Fragestunde des russischen Präsidenten Snowden darf Putin eine Frage stellen

Hallo, Herr Präsident! Whistleblower Snowden sitzt im Asyl in Russland. Nun tritt er öffentlich mit Putin auf - via Videobotschaft in der Fernsehshow des Präsidenten. Snowden stellt eine kritische Frage, aber Putin weiß zu parieren.

"Der heiße Draht" heißt die vierstündige Sendung, in der Bürger aus ganz Russland direkt Fragen an Wladimir Putin stellen können - per SMS, E-Mail oder auch in Form einer Videobotschaft. 2,5 Millionen Fragen sollen bereits im Vorfeld eingegangen sein. Die meisten drehten sich natürlich um die Krise in der Ukraine. Glückliche Krim-Bewohner winkten in die Kamera, sogar aus Berlin wurden Diplomaten zugeschaltet, um über die Rolle Europas zu diskutieren. Keine Überraschungen also.

Doch dann erschien plötzlich Edward Snowden auf dem Bildschirm. In einer Videobotschaft erklärt er auf Englisch, dass die massenhafte Überwachung die Bürgerrechte verletze und nicht helfe, Terroristen zu stoppen. Wladimir Putin fragt er, ob auch in Russland die Kommunikation millionenfach überwacht wird.

Ob Putin bekannt ist, dass Snowden auch eine Frage stellt? Das wissen wohl nur er und die Macher der Sendung. Auf jeden Fall wirkt der Präsident überrumpelt. Er habe den Whistleblower nur schwer verstehen können , sagt er. Die Moderatoren übersetzen auf Russisch, was Snowden gesagt hat.

Putin merkt zunächst an, dass Snowden ein ehemaliger Spion sei - so wie er selbst. Dann antwortet er: "Laut unserem Gesetz ist Massenüberwachung verboten. Außerdem haben wir nicht das Geld dafür - anders als in Amerika." Die Geheimdienste würden zudem streng reguliert.

Hier der Ausschnitt im Video, mit englischer Übersetzung des Staatssenders Russia Today.

In der Vergangenheit sind durchaus Fälle bekannt geworden, die zeigen, dass der russische Geheimdienst bei dem russischen Facebook Vkontakte Daten von kremlkritischen Nutzern abgegriffen hat. Auch die Olympischen Spiele in Sotschi wurden gut überwacht.

Snowden ist von Putin abhängig. Der NSA-Whistleblower hat im August Asyl in Russland bekommen. Der Aufenthalt ist aber für ein Jahr befristet. Was im Sommer passiert, ist völlig offen. Wird Snowden an die USA ausgeliefert, drohen ihm eine Anklage und eine lange Haftstrafe.