Ob Barack Obama den Friedensnobelpreis wirklich verdient, muss sich erst zeigen. Eines aber ist jetzt schon klar: Das Komitee in Oslo hat den US-Präsidenten gefesselt und ein wenig seiner politischen Kraft beraubt.
Barack Obama, geboren am 4. August 1961, wurde mit nur 47 Jahren Präsident der Vereinigten Staaten. Vor ihm stieg kein Schwarzer in dieses Amt auf. Mit 48, noch im ersten Jahr der Präsidentschaft, wird Obama den Friedensnobelpreis entgegennehmen. Und was macht er den Rest seines Lebens?
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(© Foto: AFP)
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Das Komitee für den Friedensnobelpreis hat dem Präsidenten eine gewaltige Bürde auferlegt. Es hat ihn sogar gefesselt und ein wenig seiner politischen Kraft beraubt. Denn diese Auszeichnung erregt die Welt. Der mächtigste Mann der Welt polarisiert bereits qua Amt - wie muss es da erst einem Mann ergehen, der die höchsten moralischen Weihen verliehen bekommt? Was passiert mit dem Präsidentenamt und dem Preis, wenn Obama Krieg führen muss?
Obama kann diese Last nicht schultern wollen. Da er noch am Beginn seiner Amtszeit steht und den Entrückungen fern sein müsste, die sich mit fortlaufender Zeit in der präsidentiellen Blase einstellen, müsste er sich eigentlich der Vereinnahmung widersetzen.
Für die einen ist er nun der würdige Preisträger, der dank seiner außerordentlichen Persönlichkeit seinem Land, der internationalen Diplomatie und der Welt mehr Zivilität im politischen Diskurs geschenkt hat. Für die anderen ist er nur ein vielversprechender Politiker, der am Beginn seiner Schaffensphase steht, dessen Leistung also noch nicht bewertet werden kann.
Das Nobel-Komitee hat eine bemerkenswerte Begründung für die Entscheidung formuliert. Obama habe den Preis verdient für seine "außergewöhnlichen Bemühungen zur Stärkung der internationalen Diplomatie und um Zusammenarbeit zwischen den Völkern". Auch ein zweiter Satz verdient Aufmerksamkeit: "Nur selten hat eine Person im selben Ausmaß wie Obama die Aufmerksamkeit der Welt auf sich gezogen und den Menschen Hoffnung auf eine bessere Zukunft gegeben."
Kurzatmige Tagespolitik
Beide Sätze sind richtig, aber sie stehen lediglich für einen gewaltigen Vertrauensvorschuss. Ob er gerechtfertigt war, wird sich erst in den kommenden drei - wenn Obama wiedergewählt wird, in sieben - Jahren herausstellen. Denn nichts anderes sagt das Komitee, als dass es Obama für seine Abkehr von der Politik des Vorgängers, George W. Bush, dankt. Und dass es Hoffnung setzt für Klima, Abrüstung, Völkerverständigung. Doch das alles ist noch eine Sache der kurzatmigen Tagespolitik und entzieht sich dem Urteil. Es kann erst nach dem Ende der Amtszeit gefällt werden.
Die charismatische Kraft Obamas fasziniert die Menschen, seit der Ausnahmepolitiker zum Jahresende 2007 die Aufmerksamkeit der Welt gewonnen hatte. Diese charismatische Kraft ließ ihn Hillary Clinton bezwingen und schenkte ihm den Wahlsieg. Amerika war ausgehungert nach einem politischen Gegenmodell zu George W. Bush. Obama stillte diesen Hunger mit der nährenden Kraft seiner Worte. Obama sorgte in den ersten Monaten seiner Präsidentschaft allein mit Reden für eine der radikalsten Richtungsänderungen, die das schwankungsanfällige Amerika je erlebt hat. Bush ist vergessen, die USA wandeln wieder auf dem Pfad der Vernunft. Das ist einerseits eine großartige Leistung Obamas. Andererseits wurde sie nur möglich, weil Amerika seine Verirrung erkannt und Obama mit der Korrektur beauftragt hat.
Obama spielt alle Themen gleichzeitig
Nach den Worten müssen nun Taten folgen. Abrüstung, Klima, Iran, Afghanistan, Nahost, Gesundheitsreform, soziale Kluft - Obama spielt alle Themen gleichzeitig, und weil er erst seit wenigen Monaten die Klaviatur wirklich beherrscht, ist es zu früh für ein Urteil über die Virtuosität. Sicher, er hat die Raketenabwehr gestoppt, weil sie strategisch unsinnig, technisch fragwürdig und zu teuer war und insofern als Morgengabe für Abrüstungsverhandlungen taugte. Beleg für die erfolgreiche Abrüstungspolitik ist das nicht - Obama plant eine mobile Abwehr aufzubauen. Sicher, er ist auf die islamische Welt, und besonders auf Iran zugegangen. Genutzt hat es ihm bisher wenig. Sicher, Obama will sich konstruktiv in die Klimapolitik einbringen. Die letzten Winkelzüge von Kongress und seiner eigenen Regierung deuten eher ins Gegenteil.
