war. Später schlossen sich auch die militanten Palästinensergruppen der Feuerpause an. Während der 22 Tage dauernden israelischen Militäroffensive wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza mehr als 1400 Menschen getötet und 5500 weitere verletzt. Auf israelischer Seite kamen zehn Soldaten und drei Zivilisten ums Leben.

Unabhängige Beobachter vermuten nach ersten Schätzungen, dass während der Offensive im Gaza-Streifen Vermögen im Wert von fast zwei Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro) zerstört wurde, darunter 4100 Wohnhäuser, 1500 Fabriken und Werkstätten, 20 Moscheen und zehn große Wasser- und Kanalisationsleitungen. Auch weite Teile des Stromnetzes sind beschädigt.

Zur Unterstützung der 1,4 Millionen Menschen im Gaza-Streifen sind nach Einschätzung der Vereinten Nationen mehrere hundert Millionen Dollar Soforthilfe nötig.

Trotz der Waffenruhe wurde nach Angaben der israelischen Streitkräfte am Dienstag eine Granate auf Israel abgefeuert - die erste Verletzung der Waffenruhe. Nach Polizeiangaben landete das Projektil aber nicht in Israel. Die Regierung von Ministerpräsident Ehud Olmert hat angekündigt, die letzten Bodentruppen noch am Dienstag aus dem Gebiet abzuziehen.

Für den Wiederaufbau wird Saudi-Arabien eine Milliarde Dollar spenden. Auch die Europäische Union bereitet humanitäre Hilfe für den Gaza-Streifen vor. EU-Entwicklungskommissar Louis Michel kündigte in Brüssel an, er wolle sich am Sonntag und Montag in Gaza ein Bild über die am dringendsten notwendige Hilfe machen.

Sarkozy plant angeblich Nahost-Konferenz in Paris

Die Prager EU-Ratspräsidentschaft teilte mit, drei tschechische Experten seien unterwegs, um den Bedarf für humanitäre Hilfe abzuschätzen. Allerdings gab es von Seiten der EU auch Andeutungen, dass sie kein Geld geben will, solange im Gaza-Streifen die Hamas an der Macht ist.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy will nach Informationen des Figaro in Paris eine internationale Nahost-Konferenz zur Aushandlung eines dauerhaften Friedens ausrichten. Im Mittelpunkt solle die Schaffung eines Palästinenserstaates stehen. Ein vorbereitendes Außenministertreffen solle "vermutlich Anfang Februar" in Ägypten stattfinden, berichtet das regierungsnahe Blatt. Die Friedenskonferenz danach sei dem Élyséepalast zufolge "eine Frage von Wochen".

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(sueddeutsche.de/dpa/AFP/odg/aho/ihe/segi)