Von Thorsten Schmitz

Mit einer spektakulären Aktion weist eine Menschenrechtsgruppe auf das Elend in Gaza hin. Unter den Aktivisten ist auch Tony Blairs Schwägerin.

Die Reisegruppe ist bunt gemischt. An Bord der beiden Boote befinden sich Juden, Palästinenser, eine Holocaust-Überlebende und die Schwägerin des Nahost-Sondergesandten Tony Blair. Sie kommen aus den USA, aus Deutschland, Großbritannien oder Israel, und auf den ersten Blick erinnert ihre Route an eine gewöhnliche Kreuzfahrt: Das östliche Mittelmeer, inklusive Landgänge in Griechenland und Zypern.

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In Gaza-Stadt wehten schon 2005 palästinensische Flaggen mit dem Schriftzug "Free Gaza". Damals bezog sich das auf den geplanten Rückzug Israels aus dem Gaza-Streifen. (© Foto: AP)

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Doch der Name der Boote und das Ziel der Reise verraten, dass den Passagieren der Sinn nicht nach Urlaub steht. Die Schiffe heißen Liberty und Free Gaza, und falls Israels Marine es erlaubt, werden die 40 Reisenden aus 17 Nationen Ende dieser Woche im Hafen von Gaza-Stadt an Land gehen.

Hinter dem politisch korrekten Törn steckt die Menschenrechtsgruppe Free Gaza mit Sitz in Kalifornien. "Unsere Segelreise ist ein Protest gegen die Isolierung des Gaza-Streifens", sagte Greta Berlin, während sie am Dienstag in Nikosia auf die Ankunft der Boote aus Kreta wartete. "Wir wollen den Palästinensern zeigen, dass sie wie alle Völker das grundlegende Recht besitzen, Besucher zu empfangen."

Der Gaza-Streifen - ein "Gefängnis mit Meerblick"

Obwohl Israel im Sommer 2005 sämtliche Soldaten und Siedler aus dem Gaza-Streifen abgezogen hat, sind die 1,5 Millionen Palästinenser dort nicht frei. Wer und was die Grenzen zum Gaza-Streifen passiert, entscheidet die israelische Armee. Zusätzlich kontrolliert Israel den Luftraum über Gaza mit einem Zeppelin.

Schnellboote der Marine patrouillieren entlang der Küste und hindern etwa Fischer daran, weit hinauszufahren, wo die Ausbeute größer ist. Seit Ägypten nach dem Putsch der Hamas vor einem Jahr auch die Grenze in Rafah gesperrt hat, sprechen die eingesperrten Palästinenser vom Gaza-Streifen nur noch als "Gefängnis mit Meerblick".

Im israelischen Verteidigungsministerium erhält man eine lapidare Antwort auf die Frage, ob die Marine die Bootsaktivisten in Gaza-Stadt an Land gehen lasse: "Wir reden nicht darüber, was wir planen." Einerseits will Israel sich nicht unmenschliche Grenzregelungen vorwerfen lassen, schließlich liefern die Menschenrechtler auch die Spende eines Amerikaners, etwa 250 Hörgeräte für hörgeschädigte Kinder.

Andererseits soll vermieden werden, dass andere Aktivisten den Törn nachahmen oder gar Palästinenser die Boote nutzen, um das Armenhaus Gaza zu verlassen oder Waffen hineinzuschmuggeln. Greta Berlin betonte, man wolle keine gewaltsame Konfrontation, werde sich aber auch nicht von der Marine vorschreiben lassen, ob man in Gaza-Stadt an Land gehen dürfe.

"Trau dich Tony", rief Blairs Schwägerin

Bislang haben nur starke Winde und seltsame Telefonanrufe den Schiffsreisenden zugesetzt. Tony Blairs Schwägerin, die britische Journalistin Lauren Booth, berichtete von Drohanrufen, die ihre Familie erhalten habe. Entmutigt haben sie die Anrufe indes nicht, im Gegenteil. Sie nutzt ihre Nähe zu Blair und forderte den früheren britischen Premierminister auf, ebenfalls nach Gaza zu reisen. "Trau dich Tony", rief sie. Blair hatte vor drei Wochen einen Gaza-Besuch abgesagt, nachdem er Hinweise auf einen Anschlag auf seinen Konvoi erhalten hatte.

Bis zum Showdown Ende der Woche gewinnen die Bootsleute ihrem Trip offenbar auch entspannende Seiten ab. Auf der Internetseite der Gruppe ist das Foto eines Mannes namens Osama zu sehen, der einen riesigen Thunfisch hochhält. Nach dem Fang, heißt es im Begleittext zum Bild, habe man den Fisch entgrätet und zu einem Sushi-Abendessen verarbeitet.

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(SZ vom 20.08.2008/pir)