Von Gerd Kröncke, Paris

Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy hat seinem Land viel versprochen. Nun ist er zwei Jahre im Amt, und zwei Drittel der Franzosen sind enttäuscht.

Die Welt hat sich an ihn gewöhnt, er hat ihr keine Wahl gelassen. Nicolas Sarkozy wurde am 6. Mai 2007 mit klarer Mehrheit zum Präsidenten gewählt, zwei Jahre danach hat sich die Weltlage gewandelt, ohne dass es ihm gelungen wäre, den Franzosen die Malaisen der großen Krise zu ersparen. Zwei Drittel von ihnen sind enttäuscht, nur ein knappes Viertel zeigt sich zufrieden.

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Nutzt und genießt seine Macht wie keiner seit Charles de Gaulle: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, hier bei seiner Rede auf dem G20-Treffen in London im April dieses Jahres. (© Foto: Reuters)

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Da aber die Meinungsumfragen auf halben Wege am Ende nicht zählen, werden ihn die Franzosen zumindest drei weitere Jahre ertragen müssen.

Außerdem sah es bei seinem Vorgänger Jacques Chirac nach dessen beiden ersten Amtsjahren kaum anders aus. Dass Sarkozy wiedergewählt wird, ist aus heutiger Sicht wahrscheinlich, weil auf der Linken kein ernsthafter Herausforderer auszumachen ist.

Nie zuvor seit Charles de Gaulle hat ein französisches Staatsoberhaupt so offen seine Macht genutzt und genossen wie Sarkozy. Das Markenzeichen "Hyper-Präsident" empfindet er als Bestätigung.

Er hat sich als eine Art Super-Premierminister erwiesen und die Mitglieder seiner Regierung sind nur die ausführenden Gehilfen seiner Politik. Niemand ist so oft im Fernsehen zu sehen wie Sarkozy, bei dem nicht auszumachen ist, wann er zur Besinnung kommt. Er lässt vor allem seine Berater für sich nachdenken.

Der Clan im Elysée-Palast erscheint als eigentliche Regierung. Der Chefberater und Generalsekretär des Elysée, Claude Guéant, dürfte mächtiger sein als die meisten Minister. Sarkozy ist immer in Aktion. Weil er alles selber entscheiden will, sind auch die Fehler der Regierung überwiegend ihm zuzuordnen. Auf diese Weise hat sich Sarkozy zu einer Hass-Figur der Opposition entwickelt.

Dutzende Reformen hat der Präsident verkünden lassen, aber die große Tat für die Geschichtsbücher war noch nicht dabei. Präsident François Mitterrand hatte die Todesstrafe abgeschafft, Chirac die allgemeine Wehrpflicht aufgehoben.

Vielleicht bleibt von Sarkozy, dass er Frankreich zurück in die Nato führte und damit eine Doktrin von de Gaulle aufhob. Vor dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten hatte sich Sarkozy als wichtigster Führer der westlichen Welt gesehen. Die Rolle hat nun Barack Obama besetzt.

Zwar gibt es ein paar Pluspunkte, die der Präsident für sich verbuchen kann, aber die haben wenig Auswirkung auf das innenpolitische Klima und sein Ansehen bei den Franzosen. Die französische EU-Präsidentschaft war, wie selbst Gegner einräumen, kein Misserfolg. Sarkozys Vermittlung im Georgien-Konflikt galt als gelungen.

Am liebsten hätte er sich auf Dauer als eine Art europäischer Präsident installiert. Dass die deutsche Kanzlerin ihm eine zuverlässige Bundesgenossin ist, wird in Paris eingeräumt. Doch mit seinem Vorstoß, eine europäische Wirtschaftsregierung zu schaffen, ist er in Berlin nicht durchgedrungen. Das hat den Präsidenten nicht gehindert, den Gedanken bei seinem Besuch vorige Woche in Spanien erneut vorzutragen.

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