Gewalt in Nahost Gaza-Streifen: Israel droht mit neuer Offensive

Die Lage in Gaza spitzt sich zu: Nachdem am Dienstag acht Menschen bei israelischen Angriffen ums Leben gekommen sind, schlägt die Hamas zurück. Die Reaktion aus Israel folgt prompt: Man schließe Krieg nicht aus.

Abseits des Militäreinsatzes in Libyen eskalieren im Nahen Osten die Auseinandersetzungen rund um den Gaza-Streifen. Israel und die im Gaza-Streifen herrschende Hamas-Organisation haben an diesem Mittwoch ihre seit Tagen anhaltenden Angriffe fortgesetzt: Raketen schlugen in zwei israelischen Städten ein. Im 35 Kilometer vom Gaza-Streifen entfernten Beerscheba wurde ein Mann verletzt. Die locker mit der Hamas verbündete Organisation Islamischer Dschihad bekannte sich zu dem Angriff, der auch der Stadt Aschdod galt.

Bewohner der Stadt Beerscheba fliehen vor den Raketenangriff: Am Mittwoch reagierte die Hamas auf israelische Luftangriffe und nahm mehrere israelische Städte unter Beschuss.

(Foto: AFP)

Angesichts der andauernden Gefechte wächst die Sorge vor einer Eskalation des Konflikts: Kein Staat würde andauernden Raketenbeschuss hinnehmen, und auch "Israel wird es offensichtlich nicht hinnehmen", erklärte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Der Minister für Heimatschutz, Matan Vilnai, sagte im Militärrundfunk, eine militärische Konfrontation mit der palästinensischen Hamas sei "nur eine Frage der Zeit".

Der stellvertretende Ministerpräsident Silvan Schalom sagte im israelischen Rundfunk, sein Land könnte einen Krieg wie zur Jahreswende 2008/2009 in Erwägung ziehen. Er sei sich darüber im Klaren, dass dies die Region noch explosiver machen würde. Aber die Situation erinnere an die Lage, die damals zur Offensive in dem von der radikal-islamischen Hamas kontrollierten Gaza-Streifen geführt habe. Seit dem Gaza-Krieg, bei dem etwa 1400 Palästinenser ums Leben kamen, hat die Hamas Israel kaum noch aus dem Küstengebiet heraus beschossen.

Israel reagierte am Mittwoch mit Luftangriffen auf Raketenangriffe militanter Palästinenser auf den Süden des Landes. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben acht Menschen getötet wurden. Unter den Opfern seien auch fünf Fußball spielende Kinder gewesen. Ein Sprecher der israelischen Armee beschuldigte die Hamas, Zivilisten als Schutzschilde zu nutzen.

Israels Ministerpräsident Netanjahu bedauerte, dass "unschuldige Zivilisten bei einem Angriff der israelischen Armee ohne Absicht getroffen wurden". Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak sagte: "Die toten Palästinenser sind der Preis der terroristischen Angriffe der Hamas auf Israel."

Hamas fordert UN-Sanktionen für Israel

Die im Gazastreifen regierende Hamas erklärte den Mittwoch zum Tag der Trauer und rief alle Einwohner des Gazastreifens auf, sich an der Bestattung der Opfer zu beteiligen. Hamas-Führer Ismail Hanija erklärte, er habe sich an die Anführer militanter palästinensischer Gruppen gewandt, um die Gewalt nicht weiter eskalieren zu lassen. Die Hamas und die Regierung in Jerusalem haben sich seit dem Ende des Gaza-Kriegs im Januar 2009 weitgehend an eine Waffenstillstandsvereinbarung gehalten.

Weiter forderte Hanija den UN-Sicherheitsrat auf, zum Schutz der palästinensischen Bevölkerung im Gazastreifen nach dem Vorbild Lybien Sanktionen über Israel zu verhängen. Er sprach so indirekt von einer Flugverbotszone.

Frankreich äußerte sich am Dienstag besorgt über diese Eskalation der Gewalt. Das Außenministerium rief beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Die Vereinten Nationen stellten noch einmal klar, dass Angriffe auf die Zivilbevölkerung nach internationalem Recht verboten sind. In einem Bericht des UN-Koordinierungsbüros für humanitäre Hilfe (Ocha) heißt es, Israel müsse während der Militäroperationen die negativen Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung minimieren.