Von Michael König

Ein Insasse des US-Gefängnisses auf Kuba hatte angeblich Kontakt zu einem Reporter. Er erhebt schwere Vorwürfe - auch gegen die Regierung Obama.

Wenn die Geschichte so stimmt, wie sie der arabische Fernsehsender Al-Dschasira auf seiner Internetseite veröffentlicht hat, dann hat es Mohammad Al-Qurani aus dem Tschad als erster Insasse geschafft, aus dem US-Gefängnis Guantanamo heraus Kontakt zur Presse aufzunehmen: Der 21-Jährige soll dem Sender ein Telefoninterview gegeben und schwere Vorwürfe erhoben haben.

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Häftlinge im US-Gefängnis Guantanamo: Einem Insassen soll es gelungen sein, ein Telefoninterview zu geben. (© Foto: AP)

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Er sei von den Gefängniswärtern geschlagen und mit Tränengas besprüht worden, weil er seine Zelle nicht verlassen wollte, sagte Al-Qurani laut Al-Dschasira. Der Missbrauch habe vor der Amtsübernahme von US-Präsident Barack Obama begonnen und habe seitdem nicht aufgehört. "Seit Obama an der Macht ist, hat er uns nicht gezeigt, dass sich etwas ändern soll", zitiert Al-Dschasira den Insassen.

Die Umstände des Interviews sind fragwürdig. Die USA hatten es Guantanamo-Häftlingen bislang nicht erlaubt, mit der Presse zu reden. Das umstrittene Gefängnis wurde 2002 von der Bush-Regierung eröffnet, um Terrorverdächtige festzuhalten. Menschenrechtsorganisationen kritisierten die schlechte Behandlung der Insassen. Derzeit sind dort noch etwa 240 Menschen inhaftiert.

Prügel mit Schlagstöcken

Laut Al-Dschasira steht Mohammad Al-Qurani, der 2001 in Pakistan verhaftet worden war, kurz vor der Entlassung. Deshalb habe er die Erlaubnis gehabt, einmal wöchentlich ein Telefonat mit seiner Familie zu führen. Er habe stattdessen einen ehemaligen Mithäftling angerufen, der bei Al-Dschasira als Kameramann arbeite, berichtete der Fernsehsender.

"Die Gefängniswärter sind immer noch die gleichen wie zu Zeiten der Regierung Bush. Sie verwenden die selben Methoden", zitierte der Sender Al-Qurani weiter. Er habe seine Zelle aus Protest nicht verlassen wollen, weil ihm der Kontakt zu Mitinsassen und "normales Essen" verweigert worden sei. Daraufhin hätten ihn sechs Soldaten mit Schlagstöcken verprügelt.

Ein Sprecher des Gefängnisses bestätigte der britischen Zeitung The Guardian, Al-Qurani habe "offensichtlich" einen Telefonanruf für das Interview genutzt. Es gebe jedoch keinen Beweis dafür, dass der Insasse missbraucht worden sei.

CIA will Berichte geheimhalten

Obama hatte schon im Präsidentschaftswahlkampf angekündigt, Guantanamo schließen zu wollen. Auch nach seinem Amtsantritt betonte er, seine Regierung wolle Transparenz schaffen und über die umstrittenen Verhörmethoden des Geheimdienstes CIA aufklären.

Ganz durchsetzen konnte er das offenbar noch nicht: Wie das Wall Street Journal auf seiner Internetseite berichtet, erwägt der Präsident, diesbezügliche Berichte des Justizministeriums teilweise geheim zu halten.

Darin geht es unter anderem um Waterboarding - diese Technik des simulierten Ertrinkens war während der Präsidentschaft George W. Bushs mehrfach angewandt worden, um Aussagen von Häftlingen zu erzwingen. Barack Obama hatte die Praxis kurz nach seinem Amtsantritt verboten. Sein Justizminister Eric Holder bezeichnete Waterboarding als Foltermethode.

Während US-Geheimdienstkoordinator Dennis Blair eine vollständige Veröffentlichung der Berichte favorisiere, hätten sich führende CIA-Mitarbeiter dagegen ausgesprochen, berichtete das Wall Street Journal. Andernfalls werde die Autorität des Geheimdienstes untergraben.

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(sueddeutsche.de/gba)