Flugzeugattentat von Detroit US-Ministerin Napolitano räumt Versagen ein

"Das System hat nicht funktioniert": Erst hat Janet Napolitano die Sicherheitsvorkehrungen verteidigt, nun bekennt die Heimatschutzministerin Fehler.

Verspätete Einsicht: Nach dem vereitelten Anschlag auf ein Verkehrsflugzeug hat US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano ein Versagen der Sicherheitsvorkehrungen eingeräumt.

"So ist es", sagte Napolitano auf die Frage des Fernsehsenders NBC, ob die Schutzvorkehrungen nicht kläglich versagt hätten. "Und deshalb fragen wir, warum konnte diese Person das Flugzeug betreten? Warum wurde der Sprengstoff nicht gefunden? Und wie müssen wir die Bestimmungen für die Sicherheitsliste ändern?", sagte Napolitano.

Der 23-jährige Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab war am Heiligabend in einer Maschine der Northwest Airlines auf dem Flug von Amsterdam nach Detroit von Mitreisenden und Besatzungsmitgliedern daran gehindert worden, Sprengstoff zu zünden.

Der verhinderte Attentäter Abdulmutallab war den US-Behörden nicht unbekannt: Sein Name tauchte wegen möglicher Verbindungen zu al-Qaida in US-Geheimdienstberichten auf. Obwohl er als möglicher Terrorverdächtiger geführt wurde, sahen die US-Behörden offenbar keinen Grund, sein bis Juni 2010 gültiges Einreisevisum für ungültig zu erklären.

Trotz dieser Tatsache hatte Napolitano noch am Sonntag gesagt, die Sicherheitsvorkehrungen hätten funktioniert. Damit sei die Alarmierung anderer Flüge und von Flughäfen gemeint gewesen, schränkte die Heimatschutzministerin nun ein.

Im Fernsehsender CNN kündigte sie eine Überprüfung weiterer Schutzmaßnahmen an: "Diese Person hätte mit diesem Material das Flugzeug nicht betreten dürfen".

Napolitano sagte aber auch, sie wolle allerdings nicht so weit gehen und grundsätzlich von einer neuen Form der Bedrohung durch ein nicht ausreichendes Sicherheitssystem sprechen. "In diesem Fall hat das System nicht funktioniert. Darüber ist niemand glücklich. Eine umfassende Untersuchung ist im Gange." Die zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen am Boden und in den Flugzeugen machten den Flugverkehr jedoch sicher.

Die amerikanische Regierung will nun insbesondere prüfen, wie die Listen von verdächtigen Personen gehandhabt werden und wie die Kontrollen von Fluggästen ausgeweitet werden können. "Die Ermittler müssen klären, ob eindeutige Indizien übersehen wurden und ob die Verfahrensweisen geändert werden sollten", erklärte US-Regierungssprecher Robert Gibbs.

Debatte über Kontrollen an Flughäfen

Dass die explosive Substanz bei den Sicherheitskontrollen nicht entdeckt wurde, löste eine heftige Debatte über Kontrollen an Flughäfen aus. In Deutschland wurden deswegen Rufe nach dem Einsatz sogenannter Nacktscanner laut. Mit diesen Geräten hätte der Sprengstoff vermutlich lokalisiert werden können. Für deren Einsatz gibt es bei der zuständigen Bundespolizei jedoch keinen konkreten Zeitplan. "Wir testen hinter verschlossenen Türen und arbeiten einen Anforderungskatalog ab", sagte ein Sprecher.

Zudem bestätigte der Sprecher, dass die Kontrollen an deutschen Flughäfen verstärkt wurden. Zum Umfang wollte er sich aus polizeitaktischen Gründen nicht äußern. "Die Wahrscheinlichkeit, dass nach der Standardkontrolle noch einmal nachkontrolliert wird, ist größer geworden", sagte er lediglich.