G-20-Gipfel Dreieinhalb Jahre Haft für Flaschenwurf bei G-20-Protest

Demonstranten bei der "Welcome to Hell"-Demo gegen den G-20-Gipfel in Hamburg.

(Foto: AP)
  • Das Amtsgericht Hamburg hat die bislang höchste Strafe gegen einen G-20-Randalierer ausgesprochen.
  • Der vorbestrafte 28-Jährige hatte bei den Krawallen im Juli einen Polizisten mit einer scharfkantigen Flasche verletzt.
  • Zuletzt stand die Polizei wegen ihrer Öffentlichkeitsfahndung nach Straftätern vom Gipfelwochenende massiv in der Kritik.

Wegen eines Flaschenwurfs auf Polizisten bei Protesten gegen den G-20-Gipfel in Hamburg hat das Amtsgericht einen Mann zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Es ist die bislang höchste Strafe, die im Zusammenhang mit den Krawallen während des Gipfeltreffens im Juli vergangenen Jahres verhängt wurde.

Nach Überzeugung des Schöffengerichts hatte der 28-Jährige in der Nacht nach der "Welcome to Hell"-Demonstration am 6. Juli 2017 eine Bierflasche gegriffen, den Boden abgeschlagen und die scharfkantige Flasche dann auf Beamte im Schanzenviertel geworfen. Ein Polizist wurde getroffen und leicht an der Hand verletzt.

Die SoKo Schwarzer Block hat monatelang Fotos und Videos ausgewertet

Der Angeklagte habe sich der gefährlichen Körperverletzung, eines tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und des schweren Landfriedensbruchs schuldig gemacht. Er sei zudem erheblich vorbestraft, hieß es zur Begründung.

Andere G-20-Protestierer haben ebenfalls überraschend lange Haftstrafen erhalten. So wurde unter anderem ein 21-Jähriger, der mit einer Flasche einen Polizisten getroffen hatte, zu zwei Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt, was sogar die Forderung der Staatsanwaltschaft übertraf.

Inzwischen fahndet die Polizei öffentlich nach Straftätern, die während der überraschend heftigen Proteste gegen den Gipfel mit Flaschen oder Steinen geworfen oder Hamburger Geschäfte geplündert hatten. Die SoKo Schwarzer Block wertete monatelang Videos und Fotos aus und veröffentlichte dann Bilder von Tatverdächtigen. Für dieses Verfahren wurde sie massiv kritisiert.

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