Flughafen Berlin Brandenburg Platzeck zum neuen Aufsichtsratschef gewählt

Neuer Chefkontrolleur: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck hat versprochen, die Bauarbeiten auf dem Pannenflughafen Berlin Brandenburg deutlich stärker zu überwachen als Klaus Wowereit, sein Vorgänger als Aufsichtsratschef. 

(Foto: dpa)

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck ist neuer Aufsichtsratschef für den Berliner Großflughafen BER. Der SPD-Politiker wurde einstimmig zum Chefkontrolleur der Flughafengesellschaft gewählt. Im Vergleich zu seinem Vorgänger Wowereit will er die Bauarbeiten stärker überwachen.

Der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ist neuer Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg. Das beschloss das Kontrollgremium in einer Sondersitzung einstimmig, wie ein Flughafensprecher mitteilte.

Platzeck hatte angekündigt, das wegen massiver Baumängel und Brandschutzprobleme ins Schlingern geratene Milliardenprojekt deutlich intensiver zu überwachen. Geplant sind wöchentliche Unterrichtungen und eine eigene Abteilung in der Potsdamer Staatskanzlei.

Brandenburgs Grüne kritisierten die Entscheidung: "Das ist eine Farce", sagte die Landesvorsitzende Annalena Baerbock. Platzeck habe als stellvertretender Vorsitzender das Desaster mitzuverantworten. "Es wäre deutlich besser gewesen, jemanden von außen zu holen", sagte Baerbock. Sie forderte von Platzeck deutlich mehr Transparenz und eine Offenlegung der Daten auch gegenüber dem Rechnungshof. Außerdem müssten Fachleute hinzugezogen werden.

Platzeck folgt als Aufsichtsratschef auf Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der das Amt wegen der mehrfachen Verschiebung des Eröffnungstermins für den Flughafen abgegeben hatte.

Gleichzeitig berät der Aufsichtsrat über das weitere Vorgehen nach dem Flughafen-Desaster. Nun soll die Geschäftsführung um einen Finanzfachmann erweitert werden, außerdem steht der Posten von Flughafenchef Rainer Schwarz zur Disposition.

Für beide Posten wurden bislang offiziell keine Kandidaten genannt. Die Sitzung begann gut zwei Stunden später als geplant, weil es zuvor noch mehrere Vorbesprechungen gab.

Schwierige Suche nach einem Topmanager

Die Suche nach einem neuen Topmanager soll sich extrem schwierig gestalten. Denn angesichts des Desasters um Baumängel und schier endlose Brandschutzprobleme ist das einstige Prestigeprojekt eher zu einem Himmelfahrtskommando geworden. Kosten und Termine sind weit entfernt von dem, was in den ursprünglichen Planungen vorgesehen war.

Das ZDF meldet unter Berufung auf Flughafenkreise, dass mit einer Eröffnung frühestens 2015 zu rechnen sei. Zunächst müsse der aktuelle Bauzustand ausführlich untersucht werden. Erst danach könnten die Restarbeiten wieder aufgenommen werden. Ein Termin im Herbst 2014 wäre unter diesen Umständen nur noch unter "optimalen Bedingungen" einzuhalten. Deswegen blicke man am Berliner Flughafen nun eher auf 2015.

Eine schnelle Lösung für den Problemflughafen ist derzeit nicht absehbar. Inzwischen wird sogar über einen Abriss und einen kompletten Neubau spekuliert. "Die Probleme sind leider Gottes nach dem, was wir jetzt wissen, und was wir sehr mühevoll in den letzten Monaten aufgedeckt haben, heftig, sehr heftig", sagte der ebenfalls schon als Krisenmanager geholte neue Technikchef Horst Amann.