Die Finanzkrise ist das größte Sicherheitsproblem dieser Zeit. Wenn die Regierungen versagen, gemeinsam Lösungen zu finden, drohen ein Zerfall der EU und weltweite Kriege.
Eine Bank, so lernten es bislang schon Kinder bei jedem Weltspartag, ist eine ziemlich sichere Angelegenheit - mit Tresorräumen, Panzertüren und Schließfächern. Eine Bank, das war gerade in Deutschland der Inbegriff von Stabilität und Sicherheit. Eine sichere Bank aber gibt es nicht mehr, spätestens seit September 2008, als Lehman Brothers aufhörte zu existieren.
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In der lettischen Hauptstadt Riga kommt es seit Wochen zu Protesten gegen die Regierung - und auch zu gewalttätigen Ausschreitungen. (© Foto: Reuters)
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Seitdem hat sich die Erkenntnis verbreitet, dass Banken nicht zur Sicherheit, sondern zur Unsicherheit beitragen, und dass eine "sichere Anlage" ein Oxymoron ist, ein Widerspruch in sich. Nicht mal der Staat mag seinen Bürgern die Sicherheit geben, dass er mit seinen hoheitlichen Rechten der Finanzkrise ein Ende setzen kann.
Die Finanzkrise und die globale Rezession beherrschen die Terminkalender der Staatenlenker, sie diktieren den Sitzungskalender der Parlamente. Sie sind präsent im Bewusstsein der Menschen und lösen weltweit sehr ähnliche Ängste aus - und sie sind das größte Sicherheitsproblem dieser Zeit.
Ein Staat geht für die Sicherheit seiner Bürger drei Verpflichtungen ein: Er schützt mit seinem Militär vor einem äußeren Feind, er sorgt mit der Polizei für Sicherheit im Inneren, und er betreibt eine umsichtige Wirtschaftspolitik, die vor ökonomischer Unsicherheit schützen soll.
Erstaunlich nur, dass der Zusammenhang zwischen der ökonomischen Krise und der physischen Sicherheit, der Unversehrtheit der Bürger von Riga bis Shanghai, von São Paulo bis Sacramento, nur selten hergestellt wird. Die Krise ist bisher nur ein Problem für den Geldbeutel, den Arbeitsplatz, das Immobiliendarlehen. Sie ist noch keine globale Sicherheitskrise. Aber das könnte sie bald werden. Wenn die Menschen an der Sicherheit garantierenden Autorität ihres Staates zweifeln, dann wächst Instabilität und droht Gefahr.
Um das Eskalationspotential zu ermessen, genügt ein Blick nach Island, wo eigentlich friedliebende Bürger im Zorn über ihre Regierung auf die Straßen gingen und die Wut in Gewalt umschlug. Bulgarien, Lettland - überall kam es zu gewaltsamen Protesten. In Großbritannien gab es wilde Streiks, weil Arbeiter fürchteten, Ausländer aus anderen EU-Staaten würden ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen.
Europas Fliehkräfte
In den europäischen Zentralbanken werden Horrorszenarien durchgespielt, was ein Zerfall der Euro-Gruppe auslösen könnte: Wenn einige Staaten die Schuldenlast nicht mehr tragen könnten und auch die Unterstützung des Währungsfonds oder der europäischen Partner verlieren würden, dann bekäme der Kontinent nicht nur seinen alten Währungsteppich wieder, Europa würde auch politisch zerfallen - unfähig, das Bedürfnis seiner Bürger nach Sicherheit zu garantieren.Die EU, eine auf Wachstum und Wohlstandsverteilung begründete Idee, verlöre das stärkste Argument für ihren Zusammenhalt.
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