Präsident Sarkozy verschlankt den Regierungsapparat und bestellt ein kleines und feines Kabinett - am Ende aber wird er selbst entscheiden.
Der Präsident hält, was er versprochen hat. Nicolas Sarkozy verschlankt die Regierung - sie ist nicht länger ein aufgeblasener Apparat, sondern mit 15 Ressorts nur noch halb so groß wie unter Jacques Chirac.
Nicolas Sarkozy (© Foto: Reuters)
Anzeige
Die Parität ist gewahrt, auch wenn es noch ein leichtes männliches Übergewicht gibt. Premierminister François Fillon, belohnt für seine Loyalität in hektischer Zeit, kann mit seiner Verwaltungsarbeit beginnen.
Denn der Mann, der Sarkozys Wahlsieg gemanagt hat, ist lediglich ein Ausführender im Amtssitz des Premiers. Präsident Sarkozy bestimmt nicht nur die Richtlinien der Politik, er macht die Politik, wie er das als Minister gewohnt war.
Die Begrenzung der Ressorts war mehr als eine Geste, die für einen übersichtlicheren Staat steht. Sie macht es dem Präsidenten leichter, die Fäden in der Hand zu halten. Wenn künftig zwischen zwei Ministern zu vermitteln ist, dann wird nicht der Premierminister der Schiedsrichter sein, sondern, wo immer es von Belang ist, der Präsident selber.
Für jedes strategisch wichtige Ressort steht ihm im Elysée ein Double zur Seite. In der Außenpolitik etwa wird Sarkozy vom bisherigen Botschafter in Washington beraten. Die graue Eminenz, der Elysée-Generalsekretär Claude Guéant hat das große Ganze im Blick. Es wird mehr Chefsachen geben als unter Chirac. Sarkozy ist der eigentliche Regierungschef.
Auch ein anderes Versprechen wird er halten. Das neue Team bildet in der Tat keine klassische konservative Regierung, bei deren Aufstellung Rücksicht genommen wurde auf die verschiedenen Strömungen einer Regierungspartei. Mit seiner Öffnung zur Linken und zur Mitte nimmt Sarkozy sogar Enttäuschungen innerhalb seines Lagers hin.
Aber einen Mann wie den Sozialisten Bernard Kouchner einzubinden, der als Menschenrechtler immer die Rolle des Guten beherrschte, ist gekonnt und garantiert Applaus. Gleichzeitig ist aber schon jetzt klar, dass Sarkozy, mehr noch als Chirac, die Außenpolitik persönlich lenken will. Sie wird nicht im Außenministerium am Quai d'Orsay ausgedacht, sondern vom Elysée vorgegeben.
Der Präsident hat also Arbeitsstrukturen installiert, die sicherstellen, dass er selbst der bestinformierte Mann bleibt. Das Gleiche gilt für die Wirtschaft, auch da wird er hineinregieren, von der Innenministerin gar nicht zu reden. Es wird Konflikte geben. Sarkozy, der immer in Bewegung ist, wird sich nicht bremsen lassen. Nicht nur will er einmal im Jahr vor das Parlament treten, was ein Novum der Fünften Republik wäre, er wird auch den Brauch de Gaulles wiederbeleben und alljährlich eine grundsätzliche Pressekonferenz abhalten.
Nachdem unter Chirac die Amtsperiode auf fünf (statt sieben) Jahre begrenzt wurde, hat der Präsident weniger Zeit, seine Marken zu setzen. Doch Sarkozy kommt das entgegen. Er will sich vom Stil seiner Vorgänger Chirac und Mitterrand absetzen - und zwar als einer, der nicht "über den Wassern schwebt".
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 19.5.2007)
Stockender Kita-Ausbau
Schade , dass sein Schwiegervater, der erfolgreiche Pelzhändler Aaron Ciganer nicht mehr lebt. auf den hatte seine Tochter gehört.
irgendwie erinnert mich das Vorgehen Sarkozys ein wenig an das von Berlusconi... Ich dachte, dieser "Ausrutscher" sei vorerst der letzte Europas, aber der Herrgott ist mit seinen Prüfung anscheinend längst noch nicht am Ende *g*
Wie kannst Du Sozialismus mit Starlinismus vergleichen? Starlin hat den Sozialismus / Kommunismus genau so missbraucht wie Hitler die Demokratie (so ist er z.T. gewählt worden), also nimm DIr Literatur und schau nochmal nach wofür "links" steht!
Nachdem ich nun in der taz (sorry SZ) die genaue Zusammensetzung des Kabinetts gesehen habe, nehmen ich meine Sarkozy Schelte vorerst zurück. Bleibe jedoch skeptisch...
Allein, Kouchner bleibt mir schon suspekt. Vor der Wahl noch in Diensten der Sozialisten
laut Warnen vor Sarkozy.
Danach dann eben schnell mal die Richtung wechseln.
Da staunt der Laie .
Aber, wer weiß. Vielleicht wird ja alles gut?
Sozialisten protzen ja ständig mit Worten wie Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und alles muß "demokratisch" werden. Es quillt einem schon aus den Ohren heraus, so häufig hört man es von diesen Gerechtigkeitsfanatikern und Gutmenschen. In der Realität sieht es allerdings anders aus. Da gilt dann der Satz von Rosa Luxemburg nicht mehr, daß Freiheit immer auch die Freiheit des Andersdenkenden ist. Da ist dann schnell die Rede von "Verrätern". Und Verräter - das zeigt die Geschichte- werden schnell liquidiert; sei es durch Parteiausschluß oder durch Genickschuß. In der Sprache der Linken: sie werden kriminalisiert. Dabei ist es ein Ausweis demokratischen Verhaltens, wenn auch parteipolitisch Andersdenkende in eine Regierung aufgenommen werden. Aber die PS in Frankreich hat wohl soviel Angst, daß sie mit diesen Knüppelmethoden hantieren muß, um ihre "Glaubwürdigkeit" zu erhalten. Die PS muß noch viel lernen. Was die SPD 1959 im Godesberger Programm machte, dies hat die PS noch vor sich. Hübsche Frauen mit aristokratischen Outfit und Name reicht da nicht.
Paging