Alles verriegelt: Ohne Passierschein darf niemand mehr den Tagungsort Heiligendamm betreten. Zutritt gibt es nur noch durch zwei Schleusen.
Eine Woche vor Beginn des G-8-Gipfels sind in Heiligendamm die letzten Vorbereitungen angelaufen. In der Nacht zu diesem Mittwoch um sieben Uhr hieß es: Der Zaun ist zu! Seitdem darf niemand mehr nach Heiligendamm hinein, der nicht im Besitz eines Passierscheins ist. Polizisten haben in den vergangenen Wochen alle 290 Einwohner des Ortsteils Bad Doberan besucht und befragt, bevor sie die Gipfel-Pässe aushändigten.
Polizisten kontrollieren die Zufahrten zum Tagungsort. (© Foto: Reuters)
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In dem stark bewehrten, zwölf Kilometer langen Sicherheitszaun rund um Heiligendamm gibt es zwei Schleusen, eine an der Rennbahn und eine in Bollhagen. An diesen beiden Punkten sind in den vergangenen Monaten Zeltstädte emporgewachsen, die Polizisten bezogen haben. Eigentlich sollte an diesem Mittwoch auch das Demonstrationsverbot in der 200-Meter-Zone rund um den Zaun in Kraft treten. Um diese polizeiliche Maßnahme wird jedoch noch vor Gericht gestritten.
Unklar ist auch, ob am Flughafen Rostock-Laage protestiert werden darf. Das Schweriner Verwaltungsgericht kippte am Dienstag einen Teil der Einschränkungen für Demonstranten. Die Richter setzten das Versammlungsverbot unter Auflagen außer Vollzug. Die Organisatoren müssen dafür Sorge tragen, dass unter anderem Zufahrtswege und der Zugang zu den Sicherheitstoren des Flugplatzes nicht behindert werden. Polizei sowie Gipfel-Kritiker kündigten allerdings Beschwerde gegen diese Entscheidung an.
Derweil scheint sich zu bestätigen, dass an der Rostocker Großdemonstration am 2. Juni mehrere Zehntausend Menschen aus ganz Deutschland teilnehmen. "Die Anmeldungen legen den Schluss nahe, dass die Camps ausgebucht sein werden", sagte am Dienstag Monty Schädel. Er ist einer der Sprecher des Bündnisses, das die Demonstration plant. Die Standorte Rostock/Schlachthof und Reddelich fassen je 5000 Menschen, das Camp in Wichmannsdorf ist auf 1000 Menschen ausgelegt.
15.000 Schlafplätze für Demonstrationsteilnehmer
Über die Belegung des 15.000 Plätze bietenden Camps im 40 Kilometer entfernten Bützow konnte Schädel keine Angaben machen. Weil das Lager nicht von den Globalisierungskritikern selbst organisiert, sondern von einer kommerziellen Agentur betrieben wird, dürften es viele Gruppen und Initiativen meiden. "Derzeit verhandeln wir mit der Stadt Rostock darüber, dass sie für das Wochenende der Großdemonstration Sporthallen öffnet", sagte Schädel. Das brächte noch einmal 3500 Schlafplätze.
Schädel wies darauf hin, dass die Protestszene "kein straff organisierter Mitgliederverein ist". Er rechnet damit, dass viele Menschen ohne Anmeldung anreisen. Sabine Zimpel von der Initiative erlassjahr.de, die Drittweltländern Schulden streichen will, kritisierte in diesem Zusammenhang die Bahn AG. "Wenn sie die Taktung der Züge nicht deutlich erhöht, werden wir am Samstag ein Verkehrschaos erleben." Weil jetzt schon alle Züge ausgebucht seien, müsse die Bahn die Zahl der Plätze vervierfachen, forderte Zimpel.
Mit einem öffentlichen Aktionstraining in Bad Doberan schloss die Initiative Block G 8 am Dienstag die Vorbereitung auf den Gipfel ab. Nach den Worten von Sprecherin Lea Vogt rechnet man mit mindestens 10.000 Teilnehmern an Straßenblockaden. Das Ziel sei, die Infrastruktur des Gipfels lahmzulegen. In der Initiative Block G 8 arbeiten 124 Gruppen und Organisationen mit.
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(SZ vom 30.05.2007)
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