Von Stefan Ulrich, Paris

François Hollande nimmt in seinem Wahlprogramm Reiche und Banken aufs Korn. Damit gewinnt der Präsidentschaftskandidat der französischen Sozialisten an Profil - und Zustimmung.

François Hollande ist der Umfragefavorit für die französische Präsidentschaftswahl im Frühjahr. Doch bislang hatte er zwei Probleme: sein Image und sein Programm. Das erste löste er am Sonntag. Bei einer Massenveranstaltung in Le Bourget bei Paris trat der 56 Jahre alte Sozialist so schwungvoll, ja charismatisch auf, dass die Zweifel an seinem angeblich schwammigen Charakter verstummten.

Francois Hollande, Socialist Party candidate for the 2012 French presidential election, delivers a speech in Paris Bild vergrößern

Umfragefavorit für die Präsidentschaftswahl in Frankreich: Der Sozialist François Hollande während einer Rede in Paris. (© Reuters)

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Das zweite Problem packte Hollande am Donnerstag an. Er präsentierte im "Maison des Métallos", einem mythenreichen früheren Gewerkschaftsbau, sein Wahlprogramm. "60 Engagements für Frankreich", nennt er es und verspricht: "Ich werde alles erfüllen."

Die Lage des Herausforderers von Nicolas Sarkozy ist einfach und schwierig zugleich. Sarkozy ist so unbeliebt wie selten ein französischer Staatschef zuvor, und die Wirtschaftslage im Land ist deprimierend. Das nährt den Wunsch nach dem Wechsel und treibt den Sozialisten Wähler zu. Zugleich ist die Situation so ernst, dass Hollande keinen klassisch linken Verteilungswahlkampf mit wohlfeilen Versprechen einer rosaroten Zukunft führen kann. Die Franzosen würden ihm nicht glauben. Der Kandidat muss also die richtige Mixtur aus Hoffnung und Realismus verkörpern. Mit seinen 60 Punkten versucht er das nun.

Der Sozialist will - Barack Obama lässt grüßen - vor allem eine gerechtere Gesellschaft schaffen, indem er das Steuersystem umkrempelt, die Reichen stärker belastet, Normalverdiener entlastet und den Armen mehr hilft. "Es ist nicht einzusehen, dass ein Arbeiter mehr Steuern auf seinen Lohn zahlt, als ein Pensionär auf hohe Einkünfte aus seinem Vermögen", sagt er.

Auch die Finanzwelt will er härter anpacken. Sie - und nicht Sarkozy - sei sein Hauptgegner. Bislang sei es nicht gelungen, die Märkte zu zähmen. Der Kandidat möchte Anlagebanken von Investmentbanken trennen, die Kreditinstitute von Steueroasen fernhalten, Boni-Zahlungen regulieren und eine europäische Rating-Agentur schaffen. Viel Unterstützung sollen die kleinen und mittleren Unternehmen bekommen, der an Deutschland so bewunderte Mittelstand. Zudem soll eine öffentliche Investitionsbank die Wirtschaft ankurbeln.

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