Frankreichs Sozialisten wollen sich auf ihrem Parteikongress auf einen Kandidaten für den Parteivorsitz einigen. Doch sie geraten in Gefahr, sich zu zerfleischen.
Während Nicolas Sarkozy an diesem Wochenende wieder Weltpolitik machen will, während der umtriebigste aller Präsidenten neuerdings steigende Sympathie-Werte bei den Franzosen verzeichnet, steht bei seinen Gegnern der Showdown auf dem Programm: Die französischen Sozialisten treffen sich seit Freitag in Reims zu ihrem 75. Parteikongress, und wie so oft in ihrer Geschichte steht ein Kampf aller gegen jeden bevor.
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Ségolène Royal hat ihre Kandidatur für den Parteivorsitz der Sozialisten offiziell verkünden lassen. (© Foto: dpa)
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Am Ende hoffen sie einen überzeugenden Kandidaten für die Nachfolge des bisherigen Vorsitzenden François Hollande gefunden zu haben. Doch am Eröffnungstag war dies unsicherer denn je. Das Establishment der Sozialistischen Partei ist sich lediglich darüber einig, Ségolène Royal zu verhindern.
Anti-Royal-Koalition
Außer ihr, die voriges Jahr - in allen Ehren, aber deutlich genug - als Spitzenkandidatin die Präsidentschaftswahl verlor, halten sich drei Genossen für fähig, die Partei aus dem Tal heraus zu führen. Da aber keiner eine eigene Mehrheit hat, müssen sie sich auf eine Anti-Royal-Koalition einigen. Denn die einzige Konstante in einer zerfaserten Partei ist die Bewegung, die mit "Jeder - außer Ségolène" umschrieben wird.
Das haben sie schon einmal versucht, diesmal aber vermeiden sie persönliche Angriffe. Dabei hatte Royal bei einer Probeabstimmung der Mitglieder klar vorn gelegen, wenn auch nicht mit absoluter Mehrheit. 29 Prozent hatten für ihren Programmentwurf gestimmt, während Martine Aubry und Bertrand Delanoë, Bürgermeister von Lille und Paris, nur auf jeweils 25 Prozent kamen.
Für eine Überraschung sorgte dabei der linke Europa-Abgeordnete Benoît Hamond, der mit 19 Prozent weit über den Erwartungen lag. Er ist der Einzige, der offiziell eine Kandidatur für den Parteivorsitz anstrebt, und wäre es auch nur, um Royals Einfluss zu schmälern. Delanoë und Aubry trauen sich den Posten ebenfalls zu, zieren sich aber noch, und keiner will für den anderen zurückstehen.
Royal hat zunächst gesagt: "Ich hätte wohl Lust dazu, die Partei zu führen, aber jeder weiß, dass ich keine Frau des Apparats bin. Ich bin mehr für den direkten Kontakt mit den Menschen." Am Freitag ließ sie aber ihre Kandidatur offiziell verkünden.
Lesen Sie auf der nächsten Seite: Erste Erosionen zeigen sich bereits am linken Rand der Partei.
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