Gabriel in Israel Kollision dank Netanjahu - man sollte ihm dankbar sein

Nun ist es zur Kollision gekommen, Netanjahu hat sie herbeigeführt mit seiner rüden Gesprächsabsage - und man sollte ihm dafür dankbar sein. Denn endlich gibt es die Chance auf mehr Ehrlichkeit im deutsch-israelischen Verhältnis.

Die Pflege dieser Beziehungen ist vor dem Hintergrund des Holocaust gewiss auf ewig der heikelste Akt der deutschen Diplomatie. An der deutschen Verantwortung für Israel darf es keinen Zweifel geben. Doch es ist durchaus an der Zeit zu fragen, wie Deutschland dieser Verantwortung gerecht werden kann, wenn in Jerusalem eine Regierung am Werk ist, die weit abrückt von gemeinsamen Werten.

Zum Glück ist Gabriel nicht eingeknickt

Bislang galt die Maxime, dass alles, was aus Israel kommt, mitgetragen oder wenigstens ertragen wird. Der Dissens beim Thema Siedlungsbau - wegmoderiert von Kanzlerin Angela Merkel mit der Floskel, man sei sich einig, uneins zu sein. Die Attacken gegen die Menschenrechtsorganisationen - höchstens ein Thema für Hintergrundgespräche. Als Berlin jüngst aus Ärger über ein neues Siedlungsgesetz die Regierungskonsultationen absagte, wurde dies verlogen mit Terminschwierigkeiten im Wahljahr begründet.

Netanjahu mag aus dieser Leisetreterei gefolgert haben, dass er nun auch Gabriel vom Treffen mit den linken Gruppen abhalten kann, wenn er nur anständig droht. Zum Glück jedoch ist Gabriel nicht eingeknickt. Er hat gezeigt, dass man bei einer Reise nach Jerusalem auch mal zwischen den Stühlen sitzen kann, ohne zu verlieren. Gleich bei seinem ersten Auftritt als Außenminister hat er also mehr Mut bewiesen als seine Vorgänger - und mehr Verantwortung Israel gegenüber.

Denn bei aller Dominanz Netanjahus gibt es auch noch ein Israel jenseits von "Bibistan". Vertreten wird es nicht nur von jenen Gruppen, auf deren Einschätzung Gabriel zu Recht nicht verzichten wollte. Zählen kann man dabei auch noch auf die Opposition im Parlament und auf den aufrechten Staatspräsidenten Reuven Rivlin. Der hat Gabriel am Dienstag in Jerusalem freundlich empfangen. Dieses Israel sollte nicht alleingelassen werden.

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