Die Hamas erwägt, ihre Angriffe auf Israel vorerst zu unterlassen - und beim Wiederaufbau von Gaza mitzuhelfen.
Die Islamisten-Organisation Hamas ist offenbar bereit, den Waffenstillstand mit Israel zu verlängern. Bisher hatte die Hamas-Führung den von Israel ausgerufenen Waffenstillstand nur bis zu diesem Sonntag akzeptiert.
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Beten, reparieren, hoffen: Während überall im Gaza-Streifen die Menschen auf Hilfslieferungen und Wiederaufbauhilfe warten, setzt sich der Machtkampf zwischen den Islamisten von der Hamas und der gemäßigten Fatah fort. (© Foto: AP)
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Als Bedingung für eine Verlängerung hatte die Hamas gefordert, dass Israels Truppen aus dem Gaza-Streifen abziehen müssten. Das ist mittlerweile geschehen. Man werde nun am Montag Abgesandte zu den von Ägypten moderierten Verhandlungen nach Kairo schicken, sagte Ahmed Yussef, stellvertretender Hamas-Außenminster und Berater des Hamas-Premierministers Ismail Hanija der Süddeutschen Zeitung. Man wolle sehen, wie sich die Gespräche in Ägypten entwickelten. Yussef erhob aber erneut die Forderung, die Grenzen des Gaza-Streifens zu öffnen.
Yussef sagte in dem Gespräch mit der SZ und dem kanadischen Fernsehen, dass Hamas bereit sei, den Wiederaufbau des zerstörten Gaza-Streifens zusammen mit der palästinensischen Autonomiebehörde und der Fatah-Partei von Palästinenser-Präsident Machmud Abbas zu organisieren.
Er verwahrte sich allerdings gegen den von Israel, den USA, Europa und Ägypten ins Spiel gebrachten Plan, die Wiederaufbaugelder ausschließlich von der Palästinenseradministration (PA) verwalten zu lassen. Hamas selbst erhebe keinen Anspruch darauf, die internationale Hilfe zu verwalten. Yussef stellte aber klar, dass die Hamas das Geld aus Angst vor Veruntreuung nicht der PA anvertraut sehen wolle. "Der Leumund der PA und der Fatah in Fragen der finanziellen Transparenz ist bekanntlich nicht gut", sagte Yussef. "Die Geber sollen die Projekte selbst betreuen, um volle Rechenschaft über die Verwendung der Mittel zu garantieren".
Yussef sprach wiederholt von einem "Sieg" der Hamas im Krieg gegen Israel. "Wir haben einer überlegenen Militärmaschine widerstanden, mit Gewehren und Panzerfäusten gegen Jets gekämpft." Die Bevölkerung habe "mit Gottes Hilfe" gesiegt: "Die Menschen sind nicht weggelaufen vor dem Aggressor."
Vehement widersprach der Hamas-Politiker der Ankündigung der israelischen Außenministerin Tzipi Livni, dass die Freilassung des seit zwei Jahren von der Hamas gefangengehaltenen Soldaten Gilad Schalit eine Voraussetzung für einen dauerhaften Waffenstillstand sei. "Die Schalit-Affäre hat mit dem Waffenstillstand nichts zu tun. Das ist eine davon völlig getrennte Angelegenheit."
Yussef wollte sich nicht dazu äußern, ob Schalit während des Kriegs verletzt worden sei. "1400 Palästinenser wurden getötet, 5000 verletzt. Wen kümmert da das Befinden eines Einzelnen?" Yussef bestritt israelische Medienberichte, wonach Hamas während des Krieges einige politische Gegner von der Fatah-Partei hingerichtet habe. "Das ist Propaganda. Allenfalls sind einige von ihnen aufgefordert worden, zuhause zu bleiben. Das war aber nur zu ihrem eigenen Schutz."
Nach Angaben von Fatah-Führern aus dem Westjordanland jedoch haben Mitglieder der seit Juni 2006 im Gaza-Streifen herrschenden Hamas bislang zehn Fatah-Anhänger getötet. Die Getöteten sollen mit Israel zusammengearbeitet und der Armee Informationen über Aufenthaltsorte von Hamas-Mitgliedern und über Waffenlager geliefert haben.
Bereits während des Krieges hatte die Fatah mehrfach aus dem Gaza-Streifen berichtet, dass Hamas-Mitglieder mutmaßlichen Fatah-Anhängern in die Beine geschossen hätten. Auch die israelische Tageszeitung Haaretz zitierte am Freitag Mitglieder der Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Abbas, die im Gaza-Streifen lebten und um ihr Leben fürchteten: Viele Fatah-Mitglieder wagten sich nicht in die Öffentlichkeit, da die Hamas über Hunderte von Fatah-Mitglieder den Hausarrest verhängt habe. Die Islamisten ließen verlauten, dass sie nicht nur gegen Israel kämpften, sondern auch gegen die Fatah.
Um sich die Gunst der Bevölkerung im Gaza-Streifen zu sichern, hat die Hamas den Hinterbliebenen von jedem der im Krieg getöteten Palästinenser umgerechnet rund 1000 Euro versprochen. Für jedes vollständig zerstörte Haus sollen die Besitzer bis zu 4000 Euro erhalten, für jedes teilweise zerstörte Haus 2000 Euro. Nach Angaben von Hamas-Sprecher Taher al-Nono sollen Verletzte rund 500 Euro erhalten.
Am Sonntag soll mit der Auszahlung der Beträge begonnen werde. Insgesamt stünden der Hamas für die Kompensationszahlungen rund 28 Millionen Euro zur Verfügung. Al-Nono machte keine Angaben darüber, woher das Geld stammt. In Israel geht man davon aus, dass Iran hinter der Finanzierung der Hamas steckt.
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(SZ vom 24.01.2009/cag)
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