Formel 1: Großer Preis von Bahrain Im Zweifel für das große Geld

Die Mahnungen von Menschenrechtlern verhallten ungehört: Der Golfstaat Bahrain darf das Formel-1-Rennen im Oktober ausrichten, obwohl er einen Aufstand im Land blutig unterdrückte. Formel-1-Boss Bernie Ecclestone sagt: "Es gibt dort viele nette Leute."

Von Tomas Avenarius

In Bahrain wird im Oktober ein Formel-1-Rennen stattfinden, obwohl die arabische Regierung einen landesweiten Aufstand blutig unterdrückt hat. Der Automobil-Weltverband FIA entschied trotz der Mahnungen von Menschenrechtlern und Oppositionsgruppen, dass der wegen der Revolte im März verschobene "Große Preis von Bahrain" am 30. Oktober nachgeholt wird.

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hatte kürzlich noch gefordert, "ein bisschen abzuwarten, um genau zu sehen, welche Fortschritte im Land gemacht werden". Später sagte er aber, er sehe keine politischen Probleme, sondern nur Terminschwierigkeiten: "Es gibt dort viele nette Leute."

"Moral oder Moneten" hatte die Nachrichtenagentur dpa vor dem FIA-Treffen in Barcelona geschrieben - die Funktionäre haben sich nun für die Moneten und gegen die Moral entschieden. Für Bahrains Königshaus ist das ein Erfolg: Das Ansehen des Inselkönigreichs am Persischen Golf hat unter dem Vorgehen gegen die Aufständischen gelitten und das Autorennen ist ein internationales Prestige-Projekt.

Deshalb hatten die Scheichs die Formel-1-Verantwortlichen hinter den Kulissen gedrängt, den Großen Preis nachzuholen. Für die in Barcelona tagenden Auto-Funktionäre war dies eine Zwickmühle: In der Formel 1 geht es um viel Geld; die Scheichs konzentrieren sich in den vergangenen Jahren auf den Motorsport; andererseits wurden die Verantwortlichen von Menschenrechtlern zur Absage öffentlich aufgefordert.

Bahrain wird seit Februar von einem Aufstand der mehrheitlich schiitischen Bevölkerung erschüttert. Das sunnitische Königshaus der al-Khalifa hat den arabischen Frühling ebenso brutal wie effektiv unterdrückt: Mit Hilfe von Truppen des Golf-Kooperationsrates (GCC) wurden Demonstrationen niedergeprügelt und beschossen. Die meisten Oppositionsführer und Regimekritiker sind inhaftiert, einige von Sondergerichten zum Tode verurteilt. Menschenrechtsorganisationen erheben zudem Foltervorwürfe.

Das Königshaus hat vor wenigen Tagen, offenbar im Blick auf die FIA-Entscheidung, das seit drei Monaten geltende Kriegsrecht aufgehoben. Es wollte den Eindruck erwecken, als ob wieder Normalität herrsche - eine Voraussetzung für den Formel-1-Zirkus. Die Regierung traut der Opposition aber offenbar weiter zu, auf die Straße zu gehen: Die GCC-Truppen würden trotz des Endes des Kriegsrechts im Land bleiben, erklärte Bahrains Militärchef Scheich Khalifa bin Ahmed al-Khalifa.

Am Freitag, dem Tag der FIA-Entscheidung, patrouillierte die Polizei durch die Hauptstadt Manama: Keine noch so kleine Demonstration sollte den Gedanken nahelegen, dass Straßenschlachten die Wiederaufnahme des Rennens belasten könnten. Dennoch kam es in Manama zu Protesten, die von der Polizei aber aufgelöst wurden.

Im Internet hatte die Gruppe "Avaaz.org" vergeblich gegen das Rennen mobilisiert. Sie appellierte an das Red-Bull-Team von Sebastian Vettel, die Teilnahme am Grand Prix abzusagen. Als Unterstützer hatte man Ex-Weltmeister Damon Hill gewonnen. Dieser sagt: "Wenn die Formel 1 in Bahrain fährt, wird sie immer den Schatten tragen, mit den repressiven Methoden zum Erhalt der Ordnung in Verbindung zu stehen."

Oberhammeraffengeil

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