Gauck Sendestörung

Der Präsident wird nicht mehr so gut gehört - mit Grund.

Von Constanze von Bullion

Wer Joachim Gauck auf seiner Reise durch die Flüchtlingspolitik begleitet, kann sich unterwegs schon mal vorkommen wie auf einem Mäander, einer Flussschleife. Nicht weil das, was der Bundespräsident zu sagen hat, von flüchtiger Substanz wäre. Aber es ändert bisweilen die Richtung. Gauck hat das Thema Einwanderung früh erkannt und für mehr interkulturelle Offenheit geworben. Als dann mehr Fremde kamen als erwünscht, warnte er vor begrenzten Kapazitäten. Jetzt entspannt sich die Lage, und mit ihr Gauck. Mit seiner Rede am Donnerstag gewann der Mutmacher in ihm wieder die Oberhand über den Bedenkenträger. Das ist erfreulich. Weniger erfreulich ist, dass Gaucks fein austarierte Ansprachen, die oft Debatten angestoßen haben, nicht mehr so hohe Wellen schlagen. Das liegt zum einen daran, dass der Bundespräsident seine Lektion im Fach Diplomatie verinnerlicht hat. Er ist geschickter, aber eben auch leiser geworden. Zum anderen hört das Publikum aber auch nicht mehr so genau hin, weil über jeder Veranstaltung mit Gauck ein Fragezeichen hängt.

Will er noch eine Amtszeit? Fühlt er sich zu alt dafür? Oder zu jung zum Aufhören? Gauck sollte nicht warten, bis die erste Personalfrage im Staate die Person dahinter gänzlich verdeckt. Er sollte sich erklären, so bald wie möglich und bevor andere ihn aus dem Amt quasseln. Es wäre schade, ums Amt und um ihn.