Führungsstreit in NPD "Dreiste Lügen"

Der einstige Waldorf-Lehrer Andreas Molau will nicht mehr NPD-Chef werden - die rechtsextreme Partei steht vor einer Zerreißprobe. Einige Beobachter berichten bereits von einer "Spaltung".

Von Marc Felix Serrao

Der schon seit Monaten schwelende Richtungsstreit in der rechtsextremen NPD ist eskaliert. Der stellvertretende Landesvorsitzende der Partei in Niedersachsen, Andreas Molau, zog am Mittwoch überraschend seine Kandidatur für das Amt des Bundesvorsitzenden zurück.

Wenig später erklärte der Schweriner NPD-Fraktionschef Udo Pastörs seine Kandidatur für den Bundesvorsitz. Pastörs war neben dem sächsischen Fraktionschef der Partei, Holger Apfel, zuvor einer der wichtigsten Unterstützer Molaus. Einige Beobachter berichten bereits von einer "Spaltung" der NPD.

In einer Erklärung, die von der NPD und rechtsautonomen Gruppen im Internet verbreitet wird, begründet der 40-jährige Molau den Verzicht auf seine Kandidatur mit "Diffamierungskampagnen" des amtierenden Parteivorsitzenden Udo Voigt und seines Stellvertreters Jürgen Rieger.

Mit Molaus Rückzug ist jener - relativ - gemäßigte NPD-Flügel, der sich zumindest öffentlich gegen Gewalt und Neonazi-Schläger aussprach, faktisch entmachtet. Molau wollte Voigt im Frühjahr beerben und war bisher dessen einziger Gegenkandidat.

Dem NPD-Chef geben inzwischen immer mehr Mitglieder eine Mitschuld an dem Spendenskandal, bei dem der ehemalige und inzwischen inhaftierte Bundesschatzmeister Erwin Kemna rund 740.000 Euro veruntreut hatte. Molau sagte der SZ nun, dass der einflussreiche NPD-Verband Mecklenburg-Vorpommern, zuvor sein Unterstützer, am Montag plötzlich geschlossen gegen ihn gestimmt habe: "Das hat mich geplättet."

In seiner Erklärung übt Molau noch einmal scharfe Kritik an Parteichef Voigt: "Ein Parteivorsitzender, der nicht merkt, dass Beträge in Hunderttausender Größe aus den Parteikassen verschwindet, hat die Legitimation zur Führung der Partei verloren." Von Rieger sagt Molau, dass dieser eine "nostalgische Beziehung zur NS-Zeit" habe.

Der als besonders radikal geltende Anwalt habe "wilde Spekulationen und dreiste Lügen" über ihn verbreitet. Molau habe "Schwarze in die NPD hereinholen" wollen und bewundere den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Das sei "natürlich totaler Quatsch", sagt Molau.

Quatsch oder nicht: Vor allem in der gewaltbereiten "Freien Szene", die sich um die NPD tummelt, galt Molau schon immer als zu weich und bürgerlich. Er selbst gab einmal zu, in den rechtsautonomen Kreisen als "liberale Luftpumpe" zu gelten. Bei NPD-Aufmärschen wie dem am vergangenen Wochenende in Dresden fiel der schmale Molau mit seiner dünnen Brille zwischen den meist schwarz gekleideten Hünen der Neonazi-Kameradschaften auf.

Molau hat vor seiner NPD-Zeit acht Jahre lang Deutsch, Politik und Geschichte an einer Waldorfschule unterrichtet und war Kulturchef der rechtskonservativen Jungen Freiheit. Bei der umstrittenen Berliner Wochenzeitung dürfte Molaus Rückzug für große Erleichterung sorgen. Wie aus dem Umfeld der Redaktion zu hören ist, war man dort sehr besorgt, im Falle einer erfolgreichen Kandidatur des ehemaligen Mitarbeiters erneut als "Scharnierblatt zur NPD-Szene" dargestellt zu werden.

Am Schluss seiner Verzichtserklärung ruft Andreas Molau die Basis der NPD dazu auf, sich von den eigenen Leuten nicht "ausplündern" zu lassen. Andernfalls drohe der Partei, "dass sie zur Polit-Sekte verkommt". Zu spät.