Frankreich wendet sich von seiner bisherigen Nukleardoktrin ab: In einer Rede auf einem Atom-U-Boot-Stützpunkt kündigte Präsident Chirac den "flexiblen" Einsatz der französischen Atomwaffen an.
Den Einsatz von Atomwaffen könnte nach den Worten des französischen Präsidenten Jacques Chirac in Zukunft etwa die Gefährdung der strategischen Versorgung durch Terroranschläge oder die Verteidigung von verbündeten Staaten rechtfertigen.
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Jacques Chirac betritt das Nuklear-U-Boot "Le Vigilant" (Der Wächter) auf dem bretonischen Stützpunkt "Ile Longue". (© Foto: AFP)
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Angesichts von Staatsführern, die terroristische Mittel gegen Frankreich einsetzen könnten, behalte sich Paris das Recht vor, mit Atomwaffen zu antworten, sagte Chirac am Donnerstag auf dem bretonischen Atom-U-Boot-Stützpunkt Ile Longue. Mit der Ansprache leitet Chirac offenbar eine Abkehr von Frankreichs bisheriger Nukleardoktrin ein.
Vor dem Hintergrund der Krise um das iranische Atomprogramm kritisierte Chirac "die Versuchung gewisser Staaten, sich unter Bruch der Verträge mit Atomwaffen auszustatten".
"Unsere Welt wird vom Auftauchen von Machtansprüchen geprägt, die auf dem Besitz atomarer, biologischer oder chemischer Waffen beruhen", sagte Chirac. Über den vorrangigen Kampf gegen den Terrorismus dürfe man dies nicht vergessen.
Möglich sein soll nach Angaben Chiracs künftig ein "flexibler" Einsatz der französischen Atomwaffen. Dabei könne Beistand gegenüber Verbündeten als ein "vitales" Interesse Frankreichs definiert werden, das einen solchen rechtfertige.
Zur neuen "flexiblen" Strategie sagte Chirac aber auch, dass auf mehreren Raketen französischer Atom-U-Boote die Zahl der Nuklearsprengköpfe bereits verringert worden sei. "Gegen eine Regionalmacht können wir nicht nur die Wahl zwischen Untätigkeit und Vernichtung haben", erläuterte Chirac seinen Standpunkt.
Es war das erste Mal, dass Chirac in solch einer deutlichen Form eine Verbindung zwischen einem möglichen terroristischen Angriff und einem darauffolgenden nuklearen Gegenschlag herstellte. Angaben zu einer konkreten Bedrohung für Frankreich durch einen bestimmten Staat oder eine bestimmte Region machte der Präsident jedoch nicht.
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(AFP/dpa)