Frauen in der NPD "Ich denke gesund und normal"

Ihre Auffassung von nationaler Weiblichkeit hat Schüßler in ein Konzept gepresst, "aggressive Fruchtbarkeit" genannt. Es hat mit kurzen Röcken, Lippenstift, positiver Sexualität und Gebärfreude zu tun. Damit, dass Frauen Aufmerksamkeit von Männern brauchen und sie sich offensiv einholen. Und mit dem Beruf Mutter, für den sich Frauen entscheiden sollten.

560.660 Menschen haben bei der Bundestagswahl NPD gewählt - andere rechtsextreme Parteien, darunter die Dortmunder Neugründung Die Rechte, konnten weitere Stimmen holen. Der deutsche Verfassungsschutz geht von 22.150 Personen aus, die zum "rechtsextremistischen Spektrum gehören". Etwa 20 bis 35 Prozent von ihnen sind weiblich. Etwas mehr als 7000 sind Mitglied einer Partei - oft sind es die älteren, ruhiger gewordenen Rechten. Menschen, die wie Schüßler peinlich genau darauf achten, keine Anglizismen zu verwenden und sich als friedliebende Patrioten inszenieren. In der Szene der Freien Kameradschaften, zu denen Charlotte K. gehört, ist es egal, ob jemand englischen Hip-Hop oder Heimatmusik mag. Schüßler dagegen spricht von Ökologie. Was sie nie sagt, ist "Umwelt". "Mitwelt" sei das korrekte deutsche Wort, der Mensch lebt ja mit der Natur.

Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen ist nicht viel mehr als eine Stilfrage. Auch Schüßler weiß, dass der Kampf, den sie auf den Podien kämpft, auf der Straße weitergeht. Es war eine Kollegin vom Ring Nationaler Frauen, die vor einigen Wochen die Proteste gegen das Asylbewerberheim im Berliner Bezirk Hellersdorf mit angestoßen hat. Schüßler befürwortet das, "zu hundert Prozent".

Sie sagt auch, was sie vom deutschen Umgang mit Konzentrationslagern hält, "hier wird unabhängige Forschung verboten", welche Frau für sie ein Vorbild ist, "Beate Uhse, die als Kampfpilotin geflogen ist und später sehr erfolgreich war" und wie sie in einem Staat, den sie ablehnt, an Fördergeld für Familienfreizeiten kommt.

"Früher hätte ich gesagt, ich denke national"

Nachmittagssonne fällt auf ihr Gesicht, Sigrid Schüßler lehnt sich gegen die Wand, schaut herausfordernd in die Kamera. Ihre jüngste Tochter rennt zu ihr. "Nein, Wenke, jetzt nicht!" Wenke klammert sich an sie. Schüßler sieht ein, dass sie erklären muss: "Wenke, du kannst nicht aufs Foto, das ist für die Zeitung. Und Papa schimpft, wenn du in der Feindpresse bist."

Falko Schüßler und Sigrid Schüßler sind seit einiger Zeit offiziell getrennt. Sie will wenig über ihn sprechen. Aber nicht nur deshalb. Falko Schüßler war Mitglied der 1994 verbotenen Wiking-Jugend, der Nachfolgeorganisation von Hitlerjugend und dem Bund Deutscher Mädel. Auch die Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei, deren Bayern-Vorsitzender er war, wurde bald darauf verboten. Aus dieser Zeit stammen Ermittlungspapiere gegen ihn, illegaler Waffenbesitz, und Fotos von einer Demonstration in Aschaffenburg, die Schüßler mit Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe zeigen - zufällig, wie er beteuert.

Im Garten ist es kühler geworden. Die Mädchen jammern, sie haben Hunger, wissen nichts mit sich anzufangen. Sigrid Schüßler serviert noch einmal Leitungswasser, redet über das Theater, die linke Szene, die sie jahrelang voller Abneigung beobachtet hat, über Österreich, wo alles ein bisschen besser ist und ihren Lieblingssänger Hubert von Goisern. "Aber brenna tuats guat" singt sie. Und jetzt, wo ihr jemand zuhört, erzählt sie noch, wie sehr sie Schiller mag und wie gern sie als Hexe Ragna Kinderprogramm gemacht hat - bevor sie als rechtsextrem geoutet wurde und keine Aufträge mehr bekam. Fragen nach ihrem Mann beantwortet sie weniger gern. Eines sagt sie dann doch: "Er findet gut, was ich mache."

Sigrid Schüßler steht vor ihrem Haus, sucht nach einem Satz, der die letzten zwei Stunden auf den Punkt bringt. Schließlich sagt sie: "Früher hätte ich gesagt, ich denke national. Heute würde ich einfach sagen, ich denke gesund und normal." Sie winkt freundlich, dann ist die Tür zu.