Frankreich Entsetzen über tödliche Skinhead-Attacke in Paris

Ein junger Linksaktivist wird in Paris so schwer geschlagen, dass er stirbt. Französische Politiker bezeichnen die Tat als "politisch motiviert". Zwei rechtsextreme Gruppierungen in Frankreich weisen die Verantwortung von sich. Mehrere Personen wurden festgenommen - unter ihnen offenbar auch Anhänger der rechtsextremen Gruppe Nationalistische Revolutionäre Jugend.

Eine tödliche Skinhead-Attacke auf den jungen Linksaktivisten Clément M. in Paris hat in Frankreich über Parteigrenzen hinweg Entsetzen und Empörung ausgelöst. Staatschef François Hollande sprach von einer "abscheulichen Tat", die er "auf das Schärfste" verurteile.

Der Mann war am Mittwochabend in der Pariser Innenstadt von mutmaßlichen Rechtsextremen so brutal geschlagen worden, dass im Krankenhaus sein Hirntod festgestellt wurde.

Der Familie des bei einer Gewerkschaft und einer Antifa-Gruppe aktiven Clément M. sprach Präsident Hollande seine "Unterstützung und Solidarität" aus. Der Chef der konservativen Oppositionspartei UMP, Jean-François Copé, sprach von einer "barbarischen Aggression". Auch er forderte, "dieses grässliche Verbrechen" müsse "vollständig aufgeklärt" und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden.

Der mutmaßliche Täter wurde offenbar schon gefasst. Es seien mehrere Verdächtige festgenommen worden, unter ihnen der "wahrscheinliche Täter", sagte Frankreichs Innenminister Manuel Valls. Nach Angaben aus Polizeikreisen wurden insgesamt vier Menschen festgenommen. Einige der Festgenommenen sollen zum Umfeld des "harten Kerns" der rechtsextremen Gruppe Nationalistische Revolutionäre Jugend (JNR) gehören.

Laut Polizei schlug bei einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen in der Nähe des Bahnhofes Saint-Lazare ein Skinhead mit einem Schlagring den Linksaktivisten, dessen Alter mit 18 oder 19 Jahren angegeben wurde. Das Opfer stürzte daraufhin auf einen Poller.

"Auf einmal gab es einen Faustschlag, und der Junge ist gegen den Poller gefallen", sagte eine Augenzeugin. "Die Männer hatten rasierte Köpfe, Lederjacken und Tatoos auf dem Nacken." Die Täter konnten fliehen.

Politiker fordern Auflösung rechtsextremer Gruppen

Im dem Viertel war laut Polizei am Mittwochabend ein privater Kleidungsverkauf von bei Rechtsextremen beliebten Marken organisiert worden. Am frühen Abend sei es zwischen drei jungen Leuten aus Skinhead-Kreisen, darunter eine Frau, und einer anderen Gruppe junger Leute zu Beschimpfungen und Gerangel gekommen. Dann hätten die Skinheads den jungen Linksaktivisten geschlagen.

Innenminister Manuel Valls zufolge war die Auseinandersetzung "politisch" motiviert. Er versprach, "diese Gewalt auszulöschen, die die Prägung der extremen Rechten trägt". Einen Zusammenhang zu den Protesten gegen die Homo-Ehe in Frankreich, bei denen immer wieder gewaltbereite Rechtsextreme in Erscheinung getreten waren, wollte Valls nicht herstellen. Die Grünen und sozialistische Politiker forderten eine Auflösung rechtsextremer Gruppierungen, die immer gewalttätiger würden.

Zuvor hatte die Linkspartei (PG) von Jean-Luc Mélenchon die rechtsextreme Gruppe der sogenannten Nationalistischen Revolutionären Jugend (JNR) für die Attacke verantwortlich gemacht. JNR-Chef Serge Ayoub, wies aber zurück, dass die Täter zu seiner Gruppierung gehören. "Das ist absolut falsch", sagte er. Demnach wurden drei junge Männer und eine junge Frau, "die das Pech hatten, zu kurze Haare zu tragen", von fünf "linksextremen Aktivisten" zunächst massiv bedroht. Die Gewalt sei dann von den Linken ausgegangen.

Die Chefin der rechtsextremen Front National (FN), Marine Le Pen, wies jede Verbindung ihrer Partei zu den Tätern zurück. Die FN habe "überhaupt keine Verbindung" zu diesen "unerträglichen Taten", sagte Le Pen dem Sender RTL. Zuvor hatte ein Augenzeuge Medien gesagt, einer der Skinheads habe ein FN-T-Shirt getragen. Für den Donnerstag waren mehrere Protestkundgebungen geplant. So sollte an der Elite-Hochschule Science Po demonstriert werden, wo das Opfer studiert hatte. Die Linkspartei rief für den frühen Abend zu einer Demonstration auf.