Frauenrechte in Pakistan Historische Kandidatur im politischen Patriarchat

Wie die junge Aktivistin Malala kämpft auch sie für die Rechte der Frauen: Die Pakistanerin Badam Zari aus dem konservativen Norden will bei der Parlamentswahl kandidieren. Ungefährlich ist das nicht. Denn strenggläubige Pakistaner versuchen alles, um politische Partizipation von Frauen zu verhindern.

Was mit Menschen passieren kann, die sich in den konservativen Stammesgebieten für die Rechte von Frauen und Mädchen einsetzen, hat der Fall der erst 15-jährigen Aktivistin Malala Yousafzai gezeigt: Sie wurde von Islamisten auf dem Schulweg angeschossen und schwer verletzt.

Im Nordwesten des Landes, in den semiautonomen Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan, vertreten die meisten Einwohner ein äußerst konservatives Rollenbild. Frauen halten sich vor allem im Haus auf, zeigen sich auf den Straßen nur tief verschleiert. Nur drei Prozent von ihnen können lesen oder schreiben - ein Missstand, gegen den Menschen wie Malala ankämpfen wollen.

Die pakistanische Regierung kämpft in den Stammesgebieten gegen die aus Afghanistan eindringenden Taliban, überlässt die Menschen sonst aber ihren Bräuchen und Traditionen - mit denen nun eine weitere Frau öffentlich brechen will. Die 40-jährige Badam Zari will gemeinsam mit einer anderen Frau, Nusrat Begum, als Direktkandidatin bei der Parlamentswahl am 11. Mai antreten, wie mehrere Medien berichteten. In einem Artikel der Nachrichtenagentur Associated Press, den mehrere englischsprachige Medien publizierten, heißt es:

Zari stammt aus Bajur, einem der vielen Orte in den Stammesregionen, in denen die pakistanische Armee die Taliban bekämpft. Sie reichte die notwendigen Papiere für die Kandidatur am Sonntag in Khar, der Hauptstadt von Bajur, ein. Begleitet wurde sie von ihrem Ehemann, der, wie sie sagte, ihre Entscheidung voll unterstütze.

Associated Press zitiert außerdem Farzana Bari, den Chef der Abteilung für Genderstudien an der Quaid-e-Azam Universität in Islamabad:

"Im Namen von Kultur und Tradition haben politische Parteien und lokale Machthaber versucht, Frauen aus dem politischen Prozess herauszuhalten," sagt Bari, "diese Frau (Zari) setzt sich mit ihren eigenen Mitteln gegen die Strukturen der Unterdrückung ein, die in dieser Gegend sehr präsent sind."

Badam Zari begründete ihre Kandidatur auf einer Pressekonferenz:

"Meine Entscheidung bei der Wahl anzutreten wird nicht nur Frauen im Allgemeinen Mut geben und Aufmerksamkeit auf ihre Probleme richten, sondern auch helfen, den falschen Eindruck über unsere Gesellschaft auszuräumen," sagte Zari. "Sie wird ein wahres Bild unserer Gesellschaft zeichnen, in der Frauen respektiert werden."

Die pakistanische Zeitung Dawn zitiert Zari online mit Aussagen, in denen sich die 38-Jährige risikobewusst, aber nicht ängstlich zeigt. Sie wolle alle Anstrengung unternehmen, um Frauen zu überzeugen aus ihren Häusern zu kommen und zu wählen: "Ich weiß, dass ich einen gefährlichen Schritt tue, aber ich hoffe, meine Entscheidung hat einen positiven Effekt auf Frauen in den Stammesgebieten."

Leicht umzusetzen ist ihr Vorhaben nicht: Laut dem aktuellen Global Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums sitzen in Pakistan anteilig zwar mehr Frauen im Parlament als in Großbritannien oder den USA. In der Nationalversammlung, dem pakistanischen Unterhaus, sind grundsätzlich 60 von 342 Sitzen Frauen vorbehalten. Auch regierte Ende der achtziger Jahre bereits eine Premierministerin in Islamabad: Benazir Bhutto.

Mit der generellen Gleichberechtigung der Frauen sieht es jedoch anders aus. Pakistan landete beim Gender Gap Report 2012 auf dem vorletzten Platz. Und das blutige Ende der hoffnungsvollen Kampagne von Malala Yousafzai liegt noch nicht lange zurück.