Schon bald soll es das nächste internationale Krisentreffen zur Finanzkrise geben: Die G-8-Staaten wollen ihre "Volkswirtschaften zu Stabilität und Wohlstand zurückführen". Derweil folgen die EU-Staaten offenbar dem Vorbild der Euro-Länder.

Die Staats- und Regierungschefs der G-8-Staaten wollen ihr Vorgehen in der Finanzkrise auf einem Gipfeltreffen abstimmen. Das Treffen solle "in der nahen Zukunft" abgehalten werden, hieß es in einer vom Weißen Haus in Washington verabschiedeten gemeinsamen Erklärung der Gruppe, der die sieben führenden Industrienationen und Russland angehören.

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Zu den Ländern der G-8-Gruppe gehören Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Russland und USA. Auch andere wichtige Volkswirtschaften sollten eingeladen werden, hieß es weiter. Nach Angaben von Diplomaten ist unter anderem die Teilnahme von China, Indien, Brasilien und Südafrika im Gespräch.

Zu Ort und Termin wurden noch keine Angaben gemacht. Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte die Einberufung des Gipfels, der "vorzugsweise im November" stattfinden solle. "Eine neue, tragfähige Architektur der Finanzmärkte kann nur gemeinsam entworfen werden", erklärte sie nach Angaben ihres Sprechers Ulrich Wilhelm. Es gehe darum, "strukturelle Reformen der internationalen Finanzarchitektur anzugehen". Merkel sagte: "Die raschen und koordinierten Reaktionen in allen von der Finanzmarktkrise betroffenen sind wichtig, um neues Vertrauen in Institutionen und Märkte zu schaffen."

In der in Washington veröffentlichten G-8-Erklärung hieß es: "Wir sind zuversichtlich, dass wir durch gemeinsames Vorgehen in den gegenwärtigen Herausforderungen bestehen werden und unsere Volkswirtschaften zu Stabilität und Wohlstand zurückführen werden." Der Vorschlag eines solchen Gipfels war zuerst von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ins Spiel gebracht worden, der am Samstag zu Beratungen über die Finanzkrise in Washington erwartet wird.

Sarkozy: "Neuen Kapitalismus" begründen

Europa macht den geschwächten USA unterdessen die Führung bei der Neuordnung des Weltfinanzsystem streitig. "Diese Krise hat ihren Ursprung nicht in Europa", erklärte Ratspräsident Nicolas Sarkozy beim EU-Gipfel in Brüssel. "Diese Krise ist eine Krise zu viel." Das ganze Finanzsystem müsse auf einer Weltkonferenz auf neue Füße gestellt werden.

Europa müsse dabei "Führung beweisen". Als konkrete Maßnahmen nannte Sarkozy die Kontrolle aller Finanzinstitute einschließlich der Hedgefonds und Benotungsagenturen und die Reform der Bilanzierung. Manager müssten eingegangene Risiken verantworten. Zudem müssten "die Schattenzonen beseitigt werden, die unsere Koordinierungsbemühungen gefährden".

"Europa hat im Umgang mit der Krise Führung bewiesen." Das müsse es auch bei der Gründung eines "neuen Kapitalismus" zeigen. Erstmals in der Finanzgeschichte hätten in der Europäischen Union ausgearbeitete Pläne die Maßnahmen anderer Staaten einschließlich der USA inspiriert, sagte Sarkozy.

Grundsatzeinigung auf dem EU-Gipfel

Unterdessen ist Sarkozy offenbar zumindest in der Europäischen Union seinen Plänen ein Stück näher gekommen: Am Mittwochabend bestätigte der polnische Finanzminister Jacek Rostowski, dass sich die 27 Staats- und Regierungschefs im Grundsatz auf den Rettungskatalog der Eurogruppe für die Finanzmärkte geeinigt hätten. Allerdings hätten mehrere Staaten einzelne Formulierungsänderungen gewünscht, über die Inhalte sei aber grundsätzlich Konsens erzielt worden.

Zuvor hatte vor allem Tschechien Bedenken angemeldet, weil sie sich von den Beschlüssen der Eurogruppe überfahren fühlten. Die französische EU-Ratspräsidentschaft will die Änderungswünsche nun in einen neuen Text einarbeiten, der voraussichtlich am Donnerstag formal beschlossen werden soll. Hauptstreitpunkt war demnach die Forderung der Eurogruppe, die Aufsicht über die Banken zu verbessern. Einige Staaten fürchteten einen Kompetenzverlust ihrer nationalen Finanzaufseher.

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(dpa/AFP/ihe)