In Afghanistan vertrauten die Menschen den Talibangerichten, da die selbsternannten Gotteskrieger weniger korrupt seien als behördliche Richter, erläutert der Chef der "Kinderhilfe Afghanistan". Drakonische körperliche Strafen schockieren westliche Beobachter - doch Erös meint: Erstens handele es sich bei solchen Geschichten um Einzelfälle, zweitens habe die afghanische Gesellschaft nun einmal andere Traditionen und Normen als Europa oder die USA. Auch Deutschland sei nicht als zivilisiertes Land vom Himmel gefallen. "Wann wurde denn im Bayerischen Wald die letzte Frau als Hexe verbrannt?", fragt Erös provokant. Etwas nüchterner formuliert es Wissenschaftlerin Maaß: "Auch die deutsche Frauenbewegung hat 100 Jahre gedauert."

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In der Praxis hängt das Schicksal der Afghaninnen kaum von ihrer politischen Gleichberechtigung ab. (© AFP)

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Die Gleichberechtigung in Afghanistan wird sich nicht innerhalb weniger Jahre vollziehen. Genauso wenig wie andere Völker werden sich die Afghanen ihre Werte von außen diktieren lassen. Maaß setzt auf Entwicklung von innen. "Seit 2002 treten immer mehr ganz starke afghanische Frauen ins Rampenlicht, hier hilft auch die politische Frauenquote. Sie verändern allein durch ihre Existenz etwas. Diese Frauen werden über Generationen die afghanische Gesellschaft von innen heraus verändern."

Das Coverbild des Time Magazine hält Maaß in Verbindung mit der Aussage "Was passiert, wenn wir abziehen" für eine unzulässige Instrumentalisierung. Die Expertin betont: "Internationale Soldaten sind nicht nach Afghanistan geschickt worden, um Frauenrechte zu schützen." Im Afghanistankrieg werden Frauen als Feigenblatt missbraucht. Gekämpft wird nicht wegen ihnen - und auch nicht für sie.

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  1. Ein Feigenblatt für den Krieg
  2. "Afghanischen Frauen fehlt nicht nur die Nase"
  3. Sie lesen jetzt Nicht wegen den Frauen und nicht für sie
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(sueddeutsche.de/gba)