Ein Kommentar von Michael Bauchmüller

Die Kritiker der "neoliberalen Globalisierung" müssen den G-8-Club als Spielfeld verstehen, auf dem sie für ihre Visionen antreten können. Sie müssen die Globalisierung als Chance begreifen. All jene aber, die das ganze System über den Haufen werfen wollen, tragen lediglich Unfrieden in die Welt.

Deutschlands außerparlamentarische Opposition erhält gerade eine Art kostenlose Frischzellenkur. Die Bundesregierung veranstaltet einen G-8-Gipfel, von dem schon vor Beginn festzustehen scheint, dass die Ergebnisse dürftig sein werden. Und in Mecklenburg gehen Zehntausende auf die Straße, herrscht Ausnahmezustand, weil Hooligans ihre perverse Befriedigung darin suchen, Hunderte Menschen in Krankenhäuser zu prügeln.

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Die Demonstranten eint - für den Schwarzen Block als Vorwand, für die Masse der Friedlichen als echter Grund - der Protest gegen die G 8. Gegen ihre Macht, ihre Macht auch über andere; gegen das, was ihre Kritiker so gerne die "neoliberale Globalisierung" nennen. Die Kulisse des deutschen Gipfels, so viel ist seit dem Wochenende klar, werden leider auch Wasserwerfer bestimmen.

Doch je schärfer der Protest wird, desto mehr erinnert er an den Versuch, ein ganzes Haus einzureißen, nur um öfter mal die Sonne zu sehen. Stimmt: Dieser Gipfel vereint die Staats- und Regierungschefs eines nicht fehlerlosen Systems. Die reichen Staaten müssen sich ankreiden lassen, dass sie sich aus der Verantwortung stehlen für diejenigen, denen Wohlstand verwehrt bleibt.

Außer Utopien haben die Kritiker nicht viel anzubieten

Sie müssen handeln, weil der globale Wettbewerb ihre Sozialsysteme aushöhlt, oft in Verbindung mit einer schleichenden Überalterung ihrer Gesellschaften. Sie streiten kleinlich über die Menschheits-Herausforderung Klimaschutz, weil der globale Profit oft mehr zählt als die globale Verantwortung für ein Problem, das Industriestaaten erst losgetreten haben.

Außer Utopien aber haben die Kritiker nicht viel anzubieten. Sie träumen von einer "Entschleunigung" der Wirtschaft, von regionalen statt globalen Kreisläufen - und verkennen, dass das nur funktionieren kann zwischen Menschen, die ihre Bedürfnisse radikal absenken. Dass es nur geht in einer Welt, die Erfüllung höher bewertet als Besitz. Es ist eine schöne Welt. Aber es ist nicht diese Welt, und es wird sie nie sein.

"Eine bessere Welt ist möglich", heißt ein Slogan der G-8-Kritiker. Wohl wahr. Aber die bessere Welt findet sich nicht jenseits der Globalisierung, nicht jenseits der Mächtigen der Welt, in welcher Konstellation sie auch immer zusammenkommen. Die Friedfertigen unter den Demonstranten müssen begreifen, dass Macht nichts Schlimmes ist, solange sie sich von außen beeinflussen lässt. Und dass auch die Kritiker selbst zu einer "Macht" heranwachsen.

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