Fünf Jahre Krieg in Syrien Der Junge und sein Graffito, mit dem der Krieg in Syrien begann

Der Aufstand der Eltern hat ihm das Leben gerettet: Abdulrahman al-Krad ist heute 15 Jahre alt.

(Foto: Paul-Anton Krüger)

Im Februar 2011 sprüht ein Zehnjähriger Sprüche an die Mauer seiner Schule. Damit beginnt der Krieg, der bis heute dauert. Wir haben den Jungen in Jordanien getroffen.

Von Paul-Anton Krüger

Es war ein Tag im Februar 2011. Abdulrahman al-Krad hatte sich mit Klassenkameraden für den Nachmittag verabredet. Er war damals zehn Jahre alt, ging in die fünfte Klasse, in Daraa, einer Stadt weit im Süden Syriens. In Tunesien, Ägypten und Libyen hatten die Aufstände des Arabischen Frühlings schon begonnen; in Syrien war es noch ruhig. Doch an diesem Nachmittag kaufte Abdulrahman eine Dose gelbe Farbe. Erst sprühte er Herzen an die Außenmauer seiner Schule. Und dann die zwei Sätze, die ihm zum Verhängnis werden sollten: "Jetzt bist du dran, Doktor!", Präsident Baschar al-Assad ist Augenarzt. Und: "Du hast das Land geplündert, oh al-Assad!"

Heute ist Abdulrahman al-Krad 15 Jahre alt. Er ist 2013 mit seiner Familie nach Jordanien geflohen, sie lebt in der Grenzstadt al-Ramtha ganz im Norden des Landes. Es hat Monate gedauert, ihn dort zu finden. Ein jordanischer Mitarbeiter der Süddeutschen Zeitung fragte wieder und wieder in den Flüchtlingslagern und unter den Syrern aus Daraa herum, ob sie einen der Jungen kennen würden, mit denen der Bürgerkrieg begann, der sich am 15. März zum fünften Mal jährt.

"Vergesst eure Kinder! Macht neue!"

Der Geheimdienst des Regimes nahm Abdulrahman und andere Kinder fest, obwohl sie alle erst zwischen neun und 15 Jahren alt waren. Abdulrahman war einer der Ersten, er wurde über Wochen festgehalten und gefoltert, in Gefängnissen des Militärgeheimdienstes in Suweida und Damaskus. Zwei Tage lang hat er uns seine Geschichte erzählt, auch mit seinen Eltern und seinem Großvater konnten wir sprechen.

So lässt sich rekonstruieren, wie der Streich zum Ausbruch des Krieges führte: Die Eltern verlangten vom Regime ihre Söhne zurück. Der Sicherheitschef der Stadt, ein Cousin von Baschar al-Assad, sagte den Männern: "Vergesst eure Kinder! Macht neue! Und wenn ihr das nicht könnt, schicke ich meine Männer, die werden es euren Frauen zeigen."

Es war eine Erniedrigung zu viel. Die Männer sammelten sich an der Omari-Moschee in Daraa, jetzt verlangten sie auch den Rücktritt des Gouverneurs. Bald schickte das Regime Panzer und in ganz Syrien skandierten die Menschen "Unsere Seelen, unser Blut, wir opfern uns für dich, Daraa!"

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