Friedenskonferenz "Wir sind Bürger, nicht nur Konsumenten"

Jakob von Uexküll, Stifter des Alternativen Nobelpreises, über den Sinn einer Friedenskonferenz und die Forderung nach mehr Bürger-Diplomatie.

Interview: Cornelius Pollmer

Der schwedisch-deutsche Denker Jakob von Uexküll, 64, ist Stifter des als "alternativer Nobelpreis" bekannten Right Livelihood Award und Gründer des Weltzukunftsrats. Er nimmt als Redner an der Münchner Friedenskonferenz teil, die zeitgleich mit der Sicherheitskonferenz veranstaltet wird.

sueddeutsche.de: Herr von Uexküll, was macht man eigentlich auf einer Friedenskonferenz?

Jakob von Uexküll: Wir wollen zeitgleich mit der Sicherheitskonferenz zeigen, dass wir Sicherheit heute nicht mehr militärisch definieren dürfen. Wir müssen uns vielmehr darauf konzentrieren, welche friedlichen Mechanismen es gibt, Konflikte zu lösen. Konflikte kann man auf zwei Arten lösen. Entweder durch Krieg und Kampf "aller gegen alle" um immer knappere Ressourcen. Oder aber, indem man neue Formen der Zusammenarbeit findet. Letzteres ist das Ziel einer solchen Friedenskonferenz.

sueddeutsche.de: Was genau kritisieren Sie am Ansatz der Sicherheitskonferenz?

von Uexküll: Viele Bedrohungen der Sicherheit heute sind nicht militärischer Art und können auch nicht militärisch gelöst werden. Wir glauben auch, dass in einer Welt mit immer mehr Atomwaffen die Aufrüstung früher oder später zum Krieg führen wird und dass wir uns das nicht leisten können. Deswegen müssen alternative Sicherheitsmodelle stärker propagiert werden.

sueddeutsche.de: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat zur Eröffnung der Sicherheitskonferenz eine Welt ohne Atomwaffen gefordert - ist er damit ein Kandidat für den alternativen Nobelpreis 2009?

von Uexküll: Nun, wenn er das durchsetzen kann, ist er ein Kandidat - er würde dann aber sicherlich auch den Friedensnobelpreis in Norwegen bekommen.

sueddeutsche.de: Was kann die Friedenskonferenz leisten, welchen Beitrag leistet sie?

von Uexküll: Es ist absurd, dass wir den derzeitig Herrschenden so viel Aufmerksamkeit widmen, wo sie doch in einer riesigen Krise der Glaubwürdigkeit stecken. Ich habe in meiner Rede einen britischen Minister zitiert, der sagte: "Wir brauchen mehr Druck von unten, mehr Bürgermobilisierung". Dieses Stichwort der Bürger-Diplomatie meint, dass wir uns als Bürger sehen und nicht nur als Konsumenten. Bürgerliches Engagement im politischen Raum ist absolut unerlässlich und dieses Engagement wollen wir stärken. Im alten Griechenland, der Wiege der Demokratie, wurde der politisch engagierte Bürger "politis" genannt und der, der sich weigerte, sich politisch zu engagieren, hieß "idiotis".

sueddeutsche.de: Ist so eine Veranstaltung aber nicht sehr selbstreferentiell?

von Uexküll: Das ist immer eine Gefahr und war in der Vergangenheit oft so. Ich habe diese Einstellung auch erlebt: "Der Staat sind die anderen, der Staat ist der Gegner." Angst vor der Macht ist bei vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen ein großes Problem gewesen. Aber so kommen wir nicht weiter, denn ohne Macht lässt sich nichts erreichen. Man hat in der Friedensbewegung erkannt, dass es nicht reicht, irgendwo in einer Nichtregierungsorganisation zu sitzen und Forderungen zu stellen. Man muss sich vielmehr im öffentlichen politischen Raum engagieren. Sicher wäre es deswegen auch besser, man würde die Sicherheits- und Friedenskonferenz zusammenlegen.

sueddeutsche.de: Also ist die Friedenskonferenz eine Gegenveranstaltung zur Sicherheitskonferenz?

von Uexküll: Ich bin gegen Gegenveranstaltungen. Nur zu sagen, dass ich gegen etwas bin, das führt nicht weit. Ich bin lieber für etwas. Es geht also darum, wie man Frieden sichert und schafft. Da gibt es sicherlich unterschiedliche Meinungen auf beiden Konferenzen. Deswegen glaube ich, dass es besser wäre, es gäbe mehr Dialog. Dass die Sicherheitskonferenz nun zum ersten Mal Kontakt gesucht und einen Vertreter der Friedenskonferenz zu sich als Beobachter eingeladen hat, ist ein Anfang.