Angesichts der andauernden Krawalle hat Paris vor dem Fußball-Länderspiel gegen Deutschland die Sicherheitsvorkehrungen verschärft: Für die Pariser Innenstadt gilt seit dem Vormittag ein Versammlungsverbot.
Das Versammlungsverbot galt nach Angaben der Präfektur bis Sonntag um 08.00 Uhr, wobei der öffentliche Nahverkehr, die Vorortzüge nach Paris und auch das Stade de France wegen des Freundschaftsspiels Deutschland - Frankreich am Abend besonders scharf bewacht wurden.
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Einfach nur ein gutes Fußballspiel anschauen und die Unruhen vergessen - das wärs. (© Foto: AFP)
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In der Nacht zu Samstag gab es im ganzen Land erneut schwere Unruhen, in deren Verlauf nach Polizeiangaben 502 Fahrzeuge in Brand gesetzt und 206 mutmaßliche Unruhestifter festgenommen wurden.
Rund 2000 zusätzliche Polizisten wurden nach Paris entsandt, in die Stadt führende Métro- und Regionalzüge wurden verstärkt überwacht. Aus Sorge vor weiteren Krawallen galt für die Pariser Innenstadt von Samstag 10.00 Uhr bis Sonntag 08.00 Uhr ein Versammlungsverbot.
Bei Verstößen drohen bis zu zwei Monaten Gefängnis und 3750 Euro Bußgeld. Das Verbot war erlassen worden, nachdem im Internet und per SMS für Samstag Aufrufe zur Gewalt im Stadtzentrum erschienen waren.
Das Stade de France, wo das Länderspiel ausgetragen wird, liegt im Departement Seine-Saint-Denis am nördlichen Stadtrand von Paris. Zu dem Viertel gehört auch der Vorort Clichy-sous-Bois, wo die Unruhen vor gut zwei Wochen nach dem Tod von zwei Jugendlichen begonnen hatten. Die Jungen hatten sich vor der Polizei in einem Transformatorenhäuschen versteckt und tödliche Stromschläge erlitten.
In den folgenden Nächten errichteten Jugendliche Barrikaden, setzten Müllcontainer und Autos in Brand und zerschlugen Schaufenster. Von der Hauptstadtregion aus breiteten sich die Unruhen über das ganze Land aus. Während es in der Region Paris in der Nacht zu Samstag etwas ruhiger war, wurde in anderen Landesteilen ein Anstieg der Gewalt verzeichnet.
86 Fahrzeuge wurden im Pariser Raum durch Brandstiftung zerstört, in der Vornacht waren es noch 111 gewesen.
Aus der Provinz wurden insgesamt 416 zerstörte Fahrzeuge gemeldet, in der Vornacht waren es 352. Besonders stark betroffen waren einige Vororte der Großstädte Lyon und Toulouse. Im Westen des Landes versuchten Brandstifter, Dutzende Gebäude in Brand zu setzen. Mehr als 11.000 Polizisten waren landesweit im Einsatz.
Zwei Polizisten wurden verletzt. Einer erlitt in Saint Quentin bei der Explosion eines Molotow-Cocktails Verbrennungen im Gesicht, als er versuchte, ein brennendes Auto zu löschen.
In der südfranzösischen Stadt Carpentras warfen Unbekannte während des abendlichen Freitagsgebets zwei Brandsätze auf eine Moschee, verletzt wurde niemand. Der französische Präsident Jacques Chirac und Innenminister Nicolas Sarkozy verurteilten den Anschlag scharf.
Ein Zusammenhang mit den Jugendkrawallen im Land konnte zunächst nicht belegt werden. Seit Beginn der Unruhen am 27. Oktober wurden laut Polizei mehr als 2400 mutmaßliche Unruhestifter festgenommen, in 359 Fällen wurden Haftstrafen verhängt.
Am Samstag sollten in Toulouse und Stains bei Paris Friedensmärsche stattfinden, deren Teilnehmer zum Ende der Krawalle in den Vororten aufrufen wollten. Am Freitag hatten sich an einer von Vorstadtkomitees organisierten Kundgebung in der Nähe des Eiffelturms rund 300 Menschen beteiligt.
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(sueddeutsche.de/AFP/dpa)
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