Friedensnobelpreis Obama, das Nobel-Komitee und der Messias-Wahn

Fragwürdige Entscheidung: Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Barack Obama ist eine kaum noch nachzuvollziehende Verirrung von sechs Juroren, denen jedes Gefühl für Realismus und jede Urteilskraft abhandengekommen ist.

Ein Kommentar von Stefan Kornelius

Das Nobel-Komitee in Oslo vergibt seinen Friedenspreis offenbar nicht mehr für eine vollbrachte Tat, es vergibt die Auszeichnung in Erwartung einer sich zu erfüllenden Prophezeiung.

Prophezeiungen sind aber Sache von Religionen, nicht der Politik. Deswegen ist die Verleihung des Friedensnobelpreises an Barack Obama eine kaum noch nachzuvollziehende Verirrung von sechs Juroren, denen jedes Gefühl für Realismus und jede Urteilskraft abhandengekommen ist.

Barack Obamas politische Leistung besteht bisher darin, die Politik von George Bush radikal beendet zu haben. Dafür verdient er Lob und Anerkennung. Und offenbar haben sich die Nobel-Juroren auch von dieser Dankbarkeit leiten lassen.

Angekündigte Großtaten

Aber eine eigene Leistung hat der Präsident noch nicht vollbracht. Seine diplomatische Großtat besteht darin, diplomatische Großtaten in Reden angekündigt zu haben. Nun steht harte Arbeit an - und die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass Obama mit vielen seiner Initiativen scheitern wird.

Das Nobel-Komitee klammert sich also an eine Hoffnung, es erliegt einem Messias-Wahn, der sich um die Person Barack Obama aufgebaut hat. Dass dem Präsidenten diese Stilisierung unangenem ist, ja: dass sie ihm sogar politisch schadet, kann dem Komitee egal sein.

Würden die Auguren aus Oslo ein wenig Realitätssinn walten lassen, dann müssten sie erkennen, wie sehr ein Nobelpreis den Träger auch festlegt, wie sehr er ihn einengt.

Möglicherweise sogar dies: Wie sehr sie seine Persönlichkeit verbiegt, wenn Obama nun etwa dem Glauben verfallen sollte, dass er tatsächlich schon große, friedensstiftende Leistungen vollbracht haben sollte. Das hat er aber noch nicht.

Vermutlich werden die Juroren und all die Anhänger der Messias-Theorie schwer enttäuscht sein, wenn Barack Obama in seiner wohl noch lange währenden Amtszeit gar nicht mehr der Friedensbringer sein kann, wenn er etwa in Afghanistan Chaos und Niedergang hinterlässt, wenn er einen Luftschlag gegen iranische Atomanlagen befehlen muss, oder wenn unter seiner Führung der nächste Rüstungswettlauf mit China beginnt.

Dem Präsidenten wird in diesem Fall der Preis egal sein. Und der Preis selbst? Der wird dann ebenfalls einer Bedeutungslosigkeit verfallen - ein Event eben im Jahreskalender der Propheten.

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