Frauen im Beruf Und die Männer können wieder Lehrer werden

Obwohl Frauen immer noch weniger verdienen als Männer, kommen sie voran: Acht Prozent der Vorstände der Dax-Konzernen sind bereits weiblich. Dieser Aufstieg der Frauen bringt gesellschaftliche Veränderungen mit sich, die auch die Berufswelt der Männer durcheinander bringen könnten.

Ein Kommentar von Alexandra Borchardt

Acht Prozent, das klingt nach wenig. So hoch ist der Anteil der Frauen an den 193 Vorstandsmitgliedern in Deutschlands Dax-Konzernen. Es bedeutet aber viel, denn binnen zwei Jahren hat sich damit die Zahl der Frauen in den Topetagen dieser Unternehmen verfünffacht. Nicht zuletzt die Diskussion um die Quote hat den Prozess beschleunigt.

Nun sagen ein paar Einkommensmillionärinnen mehr nichts über das generelle Vorankommen von weiblichen Führungskräften aus. Schließlich verdienen Frauen in Deutschland immer noch 22 Prozent weniger als Männer, weil sie häufiger in Teilzeit oder in schlecht bezahlten Berufen arbeiten. Schlimmer: Mäßig bezahlte Jobs, Beispiel Grundschullehrerin, sind mittlerweile ausschließlich Frauendomänen. Frauen machen dort besonders schnell Karriere, wo sich Ansehen, Arbeitsbedingungen und Gehälter verschlechtern - Beispiel Ärztin.

Allerdings sind die Dax-Konzerne nur der sichtbarste Teil der Wirtschaft. Auch in weniger prominenten Unternehmen steigen mehr Frauen auf. Damit steigen ihre Chancen, mit ihren Gehältern ihre Familien ernähren zu können. Dies hat gesellschaftliche Folgen. Denn irgendwann werden es sich mehr Männer leisten, ihren Beruf aus Idealismus oder nach Neigung, nicht nach Bezahlung zu wählen. Mehr Frauen in Dax- und anderen Chefetagen, das könnte langfristig auch mehr Grundschullehrer bedeuten.