Französischer Botschaftskandidat Diplomat im Vatikan, ledig, schwul

Diplomat mit langjähriger Erfahrung - und schwul: Laurent Stefanini, der bisherige Protokollchef von François Hollande

(Foto: imago/PanoramiC)
  • Laurent Stefanini, Top-Diplomat und Protokollchef im französischen Außenministerium, soll neuer Botschafter im Vatikan werden.
  • Allerdings hat er den Posten noch nicht angetreten: Berichten zufolge soll der Vatikan Vorbehalte gegen Stefanini hegen. Dieser ist offen schwul.
  • Widerstand gegen die Ernennung gibt es auch in Frankreich.

Frankreich stellt Toleranz der Kirche auf die Probe

Homosexuelle können die christliche Gemeinschaft bereichern! Seit seinem Amtsantritt bricht Papst Franziskus Verkrustungen der katholischen Kirche auf, es fallen Aussagen, die man der Institution noch bis vor Kurzem nicht zugetraut hätte.

Nun stellt Frankreich die neue Toleranz auf die Probe: Bereits im Januar ernannte der Ministerrat Laurent Stefanini zum neuen Botschafter im Zwergstaat Vatikan, die letzte absolute Monarchie in Europa. Zum 1. März schied Stefaninis Vorgänger Bruno Jouvert aus, seither ist der Posten vakant. Denn die Kurie hat der Personalie Stefaninis noch nicht zugestimmt.

Dabei bringt Stefanini langjährige Erfahrungen als Diplomat mit: Seit 2010 ist er der Protokollchef im Außenministerium, vorher befasste er sich mit umweltpolitischen Themen. Das dürfte auch einer der Gründe sein, weshalb Frankreichs Präsident François Hollande ihn gerne im Vatikan sähe: Im Dezember findet in Paris der Weltklimagipfel statt. Und Hollande hofft, dass Stefanini den Papst als Unterstützer für umweltpolitische Belange gewinnen könne, berichtet der konservative Figaro.

Spekulationen um Vorbehalte gegen Homosexualität

Zunächst braucht Hollande allerdings die Unterstützung der Kurie. In mehreren Medienberichten wird spekuliert, dass diese Vorbehalte gegen Stefanini wegen seiner sexuellen Orientierung hegt: Der Franzose ist schwul. Die französischsprachige Schweizer Webseite BlastingNews.com berichtete, dass der Pariser Erzbischof, Kardinal André Vingt-Trois, Papst Franziskus schriftlich um Zustimmung gebeten haben soll. Allerdings hätten mehrere Mitglieder der Römischen Kurie ihr Unbehagen ausgedrückt, sie sollen die Nominierung als "Provokation" eingeschätzt haben.

Denn trotz der neuen Töne, die sich in dem Zwischenbericht zur Familiensynode im vergangenen Jahr finden, bleibt die Haltung unverändert: Die katholische Morallehre verurteilt praktizierte Homosexualität.

Auch in Frankreich gibt es Kritik an der Entscheidung: Mehrere französische Katholiken, die der Bewegung "La Manif pour tous" nahe stehen, lehnen die Ernennung ab, sprechen ebenfalls von einer Provokation. In Paris hatte die Vereinigung 2013 Massenproteste organisiert, nachdem Hollande ein Gesetz zur Homoehe gebilligt hatte.

Bereits im Jahr 2008 scheiterte ein französischer Kandidat

Schon einmal versuchte Frankreich, einen Schwulen in den Vatikan zu schicken. Und zwar im Jahr 2008, also noch unter Papst Benedikt XVI., der vormals als Kardinal Ratzinger Homosexualität als "Anomalie" verurteilt hatte. Es handelte sich dabei um den Diplomaten Jean-Loup Kuhn-Delforge, Frankreichs früherer Botschafter in Bulgarien.

Der Vatikan lehnte die Personalie ab, allerdings offiziell nicht wegen seiner sexuellen Orientierung, sondern weil es ein Problem mit seinem "persönlichen Profil" gegeben habe. Kuhn-Delforge lebte in einer sogenannten Pacs, einer eingetragenen Partnerschaft, wie sie in Frankreich möglich ist. Auch Kandidaten anderer Staaten waren bereits am Vatikan gescheitert, weil sie geschieden oder wiederverheiratet waren.

Laurent Stefanini ist übrigens ledig.