Fotos kompromittieren spanischen Politiker Im Urlaub mit dem Drogenhändler

Aufgescheuchter Hoffnungsträger: Alberto Núñez Feijóo.

(Foto: dpa)

Er gilt als Hoffnungsträger der spanischen Volkspartei, als möglicher Nachfolger von Ministerpräsident Rajoy. Doch nun bringen alte Fotos den galicischen Regierungschef Feijóo in Erklärungsnot. Darauf ist er an Bord einer Yacht zu sehen - mit einem inzwischen verurteilten Dealer.

Von Barbara Galaktionow

Es sind typische, zum Teil etwas unscharfe Urlaubsbilder: Zwei Männer sitzen oder stehen an Bord einer Motoryacht, mal mit Hut, mal mit Sonnenbrille, Cremerückstände auf den nackten Oberkörpern. Auf den ersten Blick unspektakulär - und doch setzen die Fotos derzeit einen der beiden Männer unter Rechtfertigungsdruck: Alberto Núñez Feijóo, Regierungschef der nordspanischen Region Galicien.

Denn die Bilder zeigen den Hoffnungsträger der von Skandalen gebeutelten konservativen Volkspartei (PP) zusammen mit einer zwielichtigen Gestalt: Marcial Dorado Baúlde, einem Drogenhändler, der mittlerweile zu mehreren Jahren Haft verurteilt wurde. Die Aufnahmen stammen aus dem Jahr 1995, wurden jedoch erst jetzt von der spanischen Zeitung El País veröffentlicht. Zwei weitere Fotos zeigen, wie die beiden Männer im Jahr 1996 aus demselben Auto steigen.

Feijóo gilt bislang als wahrscheinlichster Nachfolger des PP-Vorsitzenden und Regierungschefs Mariano Rajoy - und damit auch als potenzieller künftiger Ministerpräsident des Landes.

Er hatte trotz des harten Sparkurses der Regierung in Madrid auch in der Finanzkrise ein gutes Wahlergebnis eingefahren, steht Rajoy nahe, der ebenfalls aus Galicien stammt, und gilt als Mann, der sich sowohl auf der regionalen als auch auf der nationalen politischen Bühne gewandt bewegen kann (mehr zu Feijóos Stellung in der Volkspartei nachzulesen bei El País). Insofern ziehen die Fotos - obwohl fast 20 Jahre alt - besondere Aufmerksamkeit auf sich.

Mehrere galicische Oppositionspolitiker forderten umgehend den Rücktritt des galicischen Regierungschefs. Feijóo selbst bestritt hingegen am Montag vehement, dass die alten Aufnahmen Kompromittierendes zeigten.

Feijóo weist Vorwürfe zurück

"Ich habe immer im Rahmen des Gesetzes gehandelt", sagte er auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz und lehnte einen Rücktritt kategorisch ab: "Wenn ich die geringste Befürchtung hätte, dass ich etwas Illegales im Laufe meiner beruflichen Karriere, als Beamter oder Politiker, getan habe, wäre ich tatsächlich in einer heiklen Situation. Das ist nicht der Fall."

Feijóo vermutete, dass die jetzt veröffentlichten Aufnahmen Teil der Unterlagen seien, die die Justiz bei den Ermittlungen gegen Dorado beschlagnamt habe - offenbar seien sie auch bei mehrfacher juristischer Überprüfung als irrelevant eingestuft worden, betonte der konservative Politiker.

Sein damaliger - weder enger noch direkter - Kontakt zu Dorado habe weder Auswirkungen auf seine frühere Arbeit beim Nationalen Gesundheitsministerium gehabt noch sei er in Fragen einer Parteienfinanzierung relevant. Damals sei er noch nicht einmal Mitglied der Volkspartei gewesen, sagte Feijóo.

Er bestritt zudem, Näheres über Dorado gewusst zu haben: "Als ich ihn kennenlernte, wusste ich nichts über seine Vergangenheit oder seine Aktivitäten", sagte Feijóo. Eine Behauptung, die zumindest von Regionalpolitikern mit Häme bedacht wurde: "Der einzige Galicier, der 1995 nicht wusste, dass Dorado in Schmuggel verwickelt war, war Feijóo", spottete Abel Losada, Sprecher der Sozialistischen Partei in der Region im Nordwesten Spaniens.

Auch El País zufolge war Dorado in den Neunziger Jahren keineswegs ein unbeschriebenes Blatt: Er sei als Chef der galicischen Tabakschmuggler bekannt gewesen - und zu diesem Zeitpunkt auch bereits einmal wegen Schmuggels verurteilt gewesen, schrieb die Zeitung. Einige Jahre später sei er dann wegen Drogenhandels zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt worden.

Die Debatte um die fragwürdige Bekanntschaft des aufstrebenden PP-Politikers Feijóo kommt für die Volkspartei zur Unzeit. Als Regierungspartei ringt sie mit den massiven Auswirkungen der Finanzkrise und versucht, die Separationsbestrebungen vor allem der Katalanen einzudämmen.

Hinzu kommt, dass die Glaubwürdigkeit der Partei und ihrer Politiker - bis hin zu Ministerpräsident Rajoy selbst - durch eine sich immer mehr ausweitende Spenden- und Schwarzgeldaffäre erschüttert wird. Zuletzt hatte eine Zeitung gezeigt, dass Spenden an die Volkspartei offenbar sehr häufig mit öffentlichen Aufträgen an die Spender zusammenfielen.