Der ehemalige US-Präsidentschaftskandidat Edwards hat zugegeben, dass er seine krebskranke Ehefrau betrogen hat - und darf damit wohl seine Hoffnungen auf den Posten des Vizepräsidenten begraben.

Der frühere US-Präsidentschaftsbewerber John Edwards hat eine außereheliche Affäre eingeräumt: Erstmals gab er öffentlich zu, dass er seine krebskranke Frau Elizabeth mit einer Filmemacherin betrogen und im Vorwahlkampf darüber gelogen habe.

Bild vergrößern

Nach eigenen Worten beschämt über seine Affäre: Der frühere US-Präsidentschaftsbewerber John Edwards. (© Foto: AP)

Anzeige

Er sei zutiefst beschämt über seinen Fehltritt, sagte der Demokrat in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung. Zugleich dementierte er Gerüchte, denen zufolge er der Vater einer im Februar geborenen Tochter seiner Ex-Geliebten ist. Er sei bereit, dies durch einen Vaterschaftstest zu beweisen.

Im Laufe der verschiedenen Wahlkämpfe sei er "zunehmend egozentrischer" geworden, habe sich für "außergewöhnlich" gehalten, gab Edwards als Grund für sein Verhalten an. "Wenn Sie mich dafür schlagen wollen - dann tun Sie es", erklärte er weiter an die Adresse der Medien und der Öffentlichkeit gerichtet. "Sie können mich nicht heftiger schlagen, als ich es selbst schon getan habe."

Der 55-jährige Edwards war nach schlechtem Abschneiden bei den ersten Vorwahlen Anfang dieses Jahres aus dem innerparteilichen Kandidatenrennen ausgestiegen. Er galt als möglicher Vizepräsident für einen potentiellen US-Präsidenten Barack Obama oder als möglicher Anwärter auf einen wichtigen Kabinettsposten - Positionen, die nach Einschätzung von Experten nunmehr für ihn nicht mehr infrage kommen.

"Fehler im Urteilsvermögen"

Der Ex-Senator gestand die nach seinen Worten kurze Affäre mit der damals 42-jährigen Rielle Hunter zunächst in einem Interview des US-Senders ABC ein, der darüber vorab am Freitag berichtete. Wenig später veröffentlichte Edwards seine Erklärung.

Das Boulevardblatt National Enquirer hatte bereits im Oktober 2007 über die Beziehung berichtet. Seitdem hatten sich Gerüchte gehalten, die aber immer wieder von Edwards als lächerlich zurückgewiesen worden waren. Hunter hatte im Herbst 2006 im Vorfeld des Vorwahlkampfs mehrere Monate lang für Edwards Internet-Videoclips hergestellt, nachdem sich die beiden in einem Hotel kennengelernt hatten.

Die sexuelle Beziehung endete dem Ex-Senator zufolge nach etwa zwei Monaten, nachdem er sich des Betruges an seiner Frau und seines "ernsten Fehlers im Urteilsvermögen" bewusstgeworden sei. Er habe Elizabeth reinen Wein eingeschenkt und sie um Vergebung gebeten, aber gehofft, dass die Affäre nie öffentlich bekanntwerde.

Edwards bestätigte in dem Interview nach ABC-Angaben auch, dass er Hunter noch einmal im vergangenen Monat nachts in einem Hotel in Beverly Hills getroffen habe, aber nur, um sie zu bitten, die Affäre weiter geheim zu halten.

Der ehemalige erfolgreiche Rechtsanwalt war bereits 2004 an der Seite des Demokraten John Kerry als Vizepräsidentschaftskandidat angetreten. Kurz nach der damaligen Niederlage gegen das Duo George W. Bush und Richard Cheney hatte das Ehepaar Edwards bekanntgegeben, dass bei Elizabeth Brustkrebs festgestellt worden sei.

Während des Vorwahlkampfkampfs im vergangenen Jahr enthüllten die Eheleute dann, dass der Krebs zurückgekehrt sei und - unheilbar - Knochen befallen habe. ABC zufolge wies Edwards in dem Interview ausdrücklich darauf hin, dass sich die kurze Affäre Ende 2006 abgespielt habe, als sich die Krebserkrankung seiner Frau vermeintlich gebessert hatte.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(AFP/AP/dpa/gal/woja)