Frühere RAF-Terroristin vor Gericht Verena Becker bestreitet Beteiligung an Buback-Mord

Mehr als 80 Prozesstage lang hat Verena Becker geschwiegen, nun äußert sich die frühere RAF-Terroristin erstmals zum Attentat auf den damaligen Generalbundesanwalt Siegfried Buback im Jahr 1977. Sie streitet jede Mittäterschaft ab. Zunächst wendet sie sich jedoch direkt an den Sohn des Mordopfers.

Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker hat eine direkte Beteiligung am Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback im April 1977 bestritten. "Ich war bis zu meiner Verhaftung im Mai 1977 nie in Karlsruhe gewesen", sagte Becker vor dem Oberlandesgericht Stuttgart. Die Tatvorwürfe seien "alles falsche Behauptungen", die sie so nicht stehen lassen könne.

Zu Beginn ihrer gut 20 Minuten langen Erklärung wandte sich Becker an den Sohn des Opfers, den Nebenkläger Michael Buback. "In allen Beiträgen und Artikeln, die ich von Ihnen gelesen habe, wollen Sie wissen, wer Ihren Vater getötet hat. Diese Frage kann ich Ihnen nicht beantworten, denn ich war nicht dabei", sagte die 59-Jährige.

Auch an der Planung des Attentats sei sie nicht beteiligt gewesen. Zur Zeit des Attentats habe sie sich "im Nahen Osten" aufgehalten. Von dort sei sie erst am Tag nach dem Attentat nach Europa zurückgekehrt. "Ich erfuhr in Rom aus Zeitungen vom Anschlag auf Buback", sagte Becker.

Bei einem Treffen der Terroristen der Rote Armee Fraktion (RAF) 1976 sei über ein mögliches Attentat auf Buback diskutiert worden, sagte Becker. Sie sei weder als Mitglied des Kommandos vorgesehen noch an den Vorbereitungen beteiligt gewesen.

Becker ist angeklagt, am RAF-Attentat auf Buback und seine beiden Begleiter am Gründonnerstag im Jahr 1977 in Karlsruhe beteiligt gewesen zu sein. Sie soll eine maßgebliche Rolle bei der Entscheidung für das Attentat sowie bei dessen Organisation gespielt haben. Seit 35 Jahren ist ungeklärt, welches RAF-Mitglied von einem Motorrad aus die tödlichen Schüsse auf Buback abfeuerte.

Wegen des Attentats wurden bisher die RAF-Terroristen Brigitte Mohnhaupt, Christian Klar und Knut Folkerts verurteilt - allerdings lediglich als "Mittäter". Ihre genauen Tatbeiträge wurden nie völlig geklärt. Buback, sein Fahrer Wolfgang Göbel und der Justizwachtmeister Georg Wurster hatten mit dem Dienstwagen an einer Ampel gestoppt, als ein Motorrad mit zwei Personen heranfuhr. Die Todesschüsse wurden vom Soziussitz der Suzuki abgefeuert.

Beckers Weg in den Terror

In dem seit anderthalb Jahren laufenden Prozess äußerte sich Becker nun erstmals zum Tatvorwurf. Nebenkläger Michael Buback, der Sohn des Opfers, hält Becker für die Todesschützin. Hierfür hat der Prozess allerdings bislang keine belastbaren Anhaltspunkte ergeben. Es gibt nur Indizien, die sie mit dem Attenat in Verbindung bringen - bis heute ist Verena Beckers Rolle bei der Ermordung Bubacks letztlich unklar.

Sicher ist: Etwa einen Monat nach dem Attentat wurde die Terroristin mit dem mutmaßlichen Fahrer des Tatmotorrads, Günter Sonnenberg, in Singen festgenommen. Bei ihnen fand man die Tatwaffe. Wegen des Schusswechsels bei der Festnahme wurde Becker zu lebenslanger Haft verurteilt. Zwölf Jahre später wurde sie vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker begnadigt.

Wegen verschiedener neuer Hinweise, unter anderem DNS-Spuren Beckers am Bekennerschreiben, erließ die Bundesanwaltschaft im August 2009 wegen des dringenden Verdachts der Beteiligung am Buback-Mord Haftbefehl gegen Becker.

Warum sie nicht schon früher angeklagt wurde, obwohl man doch die Tatwaffe bei ihr fand und von einem Alibi für den Tattag bislang nichts bekannt war, bot und bietet viel Raum für Spekulationen über eine Zusammenarbeit Beckers mit dem Verfassungsschutz. Doch ob Geheimdienste eine "schützende Hand" über die frühere Terroristin hielten, ist völlig unklar. Klare Beweise gibt es nicht und die Dienste selbst schweigen.

Zur RAF soll Becker im Nahen Osten gestoßen sein, nachdem sie 1975 im Zuge der Entführung des CDU-Politikers Peter Lorenz durch Mitglieder der Bewegung 2. Juni aus dem Gefängnis freigepresst und nach Jemen ausgeflogen worden war.

Nach einem von britischen Soldaten verursachten Blutbad in Nordirland, dem sogenannten Bloody Sunday, hatte sich Becker - noch nicht einmal volljährig - 1972 an einem einem Sprengstoffanschlag auf einen britischen Yachtclub in Berlin beteiligt. Sie war dafür 1974 zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren verurteilt worden.