Von Michael Kläsgen

100 Tage ist Frankreichs Präsident Sarkozy nun im Amt und beherrscht die Titelseiten der französischen Presse. Doch die Wirtschaft lahmt - und die Lobeshymnen über "Super-Sarko" weichen allmählich distanzierteren Urteilen.

Seit 100 Tagen ist er nun Präsident, und natürlich beherrscht er wieder die Titelseiten der französischen Wochen- und Tagespresse. Daran ist nichts ungewöhnlich. Nicolas Sarkozy ist in den Medien allgegenwärtig, und zwar nicht erst seit seinem Amtsantritt. In diesen Tagen jedoch sind sogar in der französischen Presse die dissonanten Töne in dem eben noch fast einstimmigen Chor der Lobeshymnen nicht zu überhören.

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Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy. (© Foto: AP)

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"Jetzt wird's schwierig", titelte die größte Boulevardzeitung Le Parisien am Donnerstag und selbst der sonst so treue Figaro hat auf seiner ersten Seite eine harte Nuss ausgemacht und fragt, wie der "Hyperpräsident" seine geplante Mehrwertsteuererhöhung nach der Sommerpause durchbringen soll.

"Super-Sarko" ist kein Magier

Steuererhöhung? So nennt das in der Regierung selbstverständlich niemand. Aber leider lahmt die Wirtschaft, und irgendwie wollen die großzügigen Ausgaben nach der Wahl finanziert werden. Das hat sich inzwischen auch bei den Franzosen herumgesprochen, die gewahr werden, dass auch "Super-Sarko" trotz seines an den Tag gelegten Aktivismus kein Magier ist. Die Umfragewerte sind zwar denen von de Gaulle ebenbürtig, aber im Sinken begriffen.

Seine Popularität hat er vor allem der Kommunikations- und Personalpolitik zu verdanken. Die Regierung für Linke und ehemalige Kritiker zu öffnen, glich einem Geniestreich. Bernard Kouchner machte er zum Außenminister, was zur Zermalmung der Sozialistischen Partei beitrug. Rachida Dati stieg unter ihm zur ersten Ministerin maghrebinischer Herkunft auf.

Solange ich regiere, erhält jeder seine Chance zum sozialen Aufstieg, sollte das heißen. Die im Senegal geborene Rama Yade ernannte er zur Staatssekretärin für Menschenrechte - ein Signal an die aus Afrika stammende Bevölkerung. Die Liste der Schachzüge ließe sich weiterführen.

Die Enarchen sind verstimmt

Hinter der Strategie verbirgt sich ein offenherzig praktizierter Kommunitarismus, nämlich der Glaube, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Bevölkerungsgruppe qualifiziere für eine Position. Das widerspricht zwar dem republikanischen Gleichheitsgedanken, die Taktik kommt aber an. Die Mehrheit der Bevölkerung sieht sich von Sarkozys Regierung repräsentiert. Und er ist sein Image los, ein Spalter und Scharfmacher zu sein.

Nur die Enarchen, die ungeliebten, weil volksfernen Absolventen der Eliteschule Ena, die jahrzehntelang Regierungsposten besetzten, sind verstimmt. Sie bedachte er nicht ausreichend. Unbeförderten Parteisoldaten aus Sarkozys UMP geht es ebenso. Doch sind sie zu schwach, um am Präsidentenstuhl zu wackeln.

Unangefochten hält Sarkozy in fast napoleonischer Manier die Zügel in der Hand. Neben ihm hat kein Minister etwas zu melden. Darin besteht der eigentliche Bruch zu seinem Vorgänger Jacques Chirac, der sich aus der Tagespolitik heraushielt, seine Premierminister Fehler machen ließ und sie anschließend auswechselte.

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