Frankreichs Präsident nach Terror in Paris Hollande im Hoch

Kann sich über steigende Zustimmungswerte freuen: Präsident Francois Hollande, hier beim Trauermarsch für die Opfer der Pariser Terroranschläge neben Jordaniens Königin Rania.

(Foto: dpa)

Nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo und einen jüdischen Supermarkt verbessert sich das Ansehen des französischen Präsidenten Hollande und seiner Regierung. Besonderen Zuspruch bekommt ein Parteifreund des Staatschefs - der ihn politisch beerben könnte.

Von Stefan Ulrich

Der französische Präsident François Hollande und sein Premier Manuel Valls erleben die wohl schwersten Stunden, seit sie im Amt sind. Doch immerhin dürfen sie sich von der öffentlichen Meinung getragen fühlen - endlich. Bis vor Kurzem waren die Beliebtheitswerte für Hollande geradezu lachhaft niedrig.

So erklärten im November in einer Erhebung des Journal du Dimanche lediglich 13 Prozent der Franzosen, sie seien zufrieden mit dem Mann im Élysée-Palast. Auch dessen ursprünglich populärer Premier wurde in den Abwärtssog gezogen. Doch nun hat sich die Stimmung radikal gedreht.

In einer Umfrage des Instituts Odoxa für die Zeitung Parisien sagten vier von fünf Befragten, Hollande und Valls hätten gut auf die Terroranschläge von vergangener Woche reagiert. Immerhin 29 Prozent fanden, Hollande sei allgemein ein guter Präsident; und 53 Prozent gaben an, Valls sei ein guter Premierminister.

Dabei erfolgte die Umfrage noch vor der famosen Rede, die Valls am Dienstag in der Nationalversammlung hielt. Der Regierungschef appellierte dabei an Gefühl und Vernunft zugleich und schaffte es, praktisch das ganze Haus samt Opposition für sich einzunehmen.

Vier Mal erhielt der Ministerpräsident bei seiner Ansprache über den Terror und die Folgen Ovationen im Stehen, zum Beispiel, als er sagte: "Ich möchte nicht, dass in unserem Land die Juden Angst und die Muslime Scham empfinden."

Frankreich sei im Krieg gegen den radikalen Islamismus, aber nicht gegen den Islam. Und in diesem Kampf werde der Staat zwar entschlossen vorgehen, dabei aber die rechtsstaatlichen Prinzipien und freiheitlichen Werte achten.

Ein gestelltes Foto darf Geschichte schreiben

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Das alles kam sehr gut an und brachte Valls jetzt höchstes Lob von allen Seiten ein. Sein Parteifreund und Vorgänger als Premier, Jean-Marc Ayrault, sprach von "einer dieser großen Reden, die die Geschichte der Nationalversammlung prägen wird".

Die sonst kritischen Grünen lobten, der Regierungschef handle in der Sicherheitspolitik mit Augenmaß. Christian Jacob, der Fraktionschef der oppositionellen UMP, sprach von "sehr lobenswerten Absichten, in denen wir uns wiederfinden". Enthusiastisch gab sich Yves Jégo vom zentristischen Parteienbündnis UDI: "Der Premier hat den Mut gehabt, die universellen republikanischen Werte zu verkörpern."

Valls gehört zum rechten Flügel der Sozialisten, weshalb er schon früher auch auf Oppositionsseite geschätzt wurde. Falls Hollande bei der Präsidentschaftswahl 2017 nicht mehr antritt, könnte Valls der Kandidat der Sozialisten werden. Den nötigen Ehrgeiz hat er.