François Fillon Neuer Skandal für den Saubermann der französischen Konservativen

Fillon kämpferisch bei einer Wahlkampfveranstaltung am Sonntag.

(Foto: AFP)
  • Der französische Präsidentschaftskandidat der Konservativen wird verdächtigt, seiner Ehefrau einen fiktiven Job auf Staatskosten beschafft zu haben.
  • Medien berichten außerdem, François Fillon sei in eine Affäre um schwarze Kassen für Senatoren verstrickt und habe unrechtmäßig Gelder erhalten.
  • Für ihn sind solche Vorwürfe besonders pikant, da er sich im Wahlkampf als besonders korrekt und aufrichtig präsentiert.

"Man wird mich nicht einschüchtern", sagte François Fillon am Sonntag vor etwa 15 000 Anhängern bei einem Wahlkampfauftritt in Paris. Der französische Präsidentschaftskandidat der Konservativen zeigte sich kämpferisch und reagierte damit auf zuletzt publik gewordene Vorwürfe.

Medien berichteten am Wochenende, der Politiker sei in eine Affäre um schwarze Kassen für konservative Senatoren verstrickt und habe womöglich unrechtmäßig Gelder erhalten. Das ist bereits der nächste mögliche Skandal, Fillon ist schon durch den Vorwurf einer Scheinbeschäftigung seiner Ehefrau in die Schlagzeilen geraten. Er bezeichnete die Vorwürfe als politisch motiviert. Er werde die Republikaner trotz des "Gegenwinds" zum Sieg bei der Präsidentschaftswahl führen, betonte er in Paris.

Für Fillon sind solche Vorwürfe besonders pikant, schließlich hat er sich im Wahlkampf das Image des Saubermanns verpasst. Er gilt als korrekt, katholisch, konservativ - und als Favorit im Rennen um die Präsidentschaft. Bisherigen Umfragen zufolge dürfte er neben der Rechtsextremen Marine Le Pen in die Stichwahl im Mai einziehen und dabei klar gewinnen.

25 000 Euro in die eigene Tasche gesteckt?

Dass nun die Zeitung Journal du Dimanche berichtet, der heutige Präsidentschaftskandidat habe in seiner Zeit als Senator von 2005 bis 2007 sieben auf seinen Namen ausgestellte Schecks über insgesamt etwa 21 000 Euro erhalten, lässt seine Chancen sinken. Auch das Enthüllungsportal Mediapart berichtet, Fillon habe sich einen Teil der Gelder, die eigentlich für die Bezahlung seiner Assistenten bestimmt gewesen seien, "in die eigene Tasche gesteckt". Die abgezweigten Gelder belaufen sich demnach auf bis zu 25 000 Euro. Fillons Umfeld wollte die neuen Vorwürfe am Sonntag unter Verweis auf laufende Ermittlungen der Justiz nicht kommentieren.

Erst am Mittwoch hatte die Enthüllungszeitung Le Canard Enchaîné berichtet, der Konservative habe seine Frau in seiner Abgeordnetenzeit als parlamentarische Mitarbeiterin beschäftigt. Penelope Fillon soll demnach über die Jahre an die 500 000 Euro an Staatsgeldern bekommen haben, ohne jemals tatsächlich gearbeitet zu haben. Die Staatsanwaltschaft eröffnete Vorermittlungen wegen des Verdachts der Veruntreuung öffentlicher Gelder.

Fillons Image des Saubermanns in der Öffentlichkeit hat das bereits geschadet: 61 Prozent der Franzosen haben einer Umfrage für den Sender France-Info zufolge eine schlechte Meinung von Fillon, nur ein Drittel hält ihn für ehrlich. ​

Bei dem Auftritt in Paris wurde der Präsidentschaftskandidat von seiner Frau begleitet. Für beide gab es Standing Ovations, immer wieder wurden "Penelope, Penelope"-Sprechchöre angestimmt.

Fillons Phantom-Assistentin

Die Frau des französischen Präsidentschaftskandidaten hat ein üppiges Gehalt aus der Staatskasse erhalten - möglicherweise für einen fiktiven Job. Von Christian Wernicke mehr...