Fragwürdige Entscheidung: Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Barack Obama ist eine kaum noch nachzuvollziehende Verirrung von sechs Juroren, denen jedes Gefühl für Realismus und jede Urteilskraft abhandengekommen ist.
Das Nobel-Komitee in Oslo vergibt seinen Friedenspreis offenbar nicht mehr für eine vollbrachte Tat, es vergibt die Auszeichnung in Erwartung einer sich zu erfüllenden Prophezeiung.
Gefeierter Star: Obama bei seinem Besuch in Berlin im Juli 2008 (© Archiv-Foto: Reuters)
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Prophezeiungen sind aber Sache von Religionen, nicht der Politik. Deswegen ist die Verleihung des Friedensnobelpreises an Barack Obama eine kaum noch nachzuvollziehende Verirrung von sechs Juroren, denen jedes Gefühl für Realismus und jede Urteilskraft abhandengekommen ist.
Barack Obamas politische Leistung besteht bisher darin, die Politik von George Bush radikal beendet zu haben. Dafür verdient er Lob und Anerkennung. Und offenbar haben sich die Nobel-Juroren auch von dieser Dankbarkeit leiten lassen.
Angekündigte Großtaten
Aber eine eigene Leistung hat der Präsident noch nicht vollbracht. Seine diplomatische Großtat besteht darin, diplomatische Großtaten in Reden angekündigt zu haben. Nun steht harte Arbeit an - und die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass Obama mit vielen seiner Initiativen scheitern wird.
Das Nobel-Komitee klammert sich also an eine Hoffnung, es erliegt einem Messias-Wahn, der sich um die Person Barack Obama aufgebaut hat. Dass dem Präsidenten diese Stilisierung unangenem ist, ja: dass sie ihm sogar politisch schadet, kann dem Komitee egal sein.
Würden die Auguren aus Oslo ein wenig Realitätssinn walten lassen, dann müssten sie erkennen, wie sehr ein Nobelpreis den Träger auch festlegt, wie sehr er ihn einengt.
Möglicherweise sogar dies: Wie sehr sie seine Persönlichkeit verbiegt, wenn Obama nun etwa dem Glauben verfallen sollte, dass er tatsächlich schon große, friedensstiftende Leistungen vollbracht haben sollte. Das hat er aber noch nicht.
Vermutlich werden die Juroren und all die Anhänger der Messias-Theorie schwer enttäuscht sein, wenn Barack Obama in seiner wohl noch lange währenden Amtszeit gar nicht mehr der Friedensbringer sein kann, wenn er etwa in Afghanistan Chaos und Niedergang hinterlässt, wenn er einen Luftschlag gegen iranische Atomanlagen befehlen muss, oder wenn unter seiner Führung der nächste Rüstungswettlauf mit China beginnt.
Dem Präsidenten wird in diesem Fall der Preis egal sein. Und der Preis selbst? Der wird dann ebenfalls einer Bedeutungslosigkeit verfallen - ein Event eben im Jahreskalender der Propheten.
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(sueddeutsche.de/plin)
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Ich glaube,
wir müssen alles verantworten, was wir getan haben,
wenn sich unsere Seelen nach dem Tod im Jenseits
wieder begegnen.
So wie Gott uns hier auf der Erde gewähren lässt,
so dürfen wir auch im Jenseits alles machen was wir
wollen. Dann können sich alle für alles rächen, was
ihnen angetan wurde und der Liebe Gott bleibt
tatenlos!
Himmel und Hölle sind Begriffe, die wir benutzten,
seitdem wir sprechen können, aus gutem Grund,
denn wenn wir im Jenseits wieder unkontrolliert
auf einander treffen, dann wird das Böse böser
als wir es uns vorstellen können, und das Gute
schöner, als wir es uns wünschen!
@Liza2. Au contraire, und halte die andere Wange hin funktioniert GERADE in einer kaputten Welt.
