Von Von Holger Wormer

Wie groß das Gesundheitsrisiko durch fremde Gene in der Nahrung tatsächlich ist, bleibt unter Wissenschaftlern bis heute eine Glaubensfrage.

(SZ vom 25.06.2003) - Die Forschungsergebnisse der Universität Köln wollte anfangs kaum jemand glauben. Wissenschaftler um Walter Doerfler und Rainer Schubbert vom Institut für Genetik hatten trächtigen Mäusen Erbgutmoleküle eines harmlosen "Bakterienvirus" ins Futter gemischt.

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Zu ihrer Überraschung schieden die Tiere das fremde Erbgut nicht einfach anstandslos wieder aus. Stattdessen fanden die Forscher ganze Abschnitte der fremden DNS- Moleküle im Blut der Tiere wieder, andere Gen-Bruchstücke hatten die Mäuse in Leber und Milz; Zellen des Immunsystems waren im Darm eingebaut. Sogar im Nachwuchs der trächtigen Tiere tauchten einzelne Gen-Abschnitte später wieder auf.

Inzwischen sind die Ergebnisse längst bestätigt worden. So fanden Ernährungswissenschaftler der Universität Jena in Hühnern Teile der DNS von gentechnisch verändertem Bt-Mais wieder, mit dem sie die Tiere gefüttert hatten. Für Kritiker sind solche Resultate ein Beleg für kaum kalkulierbare Risiken gentechnisch veränderter Nahrungsmittel.

Sie befürchten, dass das Immunsystem des Menschen durch künstliche Gen-Konstrukte Schaden nehmen könnte. Auch könnten sich in Pflanzen eingebaute Gene für Antibiotika-Resistenzen ausbreiten und die Bekämpfung von Infektionen erschweren. Befürworter argumentieren hingegen, der Körper sei daran gewöhnt, mit der Nahrung DNS aufzunehmen - schätzungsweise ein Gramm pro Tag. Auch seien die im Körper gefundenen Gen-Bruchstücke kaum mehr intakt und somit unschädlich gemacht worden.

Wie groß das Gesundheitsrisiko durch fremde Gene in der Nahrung jedoch tatsächlich ist, bleibt unter Wissenschaftlern bis heute eine Glaubensfrage.

Wahrscheinlich, so eine weit verbreitete Ansicht, ist es von der Art der Gene abhängig, die in die Nahrungsmittel eingebaut wurden. Gene gegen Antibiotika- Resistenz, als technisches Hilfsmittel vor allem in den ersten Gentech- Pflanzen zu finden, bergen demnach zumindest ein unnötiges Risiko.

Deutlich geringer dürfte dieses jedoch sein, wenn lediglich Gene aus der einen Nahrungspflanze in eine andere eingebaut wurden - etwa das Gen einer Karotte in das Erbgut einer Reispflanze.

Doch auch solche vermeintlich harmlose Gen-Transfers unter Nahrungspflanzen können zur Gefahr werden: So droht dem Erdnuss-Allergiker beispielsweise ein allergischer Schock, wenn bestimmte Erdnussgene plötzlich ohne sein Wissen in anderen Nahrungsmitteln auftauchen.

Eine wichtige Forderung lautet daher: Gentech-Nahrung sollte mindestens so deutlich gekennzeichnet werden, wie es bei Konservierungs- und Zusatzstoffen längst selbstverständlich ist.

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