Fünf Jahre nach der schlimmsten Naturkatastrophe in der jüngeren Menschheitsgeschichte sind viele Häuser in Asien wieder aufgebaut - Schmerz und Trauer sind geblieben.
Fünf Jahre sind seit der schlimmsten Naturkatastrophe in der jüngeren Menschheitsgeschichte vergangen. Fünf Jahre nach dem Tsunami, der rund 230.000 Menschen das Leben raubte, trauern noch immer viele der Überlebenden um ihre Angehörigen.
Bild vergrößern
Sie versuchen, stark zu sein: Trauernde vor einem Massengrab in Banda Aceh. (© Foto: Getty)
Anzeige
Am Rande einer der vielen Gedenkfeiern dieser Tage, neben einem Massengrab mit 14.000 bislang nicht identifizierten Leichen, kauerte die 72-jährige Siti Amanah weinend auf der Erde. "Kein Mitglied meiner Familie hat überlebt. Meine Kinder, Enkel, Brüder, Schwestern, alle sind weg und haben mich alleine gelassen", sagte sie einem lokalen Reporter.
Ungezählte Familien in der Region trauern ebenso. Die riesige Flutwelle, ausgelöst von einem Erdbeben unter dem Meeresboden, war über die Küsten von 13 Ländern gerollt.
Oder ist es besser, an so einem Jahrestag die Hoffnung zu betonen? Die meiste Zeit denke sie nicht mehr an den Tsunami, sagte die 18-jährige Pipit in Banda Aceh vor einigen Tagen einem Journalisten. "Ich versuche, stark zu sein." Auch sie hatte damals über Nacht ihre gesamte Familie verloren, war zu einem Waisenkind geworden.
Heute aber lebe sie in einem "komfortablen Waisenhaus", bemerkte der Reporter. Den Namen nennt er nicht, aber es ist eines der Tausenden Waisenhäuser, die mit den Spenden der internationalen Gemeinschaft in Indonesien, Sri Lanka, Thailand und anderen schwer betroffenen Ländern errichtet worden sind.
Mehr als 14 Milliarden Dollar wurden gespendet
Nicht nur das Ausmaß der Katastrophe, auch der Umfang der anschließenden Hilfsaktionen sind wohl einzigartig in der Geschichte der Menschheit. Eine solche Solidarität hatte es noch nie gegeben. Mehr als 14 Milliarden Dollar flossen einem Bericht des UN-Kinderhilfswerks Unicef zufolge aus den Spendernationen in die Region, etwa die Hälfte davon in die besonders schwer betroffene indonesische Provinz Aceh. Rund 160.000 der Opfer starben dort.
Es ließen sich viele Beispiele für unnötige Verzögerungen beim Wiederaufbau aufzählen, für die Veruntreuung von Hilfsgütern, für bürokratische Fehler. Doch fest steht auch, dass Zehntausende freiwillige Helfer in jahrelanger harter Arbeit Erstaunliches geleistet haben.
Mehr als 250.000 Häuser sind wiederaufgebaut worden, mehr als 100 Flug- und Seehäfen. Neue, zum Teil bessere Straßen verbinden einst abgelegene und schon vor dem Tsunami völlig verarmte Regionen mit ihren Provinzhauptstädten. Vereinzelt wurde gar zu viel des Guten getan, wenn etwa in Sri Lanka vorübergehend mehr neue Fischerboote zur Verfügung standen als Fischer.
Alle sind sich einig: Der Wiederaufbau ist ein Erfolg
Oder wenn sich geltungssüchtige Politiker wie der damalige Landeshauptmann aus Österreich, Jörg Haider, in Aceh Kinder "ausleihen" mussten, um ein an genau diesem Ort gerade nicht mehr gebrauchtes Waisenhaus einzuweihen. Doch alles in allem herrscht wohl international der Konsens, dass die Wiederaufbauarbeiten ein Erfolg waren.
1700 Schulen, fast 1000 Regierungsgebäude, 36 See- und Flughäfen und 3700 Kilometer Straßen sind allein in der Provinz Aceh neu gebaut worden, hat die dortige "Agentur für Rehabilitation und Rekonstruktion" anlässlich des fünften Jahrestages der Katastrophe aufgezählt.
Von wenigen unrühmlichen Ausnahmen abgesehen, waren die Helfer meist um Nachhaltigkeit bemüht, dachten auch an die Jahre nach der unmittelbaren Katastrophenhilfe. So baute etwas das deutsche Technische Hilfswerk (THW) in Banda Aceh und auf der Insel Simeulue Wasserleitungen, Krankenhäuser und ganze Dörfer wieder auf, "um den Menschen auch langfristig zu helfen", wie THW-Vizepräsident Rainer Schwierczinski kurz vor Weihnachten in Bonn erklärte. Auch für das THW, wie überhaupt für die meisten 800 beteiligten internationalen Hilfswerke und Organisationen, war die Tsunami-Hilfe der größte Einsatz seit ihrer Gründung.
Schwarze Flecken auf der weißen Weste
"Niemals werden wir die Geschichten all jener vergessen, die in einer der schlimmsten Naturkatastrophen unserer Zeit ihre Angehörigen und all ihre Habseligkeiten verloren haben", fasste es der ehemalige US-Präsident Bill Clinton zusammen, der sich damals stark für das Sammeln von Spenden engagiert hatte. "Genauso wenig werden wir die enorme internationale Antwort von Regierungen, Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen und Privatpersonen vergessen, die Geld, Hilfe und Gebete in nie gekanntem Umfang in die betroffenen Regionen geschickt haben. Wir haben mehr getan als wiederaufzubauen. Wir haben besser wiederaufgebaut", sagte Clinton.
Dennoch gibt es schwarze Flecken auf dieser sauberen Weste der internationalen Hilfsbereitschaft, die hoffentlich zu unabhängigen Untersuchungen führen werden, damit sie sich nicht negativ auf die zukünftige Hilfsbereitschaft der Menschen auswirken. 471,9 Millionen Dollar von insgesamt zweieinhalb Milliarden Dollar an Hilfsgeldern seien allein in Sri Lanka verschwunden, kritisierte die in Berlin ansässige Organisation Transparency International kürzlich in einem Bericht. Es sei nicht klar, wohin diese riesige Summe versickert sei.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Bildstrecke Tourismus in Thailand nach dem Tsunami 02.07.2009
- Samoa Tod im Paradies 30.09.2009
- 2 Jahre nach dem Tsunami Gedenken an das Grauen 26.12.2006