Könnte es also sein, dass Obama am Ende scheitert, dass seine hehren Absichten Träume bleiben - und dass er den Preis damit zu Unrecht verliehen bekommen hat? Wer heute schon urteilt, ist unseriös. Der Preis ist eine Spekulation, eine Prophezeiung. Die von der Jury gelieferte Begründung reicht nicht. Das Komitee in Oslo zeigt sich erkenntlich, weil Obama die Welt vom Bush-Trauma befreite, weil er die außenpolitischen Verhältnisse wieder zurechtrückte. Aber Obama hat das auf dem Papier getan. Noch ist Guantanamo nicht geschlossen. Noch führen die USA in Afghanistan Krieg. Noch könnten die Taliban ihre Gewaltherrschaft wieder errichten, sollte Amerika überhastet abziehen. Noch könnte die islamische Welt einen Nuklear-Wettlauf veranstalten, sollte Iran die Bombe bauen. Noch, noch, noch...
Der Preis braucht Obama
Das Nobel-Komitee hat die Chance vertan, den Preis jenen zuzusprechen, die ihn wirklich gebraucht hätten: chinesischen Dissidenten, russischen Menschenrechtlern, den Demonstranten in Iran, dem Pfarrer Führer aus Leipzig stellvertretend für alle Montagsdemonstranten. Barack Obama braucht den Preis nicht. Der Preis braucht Obama.
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(SZ vom 10.10.2009/holz)
Stockender Kita-Ausbau
Mit der Preisverleihung an Barack Obama hat das Komitee seinem Wunsch Ausdruck verliehen, Obama werde als mächtigster Mann der Welt für den Frieden großes leisten. Um diesen Willen durchzusetzen hat das Komitee versucht die Kraft des Preises zu benutzen. Doch stützt sich diese Entscheidung auf Absichten und, wie Kornelius etwas blumig formuliert "Prophezeiung" und weniger auf Erungenschaften. Es ist vielmehr eine Auszeichung für den guten Willen von Obama Frieden zu schaffen, durch Abrüstung, Diplomatie, Vermittlung. Doch hilft Obama der Preis dabei?
Obama kann diesen Preis annehmen oder ablehnen. Die Ehrung ist keine leichte, sieht er sich doch den Erwartungen, die aus dem Preis erwachsen gegenübergestellt. Diese einzulösen wird er nur schwer im Stande sein. Zudem, da sie unscharf sind, da in die Zukunft gerichtet und da viele Hoffnungen sich wohl nicht in seiner Amtszeit(en) verwirklichen lassen. Daher ist der Preis eine Hoffnung und er kann ihn als Ermutigung für die Zukunft sehen.
Oder er muss ihn ablehnen mit dem Hinweis auf noch bevorstehende Aufgaben und um sich der Bürde und Verpflichtung des zu früh ausgezeichneten zu befreien.
Wie auch immer, er wird ihn vermutlich annehmen, allein aus Achtung vor dem Preis, aber es scheint schon ein Schuss Verwirrung in das komitee gelangt zu sein, Obama zu diesem Zeitpunkt den Friedensnobelpreis zu verleihen. Da hat Kornelius recht, er bracuht ihn derzeit nicht und es gäbe andere, die ihn verdient hätten, 20 Jahre nach der friedlichen Revolution in Leipzig.
Es ist ein Vertrauensvorschuss und ein Ansporn für den mächtigsten Mann der Welt, der so noch nie dagewesen ist.
...spüre ich hier Neid? Ein Amerikaner, noch dazu schwarz (oder beinahe) bekommt den Friedensnobelpreis. Was will man mehr?
In einer Kopf, Macht und Geld gesteuerten Welt gehört ein Politiker mit Visionen zu einer aussterbenden Art. Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Obama ist somit aktiver Artenschutz.
Für bloßes Reden halten, ohne bisher irgendwas konkretes erreicht zu haben, wird Obama ausgezeichnet. Denn ob nun in Israel/Palestina, Afghanistan, oder Latein Amerika, nirgendwo hat dewr Regierungswechsel bisher einschneidendes bewirkt. Muß also wohl der Bush-Effekt sein, der das Kommittee getrieben hat. Nach dem Säbelrassler George W. und seiner kriegslüsternen Mannschaft sieht ja jeder wie eine Friedensfürst aus, der "peace" sagen kann, ohne dabei eine Nase wie Pinochio zu kriegen!
Also schön. Ich glaube, dies wird als eine der großen Fehlentscheidungen des Nobel-Kommitees in die Geschichte eingehen, und weder Obama noch dem Preis gut tun, aber wenn die Schweden das für eine gute Idee halten, ist es schließlich ihr Bier. Skål!
ich kann Ihrer Berichterstattung in dieser Hinsicht nur wenig abgewinnen.
Paging