Nach der Nationalversammlung hat auch der französische Senat den Vertrag von Lissabon zur Reform der Europäischen Union mit überwältigender Mehrheit angenommen.
Drei Jahre nach dem klaren Nein der Franzosen bei einem Referendum zur EU-Verfassung hat das französische Parlament den EU-Reformvertrag mit der großer Mehrheit gebilligt. Nach Angaben des Élysée-Palastes will Präsident Nicolas Sarkozy den Vertrag schnell ratifizieren.
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Nach der Nationalversammlung stimmte heute auch der Senat dem Vertrag von Lissabon zu, der die wesentlichen Reformen der EU-Gremien und der Abstimmungsregeln aus der gescheiterten Verfassung übernimmt. 2005 hatte das Nein der Franzosen die EU in eine tiefe Krise gestürzt. Sarkozy hatte im Präsidentschaftswahlkampf im vergangenen Jahr bei den Franzosen für einen "vereinfachten Vertrag" als Ersatz geworben. Die Ratifizierung durch ihn selbst oder Regierungschef François Fillon ist nun nur noch eine Formsache.
"Mit diesem Votum ist Frankreich heute wirklich nach Europa zurückgekehrt", sagte der französische EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot in Brüssel. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso würdigte die Zustimmung als "starkes Zeichen" für Frankreichs Willen zur Modernisierung der EU-Institutionen. Paris zeige sich entschlossen, sich ganz vorne in Europa zu engagieren, erklärte Barroso, und begrüßte den "europäischen Ehrgeiz" Sarkozys.
Im Juli übernimmt Frankreich die EU-Ratspräsidentschaft. Anders als beim Referendum im Mai 2005 wurde die Ratifizierung von keiner breiten öffentlichen Debatte begleitet. Im Parlament stemmten sich vor allem die wenigen Kommunisten gegen den Vertrag und sorgten für einen zeitweise heftigen Schlagabtausch. Die Sozialisten votierten bei vielen Enthaltungen und einigen Nein-Stimmen mehrheitlich mit Ja.
Den "Ängsten und Erwartungen" Rechnung tragen
Am Ende stimmten in der Nationalversammlung 336 Abgeordnete dafür und nur 52 dagegen; im Senat war die Mehrheit mit 265 Ja- zu 42 Nein-Stimmen ebenfalls eindeutig. "Das ist ein großer Erfolg", sagte Außenminister Bernard Kouchner. "Die ganze politische Bandbreite hat ihre Haltung ausgedrückt. Und wir brauchen diese Vielfalt für den Aufbau Europas." Premierminister Fillon betonte, der Vertrag sei im Juni 2007 "dank des entschlossenen Engagements" von Sarkozy an der Seite der damaligen EU-Ratspräsidentin Angela Merkel auf den Weg gebracht worden.
Der neue Vertrag trage nun "vollkommen den Ängsten und Erwartungen" Rechnung, die von den Franzosen 2005 beim Referendum zum Ausdruck gebracht worden seien. Die Opposition hatte in der Debatte dagegen bis zum Schluss vergeblich eine erneute Volksabstimmung über die EU-Reform gefordert.
Vertrag ohne Symbole
Am Montag hatten die Abgeordneten extra die Verfassung geändert, um eine parlamentarische Ratifizierung zu ermöglichen. Dabei hatten die Sozialisten wie beim Referendum 2005 keine einheitliche Linie gefunden. Der Vertrag von Lissabon soll 2009 in Kraft treten. Er erweitert den Bereich der Mehrheitsentscheidungen, stärkt das Parlament und führt einen hauptamtlichen Ratspräsidenten ein. Zudem wird die Stellung des EU-Außenvertreters gestärkt.
Anders als die gescheiterte Verfassung verzichtet der Vertrag auf die EU-Symbole Hymne und Flagge. Frankreich ist das erste "große" EU-Land, das den Vertrag von Lissabon ratifiziert. Zuvor hatten dies bereits Rumänien, Ungarn, Malta und Slowenien getan, das derzeit dem Ministerrat vorsitzt. Österreich dürfte im April, Deutschland im Mai folgen. Nur Irland muss laut Gesetz zur Ratifizierung ein Referendum abhalten.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Außenansicht Hässlich, aber nützlich 14.12.2007
(dpa/AFP/ihe)
...sondern auch in Frankreich. Dabei haben sie doch gegen die EU-Verfassung gestimmt.
Aber wir dürfen ja nicht einmal abstimmen. Es könnte dabei so etwas wie Demokratie entstehen. Damit wollen uns unsere Politiker nicht belasten.
Danke
Michael
Im letzten Absatz im zweiten Satz sollte es "die jetzige Situation" heißen...
Dass man extra die Verfassung ändert (das kann man eigentlich gar nicht groß genug schreiben), um eine erneute Volksabstimmung zu verhindern, zeigt doch, dass die Politik kein Vertrauen in seine Wähler hat.
Dabei glaube ich, dass auch die so nationalstolzen Franzosen einem europäischen Verfassungsvertrag zustimmen würden, wenn dieser ein Europa der Bürger festschreiben würde, ein Europa, welches demokratischen Grundregeln folgt.
Das kann man auch bei dem aktuellen Vertrag nicht behaupten! Es handelt sich schlicht um den selben schlechten Verfassungsvertrag, aus dem nur ein bisschen Symbolik herausgestrichen wurde. Er ist weiterhin neoliberal gibt den uundemokratischen Gremien (Kommision, Ministerrat) zu viel Macht. Dass hier und da mal ein Brocken fürs Parlament abfällt, dient nur dazu, die Kritiker ruhig zu stimmen.
Dieser Vertrag darf nicht durchkommen! Er ist zwar geringfügig besser als die jetzige Version, aber wenn er einmal angenommen ist, wird er wahrscheinlich über Jahrzehnte nicht mehr grundlegend geändert. Ein erneutes Scheitern würde Europa vielleicht in eine Kriese stürzen, aber lieber ein richtiges reinigendes Gewitter (Welches Europas Politiker zu verantworten haben!) und dann in 5-8 Jahren eine gute Verfassung, als weiter jetzt eine halbgaren Vertrag festzuschreiben!
Und so wurde die Verfassung nur ein wenig umgemodelt. Zuvor hatten die Franzosen das Werk immerhin noch in die Hand bekommmen, lesbar - daraus ergibt sich die Volksabstimmung.
Auch uns Deutschen liegt der vertrag von Lissabon nicht vor. Wie Stuergesetzgebung ein fortgeschriebenes Gewirr von Versionen.
Aufgabe der Medien UND DER PARTEIEN ist die Information. Es ist ein Unding, daß otto Normalverbraucher nicht nachlesen kann, was seine rechte und Pflichten sein sollen - geschweige denn darüber abstimmen.