Fritz Teufel ist tot Der "Pudding-Attentäter" der Kommune 1

Er war Mitbegründer der berühmtesten Polit-WG Deutschlands und provozierte mit Polit-Aktionen. Mit 67 Jahren ist der "Spaß-Revoluzzer" Fritz Teufel gestorben.

Lange struppige Haare, Nickelbrille, Vollbart - und einen Kopf voller Ideen eines jungen Revoluzzers im stickigen Klima der Kriegsverdrängung, der Vertuschung und Spießigkeit - so wurde Fritz Teufel in den sechziger bis achtziger Jahren zum Feinbild des deutschen Bürgers.

Fritz Teufel in seinem Element: Der Revoluzzer spricht 1967 in Frankfurt am Main zu Demonstranten bei einer Sitzdemonstration vor dem Polizeipräsidium. Nun ist der Kommune-1-Mitbegründer gestorben.

(Foto: dpa)

Am Dienstag ist der Alt-68er in Berlin im Alter von 67 Jahren gestorben. Das berichtet die Berliner tageszeitung (taz), bei der Teufel einige Zeit als Kolumnenschreiber tätig war, am Mittwoch unter Berufung auf die Familie Teufels.

Der Mitbegründer der Berliner Kommune 1 litt seit Jahren an der Parkinsonschen Krankheit, einem Nervenleiden, das sich durch Muskelstarre, Bewegungslosigkeit und dem typischen Muskelzittern äußert und langsam und weitgehend unaufhaltsam fortschreitet.

Teufel lernte Ende der sechziger Jahre Rudi Dutschke vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) kennen und kämpfte von nun an auf seine Weise gegen das Establishment. Schnell machte er sich einen Namen mit provozierenden, aufsehenerregenden Polit-Aktionen wie beispielsweise dem "Pudding-Attentat". Damit blamierte er die Berliner Polizei, die Teufels Tütenwerfen auf den US-Vizepräsidenten Hubert H. Humphrey als Attentat einstufte - obwohl die Tüten nur mit Pudding oder Mehl gefüllt waren, wie sich später herausstellte.

Von einem angeblichen Steinwurf auf den Schah Reza Pahlavi bei dessen Berlin-Besuch 1967 wurde er freigesprochen. Während der Verhandlungen antwortete er mit dem legendären Satz auf die Aufforderung des Richters, sich zu erheben: "Wenn's der Wahrheitsfindung dient."

Obwohl er sich selbst immer als Polit-Clown betrachtete, entschied sich Teufel danach für einen anderen Weg als sein Mit-Kommunarde Rainer Langhans, und "ein dummes Huhn wie Ursel Obermeier", die "plötzlich als Sexgötten ausgerufen" wurde, wie er im Januar 2010 dem Tagesspiegel erklärte.

1975 wurde er mit einer Pistole im Hosenbund und einer Schrotflinte in einer Tüte verhaftet. Er wurde beschuldigt, als führendes Mitglied der terroristischen Vereinigung "Bewegung 2. Juni" an der Entführung des Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz beteiligt gewesen zu sein. Fünf Jahre saß Teufel in Untersuchungshaft, schließlich forderte die Staatsanwaltschaft 15 Jahre Gefängnis. Erst dann wies Teufel auf sein Alibi hin - er hatte unter falschem Namen in einer Fabrik für Klodeckel gearbeitet.

Dass er dies so spät in den Prozess einbrachte, erklärte er als Taktik, um die Vorverurteilungen der Medien gegenüber linken Politagitatoren zu entlarven.

Einige Jahre trat er noch als eine Art politischer Till Eulenspiegel in Aktion. So spritzte er 1982 während einer Fernsehdiskussion den damaligen Bundesfinanzminister Hans Matthöfer (SPD) mit einer Wasserpistole nass. Der Minister revanchierte sich mit einem Glas Wein, das er über Teufel ausleerte.

Später arbeitete Teufel als Bäcker in London und viele Jahre mit Begeisterung als Fahrradkurier in Berlin.

"Er musste seine Witzeleien machen"

Die taz schreibt in einem Nachruf in ihrem Online-Dienst, in den vergangenen Jahren habe Teufel zurückgezogen mit seiner Lebensgefährtin und Freunden im Berliner Stadtteil Wedding gelebt. "Er hatte Anteil daran, 'dass dieses Land wieder in die Gemeinschaft der Nichtverbrecher-Staaten aufgenommen werden konnte' (Originalton Teufel)", schreibt das Blatt.

Rainer Langhans, ehemaliger Mitstreiter Fritz Teufels und Ex-Kommunarde, bedauert, dass die beiden so wenig Kontakt hatten. "Ich habe Fritz vor einem Jahr zum letzten Mal gesehen", sagte Langhans. "Ich habe schon immer noch gehofft, dass wir alle noch wieder ein bisschen näher zusammenfinden. Leider ist das nicht passiert."

Teufel, der sich nach der Auflösung der Kommune von Langhans distanziert und sich in einem Interview auch über dessen vegetarische Essgewohnheiten lustig gemacht hatte, sei bei einem der letzten Treffen aber auf ihn zugegangen, sagte der 70-jährige Langhans. "Fritz war der Einzige, der auf mich zugekommen ist und gesagt hat: Du hattest recht und ich hatte unrecht. Leider hat das nicht dazu geführt, dass wir engeren Kontakt aufgenommen haben." Übelgenommen habe er Teufel die Sticheleien nicht.

"Das war halt seine Art - er musste seine Witzeleien machen. Ich empfand das als freundlich", sagte Langhans. "Er war ein ganz lieber Mensch." Langhans sagte, er wolle zur Beerdigung Teufels nach Berlin fahren. Wann sie stattfindet, wisse er aber nicht. Jetzt hat er Hoffnung, mit den übrigen Ex-Mitgliedern der Kommune wieder zusammenzufinden. "Ich hoffe das jetzt für die Verbleibenden."

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