Wem hätte durch die Würdigung noch geholfen werden können, der sozusagen "Sprengstoff sicher verpackt hat".
Wem hätte die MedienPräsenz noch oder vielleicht mehr (hilfreiche) Aufmerksamkeit für den unbeachteten Einsatz geschenkt (oder gestiftet).
Wer hätte das Preisgeld als wirkliches Geschenk verstehen können (verglichen mit einem MilliardenHaushalt).
Was ich über Nobel bisher gelesen habe beeindruckt mich (auch diese Aussage zu *seiner* Zeit):
... "ob er nun Skandinavier sei oder nicht"
für Interessierte:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Träger_des_Right_Livelihood_Award
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit
ich kann mich nur dem Kommentar von Sven Larmar anschliessen.
Ich komme gerade von der Spiegel Website und die Leserkommentare stoßen leider in das gleiche Horn wie der Artikel von S. Kornelius.
Ich hätten beiden, sowohl dem Autor, als auch den Lesern ein wenig mehr Weitblick und Vision zugetraut, denn genau darum geht es bei der Verleihung. Natürlich handelt es sich hier um "Vorschußlorbeeren", aber diese sind meines Erachtens absolut berechtigt. Obama vollzieht eine komplette politische Wendung, und zwar nicht nur, was die Außenpolitik der USA angeht, sondern was die "Außenpolitik" oder die "Außendarstellung" des Westens angeht. Ob man will oder nicht, die USA waren, sind und werden immer der Gradmesser der Außenpolitik für den Westen sein. Allein die Tatsache, dass Obama zum Dialog aufruft, verdient diesen Preis. Ich empfehle hier wirklich den Wortlaut der Begründung des Komitees zu lesen. Vollkommen einleuchtend und richtig.
Das Obama Altlasten mit sich herumschleppen würde, war wohl klar. Aber selbst ein Scharfmacher wie McCain plädiert schon lange für die Aufstockung der Truppen in Afghanistan und dem Irak, warum? Weil beide Länder unweigerlich im Chaos versinken würden und zwar in einem größeren Chaos, als es die derzeitige Vorgehensweise der Amerikaner und der verbündeten Truppen in diesen Ländern im Moment anrichtet. Man möge sich nur die letzten Jahrzehnte in Afghanistan genau anschauen. Die Menschen dort haben wirklich etwas besseres verdient, aber durch einen schnellen Abzug der Truppen würde dies nicht erreicht werden.
Die Kommentare sind zum Teil an Naivität nicht zu überbieten. Ich bin ganz sicher kein Verfechter brachialer militärischer Gewalt, aber man kann doch nicht so naiv sein zu glauben, dass Obama nur zu entscheiden braucht, dass alles, was die Bush Regierung angezettelt hat, sofort zu stoppen ist und alles wird gut. Auch Obama wird sich militärischer Mittel bedienen (müssen), denn leider funktioniert und halte die andere Wange hin in dieser kaputten Welt nicht.
Alles, was Obama sich vorgenommen hat, kann er tatsächlich nicht umsetzen und es wird viele Enttäuschungen geben, wohl am meisten für ihn selbst, aber der Mann hat sich sofort und unmissverständlich zu bestimmten Prinzipien bekannt und ich glaube er wird sein bestes tun, um so viel wie möglich zu erreichen. Aber ganz sicher wird es ein langer Weg, denn es ist viel kaputt gemacht worden in den letzten Jahren und Jahrzehnten.
Er ist kein Messias und er wird
Nun, GS271: hat es noch deutlicher gemacht was in der Realität passiert, kein Präsident der amerikanischen Militärmacht hat so schnell eine neue Richtung eingeschlagen. Welcher amerikanische Präsident hat denn schon Druck auf die Israelis ausgeübt? Es wird nicht von heute auf morgen anders, aber die Richtung stimmt und sie wird von Obama konsequent verfolgt und es verändert Schritt für Schritt die Welt - wer es nicht begreift, nunja wer zu spät kommt bestraft das Leben...
Paging