Frankreich Nicolas Sarkozy: Mit einem Buch zurück an die Macht

Der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy unterzeichnet in Straßburg eine Ausgabe seines neuen autobiografischen Buches.

(Foto: AFP)

Frankreichs Ex-Präsident bereitet sein Comeback mit einem Buch vor. Viele Leser werfen ihm nun "Geschichtsfälschung" vor.

Kommentar von Christian Wernicke, Paris

Immerhin, seine Landsleute lesen ihn zu Tausenden. Und nicht nur Fans und devote Verehrer: Keine acht Stunden waren vergangen, seitdem Nicolas Sarkozys gedruckte Gedanken in den Buchhandlungen auslagen, da begannen auch schon die Kritiken en détail. Per Twitter bekrittelten Leser "Geschichtsfälschung", weil Frankreichs Ex-Präsident auf Seite 73 von "La France pour la vie" (etwa: "Frankreich, ein Leben lang") ein Wahlduell zwischen den US-Präsidenten Barack Obama und George W. Bush "frei erfunden" habe (tatsächlich hatte Obama 2008 gegen einen gewissen John McCain kandidiert). Und Nelson Mandela, Südafrikas Freiheitsheld, habe nicht etwa 28, sondern nur 18 Jahre auf Robben Island gesessen. Die Besessenheit, mit der Gegner sein Werk nach Patzern durchstöbern, beweist: Sarkozy lässt die Franzosen bis heute nicht kalt.

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Das Buch soll ein Bestseller werden

120 000 Exemplare hat Sarkozys Verlag in erster Auflage drucken lassen. Man hofft auf einen Bestseller. Seit Ende voriger Woche, da die konservative, dem Republikaner-Chef zutiefst ergebene Zeitung Figaro Auszüge veröffentlichte, ist das Opus Pariser Stadtgespräch.

Genau das wollte Sarkozy: Denn der Mann, der diese Woche 61 Jahre wird, kehrte Ende 2014 in die Politik zurück, um wieder ganz nach oben und zurück in den Élysée-Palast zu gelangen. Stattdessen ist er ziemlich am Boden: Abgestürzt in den Beliebtheits-Umfragen, im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur abgeschlagen hinter Konkurrent Alain Juppé muss sich Sarkozy neu erfinden.

Das versucht er nun schwarz auf weiß. Sein Buch - halb Memoiren, halb Programm - soll Leser zu einem neuen Blick auf den altgedienten Politiker verleiten. Sarkozy zeigt, ja zelebriert sogar Schwächen. Er plaudert von seiner gescheiterten Ehe mit Cécilia: Nur um die Familie zu retten, habe er sich hinreißen lassen zu "der Entgleisung", nach dem Wahlsieg 2007 seinen Urlaub auf der Privatyacht des Milliardärs Vincent Bolloré zu verleben.

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Auch der berüchtigte Ausbruch gegenüber einem Wähler, der ihm den Handschlag verweigerte ("Hau ab, du Idiot!"), sei "ein Fehler" gewesen: "Ich habe das Amt des Präsidenten herabgewürdigt." Sarkozy, der Phönix: Er streut Asche auf sein Haupt - und hofft auf seine zweite Chance bei den Wahlen 2017.

Insgesamt 27 politische Irrungen und Wirrungen zählte der Figaro auf. Vor allem wirft sich das frühere Staatsoberhaupt vor, nicht zu Beginn der Amtszeit einschneidende Reformen gewagt zu haben: An der 35-Stunden-Woche habe er zu zaghaft gerüttelt, auch die Vermögensteuer habe er zu wenig angetastet: "Ich entschied mich für Lösungen, die mir akzeptabler erschienen."

"Ich hätte mehr tun sollen"

Sarkozy, der Zauderer? Der Autobiograf nutzt die Reue über eigene Fehler, um nebenbei François Fillon - einem Konkurrenten im Rennen um 2017 - eins auszuwischen: Sein damaliger Premier habe ihn ständig ermahnt, die Franzosen nur nicht mit seinem Reformeifer zu überfordern.

Das Buch sei "keine Bewerbung" für eine neue Präsidentschaft. Schon gar nicht gehe es darum, die schmerzliche Wahlniederlage gegen François Hollande 2012 auszumerzen. Und doch ist durchsichtiger Zweck aller Selbstkritik, Besserung zu versprechen. So verrät der Noch-Nicht-Kandidat, er wolle - anders als früher versprochen - nicht die Homo-Ehe abschaffen. Dass er, wie 2007, auch Politiker der Opposition ins Kabinett berufen würde. Und dass er energischer denn je gegen illegale Einwanderer und Straftäter vorgehen werde.

Sarkozy weiß eines besser als alle Kritiker: "Viele denken, ich hätte 2012 verloren, weil ich zu viel getan hatte", schreibt er. "Ich denke: Im Gegenteil, ich hätte mehr tun sollen."